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Die Zauberflöte im Lingener Marionettentheater Fantastische Umsetzung in filigranem Rahmen

Von Raphael Bonitz | 23.09.2011, 13:17 Uhr

Man muss gar nicht weit fahren, und streng genommen braucht man nicht mal auf das Fest der Puppen zu warten, um sich an einem Kleinod dieses Genres zu ergötzen. Das Professorenhaus beherbergt das Lingener Marionettentheater, und selbstverständlich war es bei diesem Festival auch dabei.

Das Lingener Marionettentheater ist phänomenal, ein richtiger kleiner Theatersaal im üppigen Stil des 19. Jahrhunderts. Die perfekte Illusion beginnt, wenn das „Saallicht“ erlischt. Die Szenenbilder und Kulissen sind so großartig, dass der Zuschauer sofort in ihren Bann gezogen wird und von der Handlung nicht unberührt bleibt. Michael Sänger nutzt für seine Inszenierung die Zauberflöteneinspielung Karl Böhms, unter anderen mit dem unvergessenen Fritz Wunderlich als Tamino und dem großartig aufgelegten Fischer-Dieskau als Papageno. Das ist klug, denn einerseits enthält diese Einspielung auch die Dialoge, zum anderen ist sie sicherlich eine zeitlos gültige.

Großartige Szenen

Wie das Ganze umgesetzt wird, ist schon toll. Da schweben die drei Damen vor ihren Auftritten von oben herab, und die Königin der Nacht hat einen grandiosen Auftritt. Zwitschernde Spatzen umschwirren Papagenos Arie vom Vogelfänger, und im Hintergrund wiegt ein Elefant im Takt der Musik seinen Rüssel.

Wunderbar, wie die Marionetten mit der Musik Mozarts harmonieren. Sicherlich, das Lingener Marionettentheater hat im Gegensatz zu früher einen Vorteil: Es kann moderne Licht- und Tontechnik nutzen, aber man bekommt trotzdem ein Gefühl dafür, wie die Zauberflöte schon damals auf die Menschen gewirkt haben muss.

Und da Michael Sänger ein Intendant ist, der auch an seine Besucher denkt, gibt er diesen Gelegenheit, nach der Aufführung einmal hinter die Kulissen zu gucken, und beweist damit: Alles ist hier wirklich „von Hand gemacht“. So etwas macht den Besuch dann gleich doppelt lohnenswert.