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Dieter Zapf berät Bürger SKM Lingen berät bei Überschuldung

Von Thomas Pertz | 26.06.2013, 07:47 Uhr

„Warum geht es dem Einzelnen so schlecht, wenn es doch allen gut geht?“, beschreibt Dieter Zapf, Schuldnerberater beim SKM in Lingen, einen scheinbaren Widerspruch.

Die Arbeitslosenquote ist auf einem Tiefststand, viele haben einen Job. Oder haben viele mehrere Jobs, um überhaupt über die Runden zu kommen?

Die Zahl sogenannter prekärer Arbeitsverhältnisse hat nach Angaben des Sozialarbeiters deutlich zugenommen, der Lohn für geleistete Arbeit ist oft niedrig. Wenn aber am Ende des Geldes immer noch viel Monat übrig ist, dann ist der Weg in die Verschuldung manchmal sehr kurz.

Zapf ist seit vielen Jahren als Schuldnerberater beim SKM tätig. Ob es die persönliche Einkommenssituation ist, Arbeitslosigkeit, Scheidung, aber auch die Verlockungen im Konsumzeitalter mit der Möglichkeit, sofort und auf Pump alles genießen zu können: Die Gründe für eine Überschuldung können vielfältig sein.

Hinzu kommt nach Zapfs Beobachtung eine wachsende Zahl von „Armutsschuldnern“, die wegen zu geringer Einkommen ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Wer zum Beispiel früher bei Karmann in Rheine gearbeitet habe und nun bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt sei, verdiene deutlich weniger.

Zapf kennt sich aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit sehr gut aus bei Verhandlungen mit Gläubigern und Banken. Er verschafft Betroffenen im Dickicht unbezahlter Rechnungen einen Überblick, stellt einen Hilfeplan auf. Da, wo junge Menschen in die Schuldenfalle tappen, weil es am verantwortungsvollen Umgang mit Geld fehlt, kann er auch auf weitere Fachdienste im Haus verweisen.

Zum Beispiel auf das Projekt „Krötenwerkstatt“, das gezielt der Verschuldungsgefahr von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entgegenwirken soll. Gerade junge Menschen seien sehr „technikverliebt“, berichtet Zapf. Der Wunsch nach dem neuesten Produkt, zum Beispiel beim Handy, sei sehr groß. Dieser Wunsch habe aber auch seinen Preis.

„Die jungen Leute liegen uns besonders am Herzen“, unterstreicht der 53-Jährige. Aus jungen Schuldnern könnten alte Schuldner werden. Deshalb sei auch die Präventionsarbeit so wichtig, damit es gar nicht erst so weit komme. „Krista“ heißt so ein Programm und steht für „Krisen überwinden, Stabilität finden“. Hier geht es darum, jungen Erwachsenen mit finanziellen Problemen, die bereits arbeiten, zu helfen, damit sie nicht abstürzen.

524 Fälle hatten Zapf und seine Kollegen vergangenes Jahr in der Schuldnerberatung zu bearbeiten. Hinter jedem steht eine Geschichte, steht mitunter auch die Angst vor dem Klingeln, wenn der Gerichtsvollzieher kommt. „Oder die Angst vor gelben Briefen“, beschreibt Zapf die Farbe der „Zustellungsurkunde“ mit dem Mahn- und Vollstreckungsbescheid. Aus den vielen Gesprächen mit überschuldeten Menschen weiß er auch, dass diese Situation tatsächlich auf den Magen schlagen kann, zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt, Angstzuständen und psychischen Störungen.

Da kommt auf die Berater dann ein ganzer Batzen Arbeit zu. Wegen Mietrückständen droht der Wohnungsverlust, der Energieversorger hat angekündigt, den Strom abzustellen, es gibt Lohnpfändung. Da läuft einiges bei Zapf und seinen Kollegen auf.

Das koste auch die Berater Nerven, sagt er und lächelt trotzdem. Der Sozialarbeiter will Betroffenen Mut machen. Das geht am besten mit einem freundlichen Gesicht.