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Einrichtung in Lingen Ruhe für Blick nach vorn im Schutzhaus des SkF

Von Thomas Pertz | 26.12.2016, 13:02 Uhr

52 Frauen und 50 Jungen und Mädchen haben in diesem Jahr im Lingener Frauen- und Kinderschutzhaus nicht nur ein Dach über dem Kopf gefunden. Geleitet wird die Einrichtung vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF).

Das Frauen- und Kinderschutzhaus in der Stadt ist inzwischen 30 Jahre alt. Es gehörte 1986 zu den ersten Einrichtungen dieser Art in Niedersachsen und ist ein Teil des umfangreichen Hilfsangebotes des SkF. Neben den hauptamtlichen Kräften im Team um Leiterin Monika Olthaus-Göbel sind die ehrenamtlich engagierten Frauen beim SkF eine wichtige Stütze des Frauen- und Kinderschutzhauses.

In den Räumen riecht es in diesen Tagen rund um Weihnachten so wie in vielen anderen Häusern der Stadt auch: nach frisch gebackenen Plätzchen. Mit einem Teller voll kommt ein Mädchen im Grundschulalter ins Besprechungszimmer von Monika Olthaus-Göbel, wo die SkF-Vorsitzende Irene Vehring zu Gast ist.

Häusliche Gewalt die häufigste Ursache

Zurzeit leben fünf Frauen und vier Kinder im Haus. Häusliche Gewalt sei die häufigste Ursache, erläutert Sozialpädagogin Olthaus-Göbel. Gewalt in jeglicher Form: Schläge ebenso wie die psychische Ausübung von Macht: Kontrolle über jeden Schritt, den sie macht, jede Fahrt mit dem Auto, indem der Tachostand kontrolliert wird, jede Geldausgabe.

Über die Hälfte der Frauen, die in diesem Jahr beim SkF Schutz gesucht haben, haben nach Angaben von Olthaus-Göbel einen Migrationshintergrund. Der Leidensdruck müsse bei ihnen schon sehr hoch gewesen sein, denn das Verlassen des Ehepartners sei dort häufig auch mit einer Ächtung durch die anderen Familienmitglieder verbunden, berichten Olthaus-Göbel und Vehring.

Lösungswege aufzeigen

In Gesprächen mit den Betroffenen versucht das Team im Schutzhaus – neben Olthaus-Göbel Claudia Burrichter, Marion Risse und Hauswirtschafterin Maria Kopel – das Geschehene zu verarbeiten, Lösungswege aufzuzeigen, wie und wo es weitergehen kann und ist behilflich bei Behördengängen. Bei alledem die Kinder nicht aus dem Blick zu verlieren, die zu Hause hautnah Zeugen von Gewalt in unterschiedlicher Form gewesen sind, ist dem SkF ein besonderes Anliegen. Vor diesem Hintergrund hat der Fachverband eine „Kindergruppe häusliche Gewalt“ gegründet, in der es vor allem darum geht, die Jungen und Mädchen positiv zu stärken. Kinder hier zu unterstützen sei sehr wichtig, „sonst sehen wir sie womöglich in 20 Jahren hier wieder“, sagt Skf-Vorsitzende Vehring. Es gehe darum, ihnen eine gute Chance für die Zukunft zu geben, betont Sozialpädagogin Olthaus-Göbel.

„Papa ist wie ein Tornado“

Diese erinnert sich noch gut an einen Jungen, der anfangs wie alle anderen Kinder ein Bild von seiner Familie malen sollte. „Das tat er auch, bekritzelte aber anschließend das Bild mit schwarzer Farbe. Warum er das gemacht habe, hätten ihn die anderen Kinder gefragt. „Das ist wie bei Papa - er ist wie ein Tornado“, antwortete er.

Da ist das Frauen- und Kinderschutzhaus in diesen Weihnachtstagen wie eine Oase der Ruhe. Auszupacken hatten die Kinder Heiligabend natürlich auch etwas. Seit Jahren kaufen die Besucher des Fitnesscenters „Injoy“ in Damaschke Geschenke für Heiligabend. Auch im „Be Fit“ an der Frerener Straße steht in der Adventszeit ein Tannenbaum mit Wunschzetteln von Kindern, die dem SkF bekannt sind und in schwierigen sozialen Verhältnissen leben. Auch sie haben Heiligabend nicht mit leeren Händen dagestanden.

Dank des ehrenamtlichen Ruf- und Bereitschaftsdienstes des SkF ist gesichert, dass das Frauen- und Kinderschutzhaus rund um die Uhr erreichbar ist – auch an den Feiertagen. In dieser engen Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen zeige sich eine wechselseitige hohe Wertschätzung, betonen die beiden Vertreterinnen des Verbandes. Wie überhaupt Wertschätzung das ausdrückt, was alle im Schutzhaus erfahren, nicht nur an den Festtagen.

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