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Bewährungsstrafe Lingener Richter beeindruckt: Chance nach kaltem Entzug

Von Anne Bremenkamp | 08.06.2016, 14:26 Uhr

Ein 31-jähriger Mann hat es in einem Kraftakt geschafft, sein lange Zeit von Heroin bestimmtes Leben so radikal ins Positive zu verändern, dass selbst das Amtsgericht Lingen beeindruckt war und ihm trotz einer Vielzahl von Straftaten eine Bewährungschance gab.

Das Gericht verurteilte den 31-Jährigen im Fortsetzungstermin wegen 149-fachen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln und Beihilfe zum Handeltreiben mit Drogen in nicht geringer Menge zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung. Das Urteil ist rechtskräftig, der Mann wurde weiterhin einem Bewährungshelfer unterstellt und muss im nächsten halben Jahr monatlich Urinkontrollen zum Nachweis seiner Drogenabstinenz abgeben.

Regelmäßig Heroin erworben

Der 31-Jährige hatte bereits am ersten Verhandlungstag eingeräumt , für das Einhüten eines Hundes pro Tag zwei Konsumeinheiten Heroin á 0,25 Gramm erhalten zu haben. „Ich war arbeitslos, ich war drauf und musste mir in dieser Zeit selbst kein Heroin kaufen“, sagte er und verwies darauf, dass er 2014 zwischen einem halben und einem Gramm Heroin täglich gespritzt habe. Zudem hatte der Angeklagte gestanden, bei einem Dealer-Paar aus der Lingener Drogenszene regelmäßig Heroin erworben zu haben und in der Abwesenheit auch für das Paar bestimmte Handyanrufe entgegengenommen zu haben.

Kalter Entzug

Seitdem das Dealer-Paar im August 2014 inhaftiert wurde, habe er kein Heroin mehr konsumiert, unterstrich der 31-jährige, dass er in der Ferne bei seinen Verwandten erfolgreich einen kalten Entzug gemacht habe und mittlerweile einer geregelten Arbeit nachgehe.

Rückhalt aus der Familie

„Ich habe den Eindruck, dass er keine Drogen mehr nimmt. Er bekommt so vieles auf die Reihe, was er früher im Drogenrausch nie geschafft hätte“, unterstrich dies auch der Bewährungshelfer, der regelmäßigen und guten Kontakt zum Angeklagten hat. Es sei schon die absolute Ausnahme, dass sich ein Hartdrogenabhängiger aus eigener Kraft vom Heroin habe befreien können, aber der 31-Jährige erfahre auch viel Rückhalt und Unterstützung aus der Familie.

Positiver Bericht des Bewährungshelfers

„Viel positiver kann der Bericht eines Bewährungshelfers gar nicht klingen“, unterstrich die Staatsanwältin und auch der Vorsitzende Richter zeigte sich beeindruckt von der Kehrtwendung im Leben des Angeklagten, dem er mit auf den Weg gab: „Auch wenn der Heroinkonsum der Vergangenheit angehört, müssen Sie sich bewusst sein, dass die Sucht Sie Ihr Leben lang verfolgen wird.“

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