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Elektroroller in Lingen und Meppen Bestandsaufnahme: Wie kommen die Meli-Roller im Emsland an?

Von Julia Mausch | 08.06.2018, 21:30 Uhr

Plötzlich standen sie vor dem Lookentor. Die kleinen blauen Elektro-Roller mit dem Namen Meli. In Lingen und Meppen gibt es seit einem Monat die Gefährten zum spontanen Mieten à la Carsharing. Wie läuft das Modell und wird es angenommen?

Elektro-Roller zum Mieten surren durch deutsche Metropolen. Nach dem Carsharing, wie das Geschäftsmodell für Autos neudeutsch heißt, boomt jetzt auch das Roller- oder Scooter-Sharing. Einst nur in den Großstädten, neuerdings auch im ländlichen Raum, wie Lingen oder Meppen – dank Mirko Lühn. Der Wietmarscher hat das Start-up Share2Move gegründet, das unter der Marke Meli – Meppen und Lingen – Elektroroller verleiht.

Roller-Sharing ist Saison-Modell

Eine kluge Geschäftsidee oder Projekt, das zum Scheitern verurteilt ist? Obwohl Sharing lange Zeit als ein Geschäft der großen Zahl galt, das sich nur in dicht bevölkerten Gebieten rechnet und nicht in einer ländlichen Region wie dem Emsland, glaubt Mirko Lühn an sein Projekt.

Lühn sitzt in der Hauptzentrale von Emco in Lingen. Einst sein Arbeitgeber, ist der Elektroroller-Hersteller heute sein Geschäftspartner. Ebenso wie der Landkreis Emsland, der 100.000 Euro aus einem Wirtschaftsförderungsprogramm in das Meli-Projekt investiert hat, oder die Sparkasse Emsland, die als Sponsor mit im Boot sitzt. 45 Meli-Roller sind derzeit auf den Straßen in Meppen und Lingen unterwegs. Bis November sollen sie im Einsatz sein, dann werden sie eingelagert bis zum Frühjahr. Roller-Sharing ist ein Saison-Modell, dem ist sich Lühn bewusst.

600 registrierte Nutzer

Zu Spitzenzeiten waren in den vergangenen Tagen in Lingen zwölf Roller gleichzeitig im Einsatz. Bisher wurden 2000 Fahrten mit ihnen gemacht. 11.000 Kilometer haben die Roller mittlerweile auf dem Buckel – gefahren von mehr als 600 registrierten Nutzern – deutlich mehr als Lühn einst kalkuliert hatte. Von der 16-jährigen Schülerin, die in die Stadt zum Shoppen will, bis zum 76-jährigen Senior, dem der Weg zum Supermarkt mit dem Rad zu anstrengend ist. Sie alle nutzen die Meli-Roller – wenn auch mit kleineren oder größeren Anlaufschwierigkeiten. So war vielen Meppenern in den ersten Wochen offenbar das Prinzip von Sharing nicht ganz klar. Zwei Wochen lang beobachtete Lühn, wie die Nutzer sich die 45-Kilometer pro Stunde schnellen Roller entweder an der Sparkasse oder am Einkaufsmarkt Kaufland ausliehen, und die Fahrzeuge nicht wie vorgesehen in einem der definierten Gebiete abstellten, sondern sie ordnungsbewusst wieder zum Startpunkt zurückbrachten.

„So war das eigentlich nicht gedacht“, sagt er. Schließlich sei das Besondere an dem Modell, dass die Fahrzeuge keinen festen Park-Standort haben, lediglich eine vordefinierte Zone. Aufgezeigt in der Share2Move-App, durch die die Vermietung erfolgt und in der auch angezeigt wird, wo die Roller überall stehen. Zonen, die zum einen von Lühn und seinem Team ausgewählt werden, von Unternehmen aber auch „erworben“ werden können, mittels einer Kooperation. Die Roller außerhalb dieser Zonen abzustellen, ist zwar möglich, kostet jedoch Geld, denn die App, auf der man eingibt, wenn die Fahrt beendet ist, merkt, ob der Roller innerhalb oder außerhalb der Zone ist. Steht der Roller nicht in der Zone, kann man die Fahrt nicht beenden.

Share2Move bietet die Fahrzeuge für 23 Cent pro Minute an. Wer einen Tagesausflug unternehmen will, zahlt 35 Euro. In wenigen Tagen soll es extra für Studenten einen Tarif geben. Diese bezahlen dann 18 Cent pro Minute. Auch die Kosten für den Parkmodus – wenn der Roller also nicht in Bewegung ist – sind günstiger. 6 Cent statt der regulären 11 Cent.

Reichweite: 120 Kilometer

Hinzu kommt eine Registrierungsgebühr von 19 Euro, die fällig wird, sobald man sich in der App angemeldet hat. Dort kontrollieren Lühn und sein Team, ob die User eine Fahrerlaubnis besitzen. Die Nutzer müssen in einem Video die Erlaubnis vorzeigen. Erst dann kann es losgehen. Das Prinzip ist immer identisch: reservieren, buchen, aufschließen, starten und bezahlen – alles geschieht über die App. Dort wird auch angezeigt, wie voll der Akku des Rollers ist. Die Reichweite liegt laut Lühn bei etwa 120 Kilometer, ein Prozent Akkuladung entspreche umgerechnet einem Kilometer. Ist die Batterie leer, kommt jemand von Share2Move und ersetzt die leeren Akkus. Dann kann es weitergehen.

E-Roller wirklich so gesund?

Im Hochsommer mit luftiger Kleidung durch die City zu düsen ist angenehmer, als sich im Auto durch den Stau zu wälzen. Angesichts verstopfter Innenstädte und verschmutzter Luft ist es nachvollziehbar, dass E-Roller eine Alternative zum Auto sind. Eigenen Angaben nach, hat Share2Move seit dem Start im Mai insgesamt 810 Kilogramm schädliches CO2 eingespart, schließlich stoßen die E-Roller im Betrieb keine Abgase aus. Aber: Strom wird in Deutschland zu zwei Dritteln aus Kohle, Gas und Atomenergie erzeugt.