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Brüder vor Gericht 17-Jährigen nach Abifestival geschlagen: 500 Euro Schmerzensgeld

Von Anne Bremenkamp | 12.02.2016, 13:46 Uhr

Zwei Brüder müssen jeweils 250 Euro Schmerzensgeld an einen jungen Mann zahlen, auf den sie nach dem Abifestival in Lingen eingeschlagen haben.

Gegen diese Auflage im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs hat jetzt das Amtsgericht Lingen das Strafverfahren gegen die 32 und 36 Jahre alten Männer eingestellt.

Hilfeschreie

Die Angeklagten waren nach Überzeugung des Gerichts in einer Julinacht 2015 nach dem Besuch des Abifestivals in Lingen per Bustransfer zur Emslandarena gefahren. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass sie dort gegen 2 Uhr morgens nach einer verbalen Auseinandersetzung auf einen 17-Jährigen eingeschlagen haben. Als der Jugendliche einen Fluchtversuch unternahm, haben die Brüder ihn verfolgt und weiter zugeschlagen. Zu Hilfe gekommen ist dem Geschädigten ein 19-Jähriger, der Hilfeschreie gehört und daraufhin die Polizei informiert hatte. Das Opfer erlitt eine Platzwunde und schmerzhafte Prellungen am Kopf und an der Hand.

Viel Alkohol im Spiel

„Es war sehr viel Alkohol im Spiel, dann kam eins zum anderen. Richtig zugeschlagen haben wir nicht“, resümierte der Jüngere der Brüder den Ausgang der Partynacht und der Ältere räumte ein: „Es hätte gar nicht so weit kommen müssen, dass es so eskalierte. Der Abend war eigentlich schon gelaufen, wir wollten nur noch nach Hause.“ Als die Polizei einen der Brüder kurz nach dem Vorfall zuhause aufsuchte, erklärte dessen Frau, er liege schon im Bett. Sie könne ihn nicht mehr wecken, er sei zu betrunken.

„Inakzeptabel“

Der Strafrichter fasste zusammen, dass das Geschehene angesichts der Alkoholisierung aller Beteiligten nicht mehr genau nachvollzogen werden könne, dennoch sei es inakzeptabel, dass sich zwei erwachsene Männer gegen einen Jugendlichen verbünden. Ein Zeuge der Schlägerei, der zuvor auch Gast des Abifestivals gewesen war, hatte das Gericht aufgrund fehlender Erinnerung um Ausladung ersucht. Bei ihm war damals ein Wert von 2,23 Promille gemessen worden. Ein weiterer Beobachter des Geschehenen, der auch dem Opfer provokantes Verhalten vorwarf, hatte hingegen „nur“ 0,59 Promille. „Für das Emsland ist das sensationell wenig“, bemerkte der Strafrichter.

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