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Gericht stellt Verfahren ein 180 statt 2500 Euro für Bestattung in Lingen

Von Anne Bremenkamp | 23.12.2014, 08:36 Uhr

Das Amtsgericht Lingen hat das Betrugsverfahren gegen einen 71-jährigen Mann, der Bestattungskosten in Höhe von gut 2500 Euro nicht bezahlt hat, gegen eine Geldauflage von 180 Euro vorläufig eingestellt.

Dem Rentner war vorgeworfen worden, nach dem Tod seiner Lebensgefährtin bei einem Bestattungshaus die komplette Organisation und Durchführung der Beerdigung in Auftrag gegeben zu haben, obwohl er wusste, dass seine Vermögenslage dies nicht zuließ (wir berichteten).

Der 71-jährige hatte am ersten Verhandlungstag geltend gemacht, dass er überzeugt gewesen sei, dass die Nichte der Verstorbenen die Bestattungskosten übernehme. So habe ihm das auch seine Lebensgefährtin vor ihrem Tod stets versichert. Die Nichte hatte hingegen darauf verwiesen, dass sie erst vier Wochen nach der Beerdigung vom Tod ihrer Tante erfahren habe und daher nicht gewillt gewesen sei, die Kosten einer Beerdigung zu zahlen, an der sie nicht einmal teilnehmen konnte.

In der Fortsetzung der Hauptverhandlung wurden der Bestatter und seine Mitarbeiterin zur Klärung des Sachverhalts als Zeugen vernommen. Der Bestatter verwies darauf, dass die Beerdigung in einem Rahmen geordert worden war, wie ihn die Stadt Lingen auch übernommen hätte. Er bestätigte die Aussage des Angeklagten, in keinen persönlichen Kontakt mit ihm getreten zu sein, das Gespräch mit dem 71-jährigen habe seine Mitarbeiterin geführt. Diese erinnerte sich, den Kunden gewissenhaft und ausführlich beraten zu haben. Erst als sie ihm nach seiner expliziten Erkundigung die Kosten noch einmal grob überschlagen habe, habe er den Vertrag unterschrieben, in dem es ausdrücklich hieß, dass er persönlich für die Bestattungskosten hafte.

Der Angeklagte habe ihr auch von der Nichte der Verstorbenen erzählt, die seinerzeit viel Vermögen von ihrer Tante bekommen habe. Davon, dass sie die Bestattungskosten übernehmen werde, habe er hingegen nicht gesprochen. Die Bestattungsfachkraft betonte abschließend, dass der Angeklagte als Nichtangehöriger vor Abschluss des Vertrages nicht rechtlich verpflichtet gewesen sei, die Bestattung zu übernehmen.

„Wer die Musik bestellt, der muss sie auch bezahlen. Zivilrechtlich haftet der Angeklagte dafür. Strafrechtlich ist das Verhalten auch als Betrug zu werten, aber nur mit einem schwachen Vorsatz“, erklärte der Strafrichter die vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage für vertretbar.

Angesichts der nicht gezahlten Kosten seien die in sechs Raten zu zahlenden 180 Euro an das Bestattungsunternehmen zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Sie seien jedoch den finanziellen Möglichkeiten des Angeklagten angepasst, der, obwohl er Alleinerbe der einst vermögenden Verstorbenen war, von der sozialen Grundsicherung lebt.