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Generationswechsel in Messingen Bernhard „Buggy“ Barkmann Landwirt mit Leib und Seele

Von Christiane Adam | 03.02.2017, 14:30 Uhr

Die Hofstelle Barkmann in Messingen-Brümsel ist seit 1553 beurkundet, damals zunächst unter dem Namen Berckmann. Seit fast 500 Jahren bewirtschaftet die Familie Barkmann das Land. Derzeitiger „Cheflandwirt“ ist Bernhard Barkmann Junior.

Der 44-Jährige hat 2012 den Hof von seinen Eltern Bernhard Senior und Anni übernommen; gepachtet hatte er ihn bereits seit dem Jahr 2000. „Wir waren uns von Anfang an einig, dass die Hofübergabe nicht lange hinausgezögert wird. Nach der niedersächsischen Höfeordnung wird normalerweise ein Hof erst vererbt, wenn der Besitzer gestorben ist“, erzählt Mutter Anni.

Die niedersächsische Höfeordnung ist komplex. Anni Barkmann weiß das, denn als ehrenamtliche Landwirtschaftsrichterin (vergleichbar mit einer Schöffin) am Landwirtschaftsgericht musste sie bereits über viele Fälle beraten. Die vorgezogene Übergabe des Hofes bedeutet für Bernhard Junior mehr Freiheiten bei wirtschaftlichen Entscheidungen. Die Eltern hingegen haben dadurch keine Verpflichtungen mehr. Beiden Generationen war wichtig, die Übergabe in Ruhe vorzunehmen. Schon während des Abiturs am Gymnasium Leoninum 1992 sah Bernhard Junior seine berufliche Zukunft in der Landwirtschaft. „Ich habe eine Ausbildung auf Höfen in Steinfeld und Duisenburg absolviert und anschließend in Osnabrück studiert“, schildert er seinen beruflichen Werdegang.

Komplexe Höfeordnung

„Dafür, dass es zwischen meinen Geschwistern und mir bei dieser vorgezogenen Erbschaft keinen Streit gab, bin ich dankbar. Wir haben da alle an einem Strang gezogen, ansonsten wäre es schwierig gewesen“, erklärt Bernhard froh. Die drei jüngeren Geschwister äußerten kein Interesse, den Hof zu führen und üben Berufe außerhalb der Landwirtschaft aus. Dafür hatten Ute, Werner und Inge bei der Vererbung Anspruch auf Pflichtanteile. Aus ihrer Tätigkeit am Landwirtschaftsgericht kann Anni sagen, dass es „ganz schwierige Fälle sind, wenn die Geschwister sich uneinig sind“.

Innerhalb der niedersächsischen Höfeordnung gilt das Ältestenrecht. Bernhard, der zwar der Älteste der Barkmann-Geschwister ist, musste allerdings nachweisen, dass er „wirtschaftsfähig“ ist. Diese Wirtschaftsfähigkeit konnte er durch seine Berufsausbildung freilich leicht nachweisen. „Das Landwirtschaftsgericht prüft diese Wirtschaftsfähigkeit, damit die Betriebe zukunftsfähig gehalten werden. Außerdem soll die Höfeordnung verhindern, dass die Höfe nicht in Kleinsthöfe zersplittert werden“, umschreibt die ehrenamtliche Landwirtschaftsrichterin den Sinn der komplexen Höfeordnung. Bei solchen Vorvererbungen muss der neue Hofbesitzer den Eltern ein monatliches Altenteil auszahlen. Würde Bernhard Junior nun einfach verkaufen wollen, um etwas ganz anderes zu tun, dürfte er dies auch nicht einfach, zumindest nicht, ohne seine Geschwister zu beteiligen. Image von Landwirten

Dies jedoch liegt ihm ohnehin fern. Bernhard „Buggy“ Barkmann ist Landwirt mit Leib und Seele, und das nicht nur bei der täglichen Arbeit auf dem Feld und im Stall. Seit einigen Jahren macht er sich mehr und mehr stark für das Image von Landwirten. Auf seiner Homepage http://blogagrar.de greift er regelmäßig aktuelle Themen rund um die öffentliche Wahrnehmung von landwirtschaftlichen Betrieben auf. Er ist Mitorganisator der Demo „Wir machen euch satt“, ist auf der Grünen Woche vertreten und fliegt, wenn es sein muss, sogar zu Agrarbloggerkonferenzen nach Kansas.

Über die Unterstützung seiner Familie ist er froh. Bei der Übernahme des Betriebs in Brümsel habe er keine Revolution gestartet, ihn vielmehr weiterentwickelt, betont er. Natürlich werde bei größeren Investitionen diskutiert, aber jedem in der Familie sei klar, dass investiert werden müsse, um den Betrieb zukunftsfähig zu halten. Das ist im Übrigen ein Punkt, der ihn bei der stetigen öffentlichen Diskussion um den Neubau von Ställen ärgert: „Wenn eine weitere Generation von den Erträgen des Hofes leben will, muss investiert werden. Alles andere wäre ein Höfesterben auf Raten“, bekräftigt der vierfache Familienvater. „Als wir jung waren, wollten wir auch immer investieren, also ist es gut, dass Bernhard dies jetzt tut“, ergänzt seine Mutter, und fügt hinzu: „Wenn wir nie Meinungsverschiedenheiten hätten, wären wir ja Luschen“.

Die Leidenschaft, mit der der Landwirt seinen Beruf ausübt und sich für diesen einsetzt, hat sich indes schon auf die nächste Generation übertragen: Der neunjährige Elias, der besonders gerne mit Papa oder Opa Trecker fährt, weiß schon jetzt: „Ich möchte den Hof gern weitermachen“.

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