Ein Artikel der Redaktion

„Fragwürdige Grenzwerte“ Ärztin warnt in Lingen vor Gefahren der Atomkraft

Von PM. | 02.05.2016, 12:14 Uhr

Dr. Angelika Claußen, Ärztin und ehemalige Vorsitzende des der deutschen Sektion der Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW), hat jetzt bei einem Vortrag in Lingen erneut vor möglichen Gefahren der Atomenergie gewarnt.

Wie es in einer Pressemitteilung des Anti-Atom-Forums und des Elternvereins Restrisiko Emsland, die zu einem Vortrag eingeladen hatten, weiter heißt, machte Claußen deutlich, dass auch von den letzten Atomreaktoren in Deutschland deutliche Gefahren ausgingen, auf die die Gesellschaft nicht richtig vorbereitet sei. „Das wurde im Dezember 2015 ausdrücklich vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe beschrieben. Die von der Bundesregierung veröffentlichte Studie geht für große Unfälle von einer Strahlungsdauer von 48 Stunden ausgegangen, in Fukushima hielt diese aber 25, in Tschernobyl elf Tage an“, wird Claußen zitiert. Ferner sei die Ausgabe von Jodtabletten nur unzureichend vorbereitet. „Besonders erschreckend ist jedoch die Feststellung der Bundesregierung, dass die Verfügbarkeit einer ausreichenden Zahl medizinischen Personals mit den erforderlichen strahlenmedizinischen Kenntnissen nicht sichergestellt sei.“

Zahlreiche Liquidatoren verstorben

Darüber hinaus stellte die Ärztin Untersuchungen vor, die das Drama des GAU’s in der Ukraine belegen sollen: Insbesondere verwies sie die Gesundheitsfolgen bei Liquidatoren, bei denen die Haupttodesursachen Hirn- und Herzinfarkt seien, erst dann folge Krebs als Todesursache. Alexey Yablokov, ein Wissenschaftler aus der Ukraine, schätzt den Angaben Claußens zufolge, dass von 830.000 Liquidatoren 112.000 bis 125.000 inzwischen verstorben sind.

„Das ist ein Irrtum„

Auch über den geplanten Abriss des alten Atomkraftwerkes in Lingen wurde diskutiert. Ein Teilnehmer kritisierte laut Pressemitteilung, dass bei den Informationsveranstaltungen in den letzten Wochen von der RWE offensichtlich der Eindruck erweckt werden sollte, als würde man eine Schokoladenfabrik abreißen. Das Gegenteil sei aber der Fall, hieß es: Es würden Materialien ausgebaut, die noch über hunderttausende von Jahren radioaktiv strahlen würden. Der Vorsitzende des Elternvereins, Gerd Otten, wiederholte laut Pressemitteilung seine Forderung, das alte Atomkraftwerk einzumotten und abzusichern und es so stehen zu lassen. Claußen wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es das Ziel der Betreiber sei, den Abfall, wie Beton und Stahl soweit zu verdünnen, dass letztlich die – insgesamt sehr fragwürdigen - Grenzwerte eingehalten werden. „Das Wort „Freimessen“ soll den Anschein erwecken, dass die Radioaktivität nicht mehr da sei, aber das ist ein Irrtum“, wird die Ärztin zitiert.