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Althusmann zu Besuch „Reallabor Emsland“ soll Industriepark in Lingen verstärken

Von Thomas Pertz | 15.06.2018, 17:40 Uhr

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann hat dem Landkreis Emsland und der Stadt Lingen die Unterstützung des Landes bei der Gestaltung der Energiewende zugesagt.

„Wir haben das Ziel, den Wirtschaftsstandort Emsland und Lingen zu einem der innovativsten Energiestandorte des Landes zu machen“, betonte der CDU-Politiker und stellvertretende Ministerpräsident im Kabinett von Stephan Weil (SPD) am Freitag in einem Pressegespräch im Infozen-trum der RWE. Althusmann war dort mit dem Leiter des Kernkraftwerkes Emsland Wolfgang Kahlert, dem CDU-Landtagsabgeordneten Christian Fühner, Oberbürgermeister Dieter Krone, Landrat Reinhard Winter, Netzwerkmanager Sebastian Thedering und weiteren Vertretern aus Politik, Kreis- und Stadtverwaltung zusammengetroffen.

Im Kern ging es darum, wie die Region sich nach dem Laufzeitende des Kernkraftwerkes Ende 2022 aufstellen soll. „Dabei arbeiten der Landkreis Emsland und die Stadt Lingen Hand in Hand“, hob Fühner den engen Schulterschluss zwischen Kreis und Kommune in dieser Frage hervor. Ein Ergebnis war auch das Energietutachten des Kreises, das vor dem Hintergrund des beschlossenen Atomausstiegs Entwicklungsperspektiven für den Energiestandort Lingen und die benachbarten Kommunen entwickeln sollte.

Sektorenkopppelung und Wasserstoff

Die Stichwörter nun heißen Sektorenkopplung und Wasserstoff. Die Verbindung von Strom-, Wärme- und Gasnetzen und das chemische Element gelten als Treiber, die die Energiewende vorantreiben können. Dazu soll der Gesprächsrunde mit dem Minister zufolge ein „Reallabor Emsland“ im Industriepark Lingen aufgebaut werden. Oberbürgermeister Krone verwies auf die bereis vorhandene Infrastruktur. Der Landkreis will den Worten von Landrat Winter zufolge mit dem „Reallabor Emsland“ einen eigenen Schwerpunkt setzen. „Wir brauchen aber auch die RWE und die Unterstützung des Landes“, sagte Winter.

Aus der Tatsache, dass Energiepartner und Kommunen vor Ort hervorragend zusammenarbeiten würden, „ergeben sich riesige Chancen“, sagte Minister Althusmann. Höchste Priorität in Niedersachsen habe die Netzwerkstabilität und die Versorgungssicherheit, betonte der stellvertretende Ministerpräsident. „Diese Vision ist absolut zukunftsfähig“, sagte Althusmann mit Hinweis auf das „Reallabor Emsland“.

 Netzwerkmanager Thedering erläuterte anschließend im Einzelnen, wie das konkret aussehen soll: So kann die auf dem Meer produzierte Windenergie über HGÜ-Leitungen (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungen) zwischengespeichert und über ein Elektrolyseverfahren zur Produktion von Wasserstoff zu Mobilitätszwecken verwendet werden. Das Gaskraftwerk, die Raffinerie und der Campus Lingen als wissenschaftlicher Impulsgeber spielen in diesem “Reallabor Emsland“ ebenfalls eine wichtige Rolle.

Reststrommengen

Auf Anfrage der Redaktion äußerte sich Althusmann außerdem zur aktuellen Debatte über die Übertragung von Reststrommengen aus Atomkraftwerken auf andere Kernkraftwerke. So hatte der Bundesrat kürzlich gefordert, Übertragungen in Netzengpassgebieten, zum Beispiel auf die Atomkraftwerke in Brokdorf oder im Emsland, gesetzlich zu unterbinden. Kritiker wie der Ökostromanbieter Greenpeace Energy verweisen darauf, dass der Atomstrom die Nutzung von Ökostrom in Netzengpassgebieten blockiere.

Gegen vorzeitigen Ausstieg

Diese Auffassung weist der Leiter des Kernkraftwerkes Emsland Wolfgang Kahlert als falsch zurück. Mit jeder neuen Anlage zur regenerativen Stromerzeugung würden auch die Schwankungen bei der Einspeisung größer werden, hatte Kahlert im Mai in einem Interview mit der Redaktion erklärt. „Diese Schwankungen gleichen unsere Anlagen aus. Deshalb ist auch die Behauptung falsch, Kernkraftwerke würden durch ihre Stromproduktion die Netze ‚verstopfen‘. Sie sorgen vielmehr für ihre Stabilität.“

Althusmann wandte sich gegen Forderungen nach einem früheren Ausstieg als der jetzt vorgesehene am 31. Dezember 2022. Er verwies nicht nur auf erhebliche rechtliche Risiken, sondern auch auf die „CO2-Problematik“. Nach Angaben der RWE spart ein Jahr Laufzeit eines Kernkraftwerks sechs bis acht Millionen Tonnen Kohlendioxid ein.

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