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Empfang auch in Berlin Jüdischer Ehrenbürger Bernard Grünberg wieder in Lingen

Von Carsten van Bevern | 14.06.2016, 19:30 Uhr

Am 7. September 1986 hat Bernard Grünberg eine Einladung der Stadt Lingen angenommen. Ende 1986 ist Grünberg schließlich zum ersten Mal nach 1938 wieder in seine Geburtsstadt gereist. 30 Jahre ist dieser erste Besuch nun her. Am Mittwoch wird der Lingener Ehrenbürger und letzte überlebende jüdische Mitbürger wieder in Lingen erwartet.

Nachdem Mitarbeiter der Stadt Lingen im Sommer 1986 davon erfahren haben, dass der frühere jüdische Mitbürger kein Opfer des Holocaust geworden ist, und stattdessen in Derby-Alvaston in England lebt, hat der damalige Mitarbeiter im Hauptamt der Stadt, Atze Storm, ihm einen Brief geschrieben und ihn zur Einweihung des Gedenksteines zur Erinnerung an die in den Jahren des Naziregimes unschuldig verfolgten und ermordeten jüdischen Familien eingeladen. „Mit Schreiben vom 7. September 1986 hat Bernard Grünberg die Einladung angenommen und an der Einweihungsfeier am 2. November teilgenommen“, erinnert sich Storm, der auch später neben seiner Tätigkeit als langjähriger Leiter der Emslandhallen immer den Kontakt zu den ehemaligen jüdischen Mitbürgern gepflegt hat.

Familie nie wiedergesehen

Das war vor 30 Jahren. Wie bei allen zurückliegenden Besuchen hat Atze Storm unter Beteiligung und mit Unterstützung des Forums Juden-Christen und vielen Freunden und Bekannten von Bernard Grünberg auch für diesen Jubiläumsbesuch wieder ein abwechslungsreiches Besuchsprogramm vorbereitet. So wird Grünberg unter anderem in einer Klasse der berufsbildenden Schule aus seinem Leben berichten – mit einem Koffer und etwas Bargeld spärlich ausgestattet hatte Grünberg am 13. Dezember 1938 als eines von rund 10.000 jüdischen Kindern Deutschland und damit seine Familie mit einem der sogenannten Kindertransporte in Richtung England verlassen. Seine Familie hat er nie wieder gesehen. Seine Eltern und seine Schwester Gerda sind später nach Riga ins Getto verschleppt worden, wo sich ihre Spur verlor.

Empfang beim Bürgermeister

Grünberg, mittlerweile 92 Jahre alt, wird vom Oberbürgermeister Dieter Krone empfangen werden, die Jüdische Schule und den Friedhof besuchen und viele Freunde in seiner Geburtsstadt wiedersehen. Ein Höhepunkt während seines diesjährigen Besuchs aber ist ein gut zweitägiger Aufenthalt in Berlin. Begleitet vom ehemaligen Konrektor der Marienschule Benno Vocks und einem Redakteur dieser Zeitung wird Grünberg dort als wohl letzter Überlebender auf Einladung des Regierenden Berliner Bürgermeisters Michael Müller unter anderem an der Feierstunde zur Anbringung einer Gedenktafel zur Erinnerung an die sogenannte Umschichtungsstelle (Hachschara) in Pankow-Niederschönhausen teilnehmen. In dieser Einrichtung mit Lehrwerkstätten, großem Garten und Wohnbaracken sind von 1934 bis 1938 junge jüdische Frauen und Männer in der Tischlerei, Schlosserei, Schmiede und in der Hauswirtschaft auf eine mögliche Auswanderung nach Palästina oder die USA vorbereitet worden. Bernard Grünberg war einer von ihnen.

Empfang in Pankow

Auch in Berlin wird er mit Schülern sprechen und vom Pankower Bezirksbürgermeister empfangen. Hierüber werden wir anschließend ausführlich berichten. Nach einem Abschiedsabend im Alten Landhaus wird Grünberg am 24. Juni Lingen wieder in Richtung seiner Heimat in Derby verlassen .