Ein Artikel der Redaktion

„Der goldene Schlüssel“ Wechselvolle Märchenrevue beim Lingener Puppenfestival

22.09.2011, 13:16 Uhr

Wenn ein umgestülpter Jutesack sich in einen blutrünstigen Wolf verwandelt, wenn ein Buch zu einem Haus wird und die Spielenden sich vor Lachen ausschütten, dann sind nicht etwa Kinder am Werk, sondern die russische Theatergruppe „Der goldene Schlüssel“ aus Zhelesogorsk. Mit ihrem Auftritt mit „Omas Märchen“ begann das 15. Internationale Fest der Puppen.

„Sie erleben einen historischen Augenblick“, sagte der künstlerische Leiter des Festivals, Heiner Schepers, zur Begrüßung der Gäste, die das bunte Zelt auf dem Marktplatz komplett füllten. Es erinnere an die Wurzeln des Puppentheaters, als Wanderbühnen auf Märkten auftraten und auf das Laufpublikum angewiesen waren.

„Omas Märchen“ ist eine mit überschäumender Spielfreude dargebotene Märchenrevue. Zwei Schauspielerinnen und ein Schauspieler entführen das Publikum in die bunte Welt russischer Volksmärchen, die so viele bekannte Motive enthalten, dass niemand Verständnisprobleme hat, obwohl auf Russisch gespielt wird.

Ein Mann und zwei Frauen in volkstümlichen Kostümen treten auf. Sie singen, sie spielen mit Figuren und Gegenständen und erzählen Geschichten. Von der Geiß und den sieben Geißlein, die nach einer Wohnung suchen und unter einer Birke Zuflucht finden. Dann taucht der Wolf auf, der die Abwesenheit der Geiß nutzt und die Geißlein verschlingt. Kaum ist das erzählt, holt eine Schauspielerin ein großes Buch und baut damit eine neue Szenerie auf. Das Buch verwandelt sich in ein Haus, die Mütze des Spielers wird zum Topf, in dem der süße Brei überkocht und alles überschwemmt.

Die Schauspieler gestalten das Stück mit einfachen Mitteln, die sie spielerisch nutzen und laufend verwandeln. Schlichte Holzfiguren erwachen zum Leben, Holzlöffel dienen als Perkussion-Schlägel, ein weißes Tuch gibt den Brei. Im reizvollen Wechselspiel mit Figuren und Publikum entsteht ein mitreißendes, urkomisches Stück, das seinen Höhepunkt erreicht, als das Märchen von der Rübe an der Reihe ist und Zuschauer herbeigeholt werden, um angefeuert vom restlichen Publikum, beim Ziehen der „Rübe“ zu helfen.

Die Schauspieler gestalten das Stück in Anlehnung an kindliche Spiele, doch Kinder werden nicht nur nachgeahmt. Ihr Spiel wird durch professionelle Aufbereitung und Darbietung auf eine hohe ästhetische Ebene gehoben und theaterwürdig gemacht.