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Auftakt für neues Projekt Häusliche Gewalt in Region: 1000 gemeldete Fälle im Jahr

Von PM. | 10.06.2016, 12:00 Uhr

Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Emsland-Bentheim werden jährlich 1000 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet. Die Dunkelziffer ist erheblich. Darauf hat der Leiter der PI, Karl-Heinz Brüggemann, in der Auftaktveranstaltung „Fallmanagement Hochrisikofälle bei häuslicher Gewalt“ im Sitzungssaal der Stadt Lingen hingewiesen.

Einer Mitteilung der PI zufolge waren etwa 50 Interessierte von Polizei, den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim, den Städten, Amtsgerichten und verschiedenen Beratungsstellen der Einladung der Polizeiinspektion gefolgt.

Nach einer Begrüßung durch den Ersten Stadtrat Stefan Altmeppen von der Stadt Lingen bedankte sich PI-Leiter Brüggemann, bei Kriminaloberkommissarin Hiltrud Frese vom Präventionsteam, die die Veranstaltung organisiert hatte. Es sei wichtig, so Brüggemann, dass den Tätern von häuslicher Gewalt von der Polizei und auch von den anderen Hilfsorganisationen und Beratungsstellen Hilfe angeboten werde, damit es nicht zu weiteren Gewalthandlungen gegen die Partnerin komme. Bei Tötungsdelikten gegen Frauen sei bei jedem zweiten Fall der Lebenspartner oder der Ex-Partner tatverdächtig. „Vorausgegangen sind in diesen Fällen regelmäßig wiederholt Fälle von häuslicher Gewalt. Das Fallmanagement für Hochrisikofälle bei häuslicher Gewalt ist eine überaus geeignete Möglichkeit wirkungsvoll gefahrenabwehrend tätig zu werden“, erklärte der Leiter der Polizeiinspektion.

Anschließend erläuterte Hiltrud Frese vom Präventionsteam der Polizei das Projekt. „Es soll eine Optimierung der Bearbeitung von Fällen häuslicher Gewalt erreicht werden. Die Einschätzung der Situation für das Opfer durch die Polizei soll inspektionsweit ab Juni unter Zuhilfenahme von Checklisten erfolgen. Weiterhin sollen Fallkonferenzen mit externen Kooperationspartnern mit dem Ziel einberufen werden, frühzeitig vorhandene Erkenntnisse zu erlangen, um präventive Maßnahmen zu ergreifen zum Zwecke der Beendigung von Gewalt und Nachstellung und zur Durchbrechung der Gewaltspirale“, erläuterte Frese weiter die Ziele des Projektes.

In einem Vortrag von Kornelia Krieger von der Frauenberatungsstelle Osnabrück zeigte diese auf, das in Osnabrück seit einem Jahr das Fallmanagement durchgeführt werde und mit großer Resonanz angelaufen sei. Sie berichtete über ihre Erfahrungen im Umgang mit den Checklisten und zeigte auf, wie wichtig es ist, dass auch andere Institutionen an diesem Projekt mitarbeiten.

„Vielfach ist beispielsweise das Vertrauen zu einer Beratungseinrichtung größer und der Kontakt enger als zur Polizei, sodass auch Opfer in einem vertraulichen Gespräch offener sind“, so Krieger.

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