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Filigrane Puppenführung Lingen: Mottram lässt beim Fest der Puppen die Tücher tanzen

Von Meike Blunk | 26.09.2011, 14:09 Uhr

Was macht ein englischer Puppenspieler der Extraklasse, der in 40 verschiedenen Ländern seine Stücke aufgeführt hat, am Sonntagvormittag im Central-Kino von Lingen? Er lässt beim 15. Internationalen Fest der Puppen seine verschiedenen, handgefertigten Puppen – äußerst detailversessen und virtuos – tanzen und erzählt mit ihnen unter dem Titel „Eggbird“ magische Geschichten – ganz ohne Sprache.

Mit Stephen Mottram, einem Meister der Marionetten, hat Heiner Schepers, der künstlerische Leiter des TPZ- Festivals, besonderes Fingerspitzengefühl gezeigt, als er ihn engagierte. Denn seine Darbietungen sind absolut außergewöhnlich.

Als Auftakt seiner Geschichten lässt Mottram Zirkusartisten, die an seidenen Fäden hängen, lebendig werden. Ihnen sieht man im Spiel an, wie viel Arbeit hinter ihrem Können steckt: Wirbel für Wirbel richtet der Akrobat, aus dem Vierfüßlerstand kommend, auf, ehe er als Handstandläufer die Manege erobert. Ebenso ergeht es dem „stärksten Mann“, wenn er seine Gewichte vom Boden erhebt.

Im Einklang mit der Entdeckung der Langsamkeit hebt Mottram – stellvertretend für den Zirkusgewichtheber – filigran Millimeter für Millimeter – das „schwere“ Gewicht vom Boden. Dann bieten der Einradfahrer und der Seiltänzer ihr Können dar. Man weiß als Zuschauer, dass es „nur“ Puppen sind, die ihre Künste zeigen, und dennoch fiebert man mit, so als wäre man mitten drin im Zirkusrund.

Ebenso nah erlebt man als Zuschauer – mit schöner Saxofonuntermalung – die ersten Schritte zweier frisch geschlüpfter Vögel, die neugierig die Welt erobern. Im Hauptteil lässt Mottram ein Märchen entstehen, in dem eine Prinzessin und ein Prinz (bestehend aus einem einfachen Stück Stoff, mit einer Walnuss als Kopf sowie zwei Haselnüssen als Armen) einem bösen Zauberer und seiner magischen Manipulation entgegenzutreten haben. Zwischendrin tanzen die Dienerinnen der Prinzessin eine anmutige, wie witzig ausschauende Ballett-Choreografie der Extraklasse.

Sehr unterhaltsam, mit speziell komponierter Musik, lässt der „Meister der Marionetten“ alles lebendig werden, was ihm unter die Finger kommt. Die Besucher waren begeistert.