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Ehefrau wollte nicht aussagen Lingener von Vergewaltigungsvorwurf freigesprochen

Von Horst Troiza | 28.02.2017, 08:30 Uhr

Das Landgericht Osnabrück hat am Montag einen 55-jährigen Lingener vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Seine dritte Ehefrau, die behauptet hatte, gegen ihren Willen von ihm zum Sex gezwungen worden zu sein, verweigerte vor Gericht die Aussage. Damit fehlte dem Gericht jegliche Handhabe zu einer Verurteilung.

Die Vorwürfe gegen den Angeklagten wogen anfangs des Prozesses schwer. Er soll seine Ehefrau Ende 2015 und im Januar 2016 in drei Fällen vergewaltigt haben. Die Frau hatte gegenüber einem Untersuchungsrichter angegeben, ihr Peiniger habe sie mit Handschellen gefesselt und sie mit einem umgelegten Hundehalsband durch die Wohnung gezerrt. Durch Schläge habe sie blaue Flecken erhalten, weiterhin soll der Mann sie bespuckt und auf andere Weise erniedrigt und gedemütigt haben. Außerdem soll er ihre EC-Karte an sich genommen und damit unberechtigt 800 Euro von ihrem Bankkonto abgehoben haben.

Angeklagter bestritt Schuld vehement

Der Angeklagte hatte von Beginn des Verfahrens an seine Schuld vehement bestritten. Er hatte sie seiner Aussage nach vor einigen Jahren in den Niederlanden kennengelernt, wo sie auf einem Hausboot lebte. Sie sei verzweifelt gewesen, da sie ihre Miete nicht habe zahlen können. „Mir hat sie gesagt, ihr Vermieter hat sie deshalb auf den Strich schicken wollen“, beschrieb er. In ihrem Umfeld seien eine Reihe von Männern gewesen, „die immer in Rockerklamotten rumliefen“.

„Problematische Ehe

Die Ehe habe sich als sehr problematisch erwiesen. „Von Zeit zu Zeit ist sie an den Wochenenden nach Holland gefahren. Dann postete sie im Internet, welche Männer bei ihr gewesen sind“, erklärte er und bot über seinen Anwalt dem Gericht als Beleg eine mehrseitige Kladde mit Ausdrucken dieser Posts an, die aber nicht Gegenstand des Verfahrens wurden.

„Habe mich geändert„

„Ich habe sie kein einziges Mal zum Sex gezwungen“. Der Einsatz von Handschellen und Halsband sei im Ehebett zwar üblich gewesen, aber immer einvernehmlich. Als der Vorsitzende der Kammer dem Angeklagten vorhielt, seine zweite Ehe sei geschieden worden, weil er seine damalige Frau „grün und blau geschlagen“ habe, erklärte dieser, dass er sich geändert habe. Bezüglich der 800 Euro gab er an, diese mit Zustimmung der Frau abgehoben zu haben. Sie habe sogar mit am Bankautomaten gestanden.

Ehefrau war Schlüsselfigur

Die Schlüsselfigur im Prozess war die Ehefrau. Am ersten Verhandlungstag hatte sie gefehlt, am zweiten ließ sie durch ihren Rechtsanwalt mitteilen, dass sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte und nicht zu einer Aussage bereit sei. Auch der vom Gericht geladene Untersuchungsrichter, der ihre Anschuldigungen aufgenommen hatte, konnte nichts anderes als das zu wiederholen, was in der Anklageschrift stand.

Staatsanwalt beantragte Freispruch

Letztlich sah auch der Staatsanwalt keine Möglichkeit, ohne Beweise eine Verurteilung des 55-Jährigen zu erreichen und beantragte dessen Freispruch. Die Kammer folgte den Antrag und sprach den Angeklagten frei.