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Freund in Juskovzy gestorben Ukraine-Hilfe aus Lingen wird fortgesetzt

Von Ludger Jungeblut | 18.08.2013, 19:04 Uhr

Als fünf Mitglieder des Freundeskreises der Ukrainefahrer aus Lingen kürzlich zu einem mehrtägigen Aufenthalt in dem 1300-Seelen-Dorf Juskovzy eintreffen, ist ein guter alter Freund nicht mehr da. Wassilij Ratuschko, genannt Franz, der während des Zweiten Weltkriegs mit rund 80 weiteren Männern aus dem ukrainischen Dorf als Zwangsarbeiter im ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerk in Lingen eingesetzt war, starb am 11.Juli im Alter von 89 Jahren.

„Wir haben ihm ein Blumengebinde mit der Aufschrift ,Deine Freunde aus Lingen‘ auf sein Grab gelegt“, berichten Hans-Joachim Wiedorn und Hinrikus Ude nach der Rückkehr in Lingen in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Zusammen mit Christian Humbert und Matthias Pricker (beide vom DRK-Ortsverein Elbergen ) sowie dem Berufsschullehrer und Dolmetscher Viktor Heffel hatten sie sich bei brütender Hitze in einem Transportfahrzeug vom Typ VW Crafter von Lingen aus auf den 1700 Kilometer langen Weg nach Juskovzy gemacht, wo Temperaturen bis 39 Grad herrschten.

Im Wagen befanden sich circa 30 Pakete mit Bekleidung, die Hermann Pieper und seine Ehefrau Irmgard aus Lingen-Bramsche zuvor verpackt hatten. „Das Ehepaar Pieper engagiert sich seit vielen Jahren sehr stark für die Ukrainehilfe“, lobt Wiedorn. Außerdem nahmen die Helfer eine Kettensäge mit, die der Leiter des Brandschutzabschnittes Emsland-Süd, Alfons Acker, als Privatperson der Feuerwehr in der Kreisstadt Lanowzy schenkte. Die dortige Feuerwehr ist auch für Juskovzy zuständig. Die Pakete wiederum seien von Familien in Juskowzy dankbar entgegengenommen worden, berichten Wiedorn und Ude, die früher als Postbeamter beziehungsweise Bezirksschornsteinfeger tätig waren.

„Die Gastfreundschaft war erneut überwältigend“, erklärt Ude. Seit 1993 sind Wiedorn und Ude, die sich aus ihrer langjährigen Tätigkeit im Lingener Stadtrat kennen (Wiedorn für die SPD und Ude für die CDU), fast jedes Jahr nach Juskovzy gefahren, haben viele Freundschaften geschlossen und sich davon überzeugt, welche Wirkung die passgenaue Hilfe aus Lingen entfaltet. „Der Freundeskreis garantiert, dass die Spenden eins zu eins ankommen“, unterstreicht Ude. Wiedorn dankt in diesem Zusammenhang der Kolpingfamilie Bramsche für eine 700-Euro-Spende, allen weiteren Spendern sowie der Stadt Lingen für die logistische Unterstützung auch bei der jüngsten Tour.

Dieses Mal diente die Spende der Kolpinger und weitere finanzielle Zuwendungen dazu, sechs neue Betten für den Kindergarten anzuschaffen, um die 30 Jahre alten Betten zu ersetzen. Laut Wiedorn werden noch vier weitere Betten benötigt. Im Kindergarten, der sich im Gebäudekomplex der Schule befindet, werden derzeit 30 Jungen und Mädchen betreut - die meisten von ihnen ganztätig. Beim Kauf der Betten aus Massivholz einschließlich der Matratzen half die Bezirksleiterin des Roten Kreuzes in der 60 Kilometer entfernten Millionenstadt Ternopol, Lesja Brigadir. „In etwa 14 Tagen erwarten wir Fotos von den neuen Betten, damit wir auf diese Weise erfahren, dass alles gut geklappt hat“, sagt Wiedorn.

Begeistert hätten die drei Kindergärtnerinnen die von Hubert Köllen in Biene angefertigte Motorikwand mit Holzspielzeug sowie weiteres Holzspielzeug entgegengenommen. In den vergangenen Jahren war vor allen Dingen die Schule, in der derzeit etwa 260 Schüler unterrichtet werden, dank der Hilfe aus Lingen modernisiert worden. Eine neue Küche wurde installiert, Heizung und Dach wurden erneuert sowie neue Fenster und Türen angeschafft. All dies hat sich gelohnt: Zwischenzeitlich ist die Schule in Juskovzy als beste Unterrichtsstätte in der Region ausgezeichnet worden. Der Freundeskreis der Ukrainefahrer will jetzt dafür sorgen, dass die Schüler weitere benötigte Deutschbücher erhalten.

Mithilfe der Schützen aus Holthausen wurde außerdem vor einigen Jahren das Obergeschoss der Sozialstation in Lanowzy ausgebaut, die auch Bürgern in Juskowzy dient.

Wiedorn und Ude wollen auch künftig zusammen mit den weiteren Mitgliedern des Freundeskreises ihren Beitrag für die Völkerverständigung zwischen Deutschen und Ukrainern leisten. „Die leidvolle Geschichte darf nicht vergessen werden“, sagt Ude.

Spendenkonto Ukrainehilfe, DRK-Ortsverein Elbergen, Konto 118 001 6170, Sparkasse Emsland, Bankleitzahl 266 500 01, Stichwort Ukrainehilfe.