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Fragen an Rat und Initiator Forum Juden-Christen lehnt Rosemeyer-Museum in Lingen ab

Von Carsten van Bevern | 15.05.2017, 21:56 Uhr

Das Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen lehnt ein Bernd-Rosemeyer-Museum in Lingen seit Bekanntwerden der Pläne des Lingener Unternehmers Heinrich Liesen ab. In einer Stellungnahme haben Vertreter des Vereins dies nun begründet und kritische Fragen an den Initiator, Rat und Verwaltung sowie die Öffentlichkeit gestellt.

Vor allem von den Vertretern der im Rat vertretenen Parteien erwarten die Vertreter vom Forum Juden-Christen, dass diese ihre Meinung zu dem in der Burgstraße in der Lingener Innenstadt von Liesen geplanten Museum kundtun. Gleichzeitig sollte sich Politik und Verwaltung laut des Forums-Vertreters Wolfgang Becker dafür einsetzen, in Lingen weiter die Widerständler und Opfer der NS-Zeit und nicht die in dieser Zeit protegierten „Helden“ zu ehren.

Erfolgreicher Rennfahrer – und SS-Mitglied

Zum Hintergrund: Der 1909 in Lingen geborene und Anfang 1938 bei einem Schnelligkeits-Weltrekordversuch ums Leben gekommene Bernd Rosemeyer zählte in den 1930er-Jahren nicht nur zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Rennfahrern. Spätestens ab 1933 war er auch Mitglied der SS und zählte gemeinsam mit seiner als Kunst- und Langstreckenfliegerin berühmten Frau Elly Beinhorn zu den Glamour-Paaren im nationalsozialistischen Staat.

„NS-Werte verkörpert“

„Gerade, wie er zum NS-Staat stand, ist für uns eine wichtige Frage. Er hat die NS-Werte verkörpert und war bis zu seinem frühen Tod in dieses System eingebunden. All dies müsste man in einem Museum thematisieren“, ergänzte der Forums-Vorsitzende Heribert Lange. Und dies könne nur ein fachlich versierter Historiker zum Beispiel von der Universität Münster oder der Uni Osnabrück im Rahmen eines Forschungsprojektes leisten.

„Aber wenn in einem Museum dieser Mensch in all diesen Facetten gezeigt wird, welchen Sinn soll eine solche Einrichtung dann überhaupt haben? Das erschließt sich mir nicht“, ergänzte Forums-Vorstandsmitglied Ernst-Uwe Vollmer.

Aus dieser Haltung und auf einstimmiges Votum auf der jüngst stattgefundenen Mitgliederversammlung des Forums heraus haben Bernhardine van Olfen, Wolfgang Becker, Christoph Frilling und Heribert Lange die nun vorgestellte Erklärung sowie drei Fragen an den Initiator, Rat und Öffentlichkeit formuliert.

Fragen vom Forum

Die Fragen: Welchen Sinn kann in Kenntnis der Geschichte Rosemeyers die Einrichtung eines Museums für den Rennfahrer machen? Nicht nur für den Rennfahrer oder Heinrich Liesen, sondern für die ganze Stadt? Zweitens fragt das Forum, ob es ein Konzept für das Museum gibt, das die Doppelrolle beleuchtet, die der berühmte Rennfahrer aus eigennützigen Gründen in der NS-Zeit gespielt hat? Zudem fragt das Forum, wie die „rote Linie“ zwischen dem Museumsprojekt und der bisherigen, jahrzehntelangen gemeinsamen Erinnerungs- und Gedenkarbeit in Sachen Nationalsozialismus, Krieg und Holocaust mit einer nie endenden Verantwortung für die Opfer gehalten werden kann?

Gemeinsame Erklärung vom Rat?

„Wir sind der Meinung, dass die Stadt Lingen die geistige Haltung beibehalten sollte, in deren Konsequenz sie zwei überlebenden jüdischen ehemaligen Bürgern 1993 die Ehrenbürgerschaft verliehen hat. Diese uns aufgetragene Gedenkkultur sollte nicht durch eine Rosemeyer-Beinhorn-Museums-Bühne konterkariert und zu Fall gebracht werden“, heißt es dazu in der Erklärung. Die Vertreter der Ratsfraktionen von Bürgernahen, FDP, Grünen und der SPD – CDU und der OB hatten sich entschuldigt –¨erklärten, sich für eine gemeinsame Erklärung des Rates zu dem Projekt einsetzen zu wollen.