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An diesem Samstag Kernkraftwerk und Brennelementefabrik in Lingen als Demoziele

Von Thomas Pertz | 08.06.2018, 20:05 Uhr

 Wenn sich an diesem Samstag um 13 Uhr Atomkraftgegner aus der Region, dem Münsterland und den Niederlanden vor dem Kernkraftwerk Emsland in Lingen zur Demonstration sammeln, werden auch die beiden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, Miriam Staudte und Christian Meyer dabei sein.

Die atompolitische Sprecherin der Fraktion und der frühere Landwirtschaftsminister bekräftigen in einem Gespräch mit der Redaktion ihre Forderung nach einer schnelleren Stilllegung des Reaktors, der Ende 2022 vom Netz gehen soll. Außerdem forderten sie die Stilllegung der Brennelementefabrik von ANF, das Ziel des Demonstrationszuges am Samstag im Industriepark.

Dass die Bundesregierung trotz des beschlossenen Atomausstiegs die Lieferung von Brennelementen aus Lingen an die Risiko-Reaktoren im belgischen Doel und Tihange zulasse, sei inakzeptabel und moralisch fragwürdig, betonten Staudte und Meyer. Beide waren im Rahmen der „Fraktion on Tour“ mit den Grünen-Abgeordneten Julia Willie Hamburg, Belit Onay und Dragos Pancescu in Lingen, um sich mit lokalen Grünen und Anti-Atom-Initiativen auszutauschen.

Meyer und Staudte stellten zwei Anträge der Grünen im Landtag vor, die die Forderung nach einer s chnelleren Abschaltung des Kernkraftwerkes und die Stilllegung der Brennelementefabrik in den Mittelpunkt stellen.

Der Reaktor in Lingen trage, so die Grünen, zur Verschärfung von Netzengpässen bei, produziere aber weiter Atommüll, für den es bislang keinen Entsorgungsweg gebe. Kritisch setzte sich Meyer auch mit dem Katastrophenschutz in der Umgebung von Kernkraftwerken auseinander, für den das Land zuständig ist. Das Land wolle erst bis Ende 2020 die nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima neu gesetzten Rahmenempfehlungen umsetzen. „Lingen erfüllt nicht die Anforderungen im Katastrophenschutzplan; auch dies ist ein Grund für eine frühere Abschaltung“, sagte Meyer.

Was die Brennelementefabrik ANF anbelangt, erläuterte Staudte, dass eine Stilllegung möglich sei. Dies hänge von der Politik ab und wäre vor dem Hintergrund des Atomausstiegs auch nur konsequent, erklärte die atompolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion. Die Anlage, nur wenige 100 Meter vom Kernkraftwerk Emsland entfernt, gehört zum französischen Mutterkonzern Framatome. Mehrheitseigner hier ist der französische Staat. Da nach der 2011 beschlossenen Energiewende Kernkraftwerke in Deutschland schrittweise bis 2022 abgeschaltet werden, richtet sich ANF am Standort Lingen zunehmend auf den Export von Brennelementen aus. Der Anteil liegt Unternehmensangaben zufolge inzwischen bei 80 bis 90 Prozent – gegenüber etwa 50 Prozent vor der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011, die die Ursache für den vorzeitigen Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie war. „Ein sofortiger Exportstopp der Brennelemente und eine schnellstmögliche Schließung der Fabrik – das fordern wir in unserem Antrag“, erklärte Staudte.

Zum Thema Zukunft der Arbeitsplätze bei ANF heißt es in dem Grünen-Antrag, dass „die Fachkompetenzen beispielsweise für den Rückbau von Atomkraftwerken zu sichern und weiterzuentwickeln“ seien. „Es ist nicht in unserem Sinne, dass der Rückbau von Fremdfirmen gemacht wird“, sagte die atompolitische Sprecherin. Es würden weiterhin qualifizierte Leute vor Ort benötigt, ergänzte Peter Blauert vom Ortsverband der Grünen in Lingen. „Wenn wir in den Kommunen und Landkreisen den Weg der erneuerbaren Energien konsequent weiter gehen, schaffen wir am Ende deutlich mehr und sicherere Arbeitsplätze“, betonte Meyer.

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