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Früher war die Fantasie grenzenlos Kinderlärm ist Zukunftsmusik für Lingen

27.07.2014, 10:21 Uhr

Kinderlärm ist Zukunftsmusik, heißt es. Aber nicht überall ist solcher Lärm erwünscht. Oft bleibt er ganz aus, weil die Kinder fehlen. Dafür donnert es aus Laubsaugern oder Benzinrasenmähern. Dazu hat sich unser Mitarbeiter Werner Tonske Gedanken gemacht.

Lingen. Kinderlärm ist Zukunftsmusik, heißt es. Aber nicht überall ist solcher Lärm erwünscht. Oft bleibt er ganz aus, weil die Kinder fehlen. Dafür donnert es aus Laubsaugern oder Benzinrasenmähern. Dazu hat sich unser Mitarbeiter Werner Tonske Gedanken gemacht.

Viele Singles wollen sich nicht vom Nachwuchs die Freiheit stehlen lassen, unentschlossene Paare schieben ihre Entscheidung für oder gegen Kinder so lange vor sich her, bis ihnen die Natur die Entscheidung abnimmt, und anderen wiederum bleibt der Wunsch nach Kindern versagt. So führen viele Gründe dazu, dass es ringsum still und stiller wird, was den ganz natürlichen Kinderlärm betrifft.

Unnatürliche Krawalle machen sich stattdessen breit. Dröhnende Benzinmäher, die möglichst zweimal wöchentlich den Rasen englisch kurz trimmen. Einen Mordslärm verursachen Motorsägen und Laubsauger. Bedenkenlos eingesetzt malträtieren die Besitzer solcher Gerätschaften die Nerven ihrer Mitmenschen. Die Liste dieser krank machenden Gerätschaften ließe sich noch fortsetzen, doch möchte ich stattdessen von einer erfreulichen Neuigkeit berichten.

Wir haben durch Zuzug wieder junge Familien mit Kindern in unsere Umgebung bekommen. Meine Frau und ich, wir freuen uns darüber. Wir haben die Steppkes vermisst: ihr Lachen und ihre Freude am Übermut. Eigenschaften welche uns Erwachsenen meist abhanden gekommen sind. Beim Erscheinen der kleinen und größeren Kinder stiegen in uns Erinnerungen an die eigene Kindheit auf, die so anders war als die der heutigen Kids. Es war eine Welt voller Abenteuer in freier Natur, besonders hier im Emsland mit seinen damals noch endlosen Wäldern, Wiesen und Heideflächen.

Fantasie ohne Grenzen

Gewiss war die bestehende Infrastruktur im Vergleich zur heutigen bescheiden. Auch steckte das Verkehrsaufkommen noch in den Anfängen. Dafür durften die Eltern ihre Kleinen unbesorgt sich selbst überlassen. Ob beim Ballspiel, beim Mooshäuschenbauen und Auf-die-Bäume-Klettern im nahen Wald oder beim Räuber- und Gendarmenspiel hinter dichten Büschen und Bäumen: Der kindlichen Fantasie wurden keine Grenzen gesetzt. Und welche Wonne bot sich an, sich im warmen Sand der damals zahlreichen Sanddünen zu rekeln, um danach jubelnd herunterzurollen.

Es gab kaum Verbote oder Verordnungen, welche den Drang der Kinder nach Bewegung einschränkten. Die belebten Straßen der Gegenwart kannten sie damals noch nicht. Deshalb erfuhr jedes Auto und jeder Bus, der auf dem Pflaster aufkreuzte, Beachtung. Über Herkunft, Modell und Baujahr der Fahrzeuge wurde dann lebhaft, jedoch nicht lange debattiert. Wichtiger war den Knirpsen die Revanche für das am Vortag auf der Wiese verlorene Völkerballspiel.

Bei aller Großzügigkeit, ein Manko hatten die Stöpsel von gestern gegenüber den Kids von heute doch: das knappe Taschengeld. Wenn überhaupt einer welches bekam, brauchte er nicht lange nach Freunden Ausschau zu halten. Heute ist es beinahe selbstverständlich, dass die Heranwachsenden Taschengeld bekommen. Auch ihren Wünschen nach technischer Kommunikation wird so weit wie möglich entsprochen. So verbringen, vor allem in den winterlichen Tagen, die Mädchen und Jungen ihre Freizeit mit Spielkonsole und Smartphone im Haus.

Spiel des Lebens

Draußen sieht man sie kaum. Erst wenn der Frühling wieder Einzug hält und sich alles einfindet, drängt es auch den Nachwuchs ins Freie. Ausgerüstet mit Schutzhelmen und Knieschützern, bringen sie auf Rädern, Rollern, Inlineskates und Skateboards pulsierendes Leben auf seelenlose Bürgersteige. Auch auf den Spielplätzen der Stadt vergnügen sich die Kleinen auf Schaukeln, Wippen, Klettertürmchen, Rutschen und im Sandkasten. Schaut man ihnen zu, wird einem bald bewusst, wie sich bereits im Verlauf einer Generation die Welt verändert. Die Bühne, auf der unser Leben einst einherging, erschien uns ganz anders als die Bühnenshow von heute. Und dennoch verkörpern die Akteure auf allen Bühnen der Welt und zu allen Zeiten nur ein Spiel – das Spiel, welches man Leben nennt, und das beginnt mit der Kindheit.