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Ehrenamtliche unterstützen Tierheim Gassigehen im Lookentor in Lingen

Von Christiane Adam | 24.12.2015, 08:58 Uhr

Es ist Montag, drei Tage vor Heiligabend. Hektik, Trubel und Gedränge prägen das Bild in der Vorweihnachtszeit. Im Lookentor geben sich nicht nur viele Menschen dem Feiertagsendspurt hin: Rund ein Dutzend Personen läuft mit Hunden durch die Lingener Einkaufspassage. Sie tragen gelbe oder orange Westen mit der Aufschrift „Tierheim Lingen unterwegs“.

„Dass wir uns inmitten der Menschen aufhalten, ist der Sinn unserer Initiative. Wir möchten die Hunde, die zur Zeit im Tierheim Lingen leben, auf verschiedene Umweltreize vorbereiten“, erklärt Heike Kempe, Initiatorin und Leiterin der ehrenamtlichen Gruppe „Gassigeher Plus“. An jedem Montagabend holen sie und ihre Kollegin Dwina Früchtenicht, mit der sie sich die Anleitung der zwei Hundegruppen teilt, die Hunde aus ihren „Wohnungen“ im Tierheim.

Kempe und ihre Mitstreiter gehen mit den bereits an Menschen und andere Tiere gut gewöhnten Vierbeinern; Früchtenicht leitet die Gruppe der „Angsthasen“ an. Das sind oftmals Hunde, die aus Tierschutzgründen im Tierheim gelandet sind. „Wir wählen in der Regel eher Orte mit wenig äußeren Reizen aus, um die Hunde auszuführen. Wir gehen meistens direkt rund um das Tierheim Gassi. Heute ist der Regen aber zu stark, deshalb sind wir auch mit in die überdachte Mall gekommen. Bei diesen verängstigten Hunden geht es vor allem darum, ihnen zunächst überhaupt das Gehen an der Leine beizubringen. Es gehören auch ganz viele Streicheleinheiten dazu, damit diese Tiere lernen, dass Streicheln etwas Gutes ist“, erläutert die Tierschützerin aus Leidenschaft, die selber zwei ehemaligen Straßenhunden aus Rumänien ein Zuhause gibt.

Pflegestelle auf Zeit

Inzwischen habe sie sogar noch eine Pflegestelle. Das bedeutet, sie nimmt in ihrem Heim einen Hund solange auf, bis dieser ein endgültiges neues Zuhause gefunden hat. „Seppl“ lebt auch in so einer Pflegestelle auf Zeit. Seppls Pflegeherrchen ist Steffen Holze. Der Frerener hat bereits einen eigenen Australian Shepherd. Den 13 Monate alten Seppl, ein Mischling aus Border Collie und Australian Shepherd, betreut er solange auf eigene Kosten, bis sich ein neues Herrchen findet. „Bitte rufen Sie mich unter 0170 3556154 an, falls Sie Interesse an Seppl haben!“, appelliert der Gassigeher, der seit März dazu gehört. Denn auch dies sei ein Ziel, betont Kempe: „Das Ausführen der Hunde dort, wo sie gesehen werden, dient auch Erstkontakten.“ Das Leben im Tierheim soll schließlich nur eine Zwischenstation sein, auch wenn diese in Einzelfällen sehr lang andauern kann.

Unaufgeregtes Rudel

Und viele Passanten interessieren sich für die Hunde. Einige bleiben stehen, schauen sich das erstaunlich unaufgeregte Rudel an. „Negative Reaktionen gab es bislang keine“, freut sich die Gassigeher-Initiatorin und Hundetrainerin Kempe. Im Gegenteil: „Haben Sie heute Ihre Spendendose dabei? Wenn ich Sie sehe, schlägt mein Hundeherz“, schwärmt eine junge Verkäuferin aus einem Bekleidungsgeschäft und drückt Andrea Kloosterhus einen 20-Euro-Schein in die Hand.

Die Geesterin hält Dackelmischling Mozzle an der Leine. „Ich habe vor einer Weile meinen eigenen Hund verloren. Für einen neuen Hund ist die Zeit noch nicht reif. Das hier ist ein guter Ersatz für mich“, erzählt sie. Buddys Patin heißt Vanessa Jaske. Sie ist von Anfang an bei den Gassigehern dabei – also seit Sommer 2013. Buddy trägt einen Maulkorb. Der Rhodesian Ridgeback-Schäferhund-Mix sei im Grunde ein lieber Kerl, aber nichts für Anfänger. „Ihn muss man näher kennenlernen“, betont sie, nicht ohne zu bitten: „Buddy liegt mir am Herzen. Es wäre schön, wenn er ein neues Zuhause finden würde.“

Jedes Mitglied der Gassigeher Plus-Gruppe hat einen speziellen Hund in Obhut, solange, bis dieser vermittelt ist. Es gehe darum, zu schauen, wo die Hunde eventuelle Defizite haben und so lange mit ihnen zu arbeiten, bis sie „umwelttauglich“ seien. „Dafür haben wir eine Sonderregelung mit dem Tierheim Lingen gefunden“, erläutert Kempe.

Glückliche Hunde

Während Menschen, die hin und wieder mit Tierheimhunden gassigehen möchten, nur in der Umgebung der Husarenstraße laufen dürften, dürfen die Gassigeher Plus-Leute die Hunde mit im Auto fahren lassen, sie auch mal mit nach Hause nehmen usw. Denn auch das sei der Zweck: solche Dinge zu üben. „Nicht jeder Hund fährt gerne Auto“, weiß Dwina Früchtenicht, die schon mit einem Hund durch jede erdenkliche Klappe eines Autos gekrochen ist, um dem Tier die Scheu davor zu nehmen. Wenn es um das Wohl ihrer Schützlinge geht, spielen Zeit und Geld keine Rolle – „meine ,Bezahlung‘ ist, wenn die Hunde glücklich sind“, hebt Steffen Holze aus Freren hervor.

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