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Autokorso nach Mitternacht Lingen am Morgen danach: ein Gratisbrötchen auf den Sieg

Von Thomas Pertz | 14.07.2014, 10:29 Uhr

Lingen am Morgen danach: als Fußballweltmeister wach zu werden ist toll, das Aufstehen selbst ist nicht so schön. Bis in die tiefe Nacht hinein hatten Fans in der Innenstadt den Sieg der deutschen Mannschaft über Argentinien gefeiert.

Einige Grundschüler, die kurz vor acht Uhr auf der Georgstraße Richtung Schule unterwegs sind, tragen gut sichtbar die schwarz-rot-goldenen Farben auf beiden Wangen – entweder neu angemalt oder noch vom Vorabend einfach stehen gelassen. Und in den Trikots der deutschen Mannschaft sind sie auch unterwegs. Natürlich fehlt darauf noch der vierte Stern als Symbol für den vierten WM-Sieg seit 1954. Aber das wird wohl bis zum nächsten großen Fußball-Turnier, die Europameisterschaft 2016, behoben sein.

Gegen die Müdigkeit hilft Kaffee, gegen den Hunger ein frisches Brötchen. Eines gab es Montag in den Filialen der Bäckerei Fehren in Lingen umsonst. Bäckermeister Georg Fehren hatte am Samstag Flyer ausgehangen mit dem Hinweis, dass es für jedes Tor, dass Deutschland mehr schießt als Argentinien, ein Brötchen gratis gibt.

Die fleißigen Helfer des Bauhofes waren bereits seit den frühen Morgenstunden im Einsatz, um die City wieder auf Vordermann zu bringen. Beim Karneval in Rio liegen sicher mehr Glasscherben, Pappbecher etc.herum, doch die Kehrmaschine in Lingen hatte auch jede Menge zu tun.

Klar war das Nerven zerrende Finale im Maracana-Stadion an jeder Ecke Gesprächsthema, auch bei einer Obsthändlerin in der Fußgängerzone. Wobei sie von der ganzen Aufregung zunächst gar nichts mitbekommen und erst kurz vor Ende der zweiten Halbzeit den Fernseher eingeschaltet hatte. Das sei besser für ihre Nerven gewesen, sagte sie gestern. Und die restliche halbe Stunde Spielzeit in Brasilien bot dann ja auch noch Aufregung genug.

Kurz nach Mitternacht war die Lingener Innenstadt erfüllt von Hupkonzerten und dem Jubel Tausender: der Konrad-Adenauer-Ring gehörte Fahnen schwenkenden Fans aus vorbeifahrenden Autos. „Unbeschreiblich, was für ein Spiel“, war von vielen zu hören.

Silvesternacht im Juli

Rund 4000 Fans hatten in den Emslandhallen mitgefiebert und nach dem erlösenden Tor durch Mario Götze ihrer Freude freien Lauf gelassen. In den Hallen an der Lindenstraße herrschte bei Saunatemperaturen eine unbeschreibliche Stimmung. Anschließend strömte die Masse in die Innenstadt und machte hier die Nacht zum Tage.

An Schlaf war in der City lange nicht zu denken, denn auch Böllerschüsse waren zu hören, eine Silvesternacht im Juli. Das Geräusch quietschender Reifen nach unzähligen „Kavalierstarts“ mischte sich mit Fangesängen. Auch Beamte in den Polizeiwagen drücken vor Freude auf die Hupe –die Polizei, Dein (Fußball)-Freund und Helfer…