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Erleichterung für Arzt und Patienten Mit der Näpa auf Hausbesuch in Lingen

Von Caroline Theiling | 30.06.2016, 20:42 Uhr

Wer weiß, was eine Näpa ist? Wenn es nach der Meinung von Ehepaar Spielmanns aus Lingen geht, viel zu wenige. Denn eine Näpa ist eine Nicht-ärztliche Praxisassistentin, so wie Astrid Gonther, die seit einem knappen Jahr in Ergänzung zur Gemeinschaftspraxis Darme Hausbesuche bei Patienten durchführt. Wir haben die Näpa auf ihrer Tour begleitet.

„Die Hausbesuche von Frau Gonther waren und sind eine große Erleichterung und sehr entlastend für uns,“ freut sich Kornelia Spielsmanns (62) über die Möglichkeit, ihre Arztbesuche und die ihres Mannes auf ein Minimum zu reduzieren. Sie erinnert sich besonders an den vergangenen Sommer als ihr Mann nach einer Operation und Chemotherapie auf regelmäßige medizinische Unterstützung und Nachsorge angewiesen war. In der Praxis in Darme erfuhr sie dann von der Näpa, die Patienten in deren vier Wänden aufsucht. Ihr fast 20 Jahre älterer Mann Dieter war nach der Behandlung im Krankenhaus sehr geschwächt, sodass für ihn sehr schwierig gewesen wäre, mit seiner Frau zusammen einen Arzt aufzusuchen. Inzwischen geht es ihm besser und Astrid Gonther muss nur noch regelmäßig seine Vitalwerte kontrollieren. An diesem Tag wird bei beiden auch noch Blut abgenommen, denn ein Gesundheitscheck in der Arztpraxis steht an.

Telefonnummer am Kalender

Mathilde Suresch (85) gehört schon seit März 2015 zu den Menschen, die Astrid Gonther regelmäßig besucht. „Das finde ich super, sonst brauchte ich immer einen Fahrer oder ein Taxi“, sagt die ältere Dame, bei der heute der Blutgerinnungswert ermittelt und der Blutdruck gemessen werden. Sie hat Vertrauen zu der Näpa, die schon lange nicht mehr an der Haustür klingelt, sondern durch den Nebeneingang geht, denn schließlich wird sie erwartet. Bei jedem Besuch wird der nächste Termin schon festgelegt. Und für alle Fälle hängt die Telefonnummer von Astrid Gonther am Kalender.

Absprache mit dem Arzt

Mit 80 Jahren nur unwesentlich jünger ist Hilbert Leysing, der nächste Patient. Sein Blutdruck ist heute sehr gut. Der Wert der Blutgerinnung lässt Astrid Gonther überlegen, ob Dosierung der Blutverdünner verändert werden sollte. Sie macht sich eine Notiz, über die sie später mit dem behandelnden Arzt besprechen wird, ebenso wie über ein mögliches Langzeit-EKG, das sie anlegen könnte. Das würde Leysing entgegenkommen. Denn er kann seine Frau, die an Demenz erkrankt ist, nur schlecht oder gar nicht allein lassen.

Zusätzlicher Patient

Ein Anruf auf dem Handy aus der Praxis in Darme lässt Astrid Gonther spontan einen zusätzlichen Krankenbesuch machen. Ein Mann, dem erst vor wenigen Wochen ein Bein amputiert worden war, ist gestürzt und die Wunde aufgeplatzt. „Ja, dann fahre da sofort vorbei“, signalisiert sie. Sie kennt den Patienten und wird freundlich begrüßt. Bevor Astrid Gonther die Verletzung verbindet, macht sie eine Handyaufnahme davon und schickt sie per E-Mail in die Praxis, damit auch ein Arzt unmittelbar seine Beurteilung abgeben kann.

Fachwissen und Gespräche

Zwei weitere Patienten stehen für den Vormittag noch auf dem Plan der 50-Jährigen, die seit ihrem 16. Lebensjahr als Medizinische Fachangestellte arbeitet. Besonders die neue Tätigkeit, bei der sie auch das häusliche Umfeld der Patienten kennenlernt, bereitet ihr viel Freude. Neben dem medizinischen Fachwissen ist auch viel Einfühlungsvermögen und Kommunikation gefragt. So wie bei einer Frau, die selbst ihren Schwiegervater, ihre Tante und später noch ihre Mutter und ihren Mann gepflegt hat. Jetzt braucht sie selbst Unterstützung, weil ihr häufig schwindelig ist und sie dann stürzt. Sie mag aber nicht aus den eigenen vier Wänden ausziehen. Die Näpa versucht, gemeinsam mit dem in Oldenburg lebenden Sohn eine Lösung zu finden. Und vielleicht bleibt der alten Dame dann doch das Pflegeheim erspart.

Patientendaten dokumentieren

Für Astrid Gonther endet der Arbeitstag so, wie er begonnen hat: am Computer. Während früh morgens vor der Tour die Patientendaten für den Tag gesichtet und vorbereitet werden, müssen im Nachgang die Behandlungen dokumentiert werden.

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