Bewegtes Leben Lingener Bruno Hoffmann feiert Heiligabend 102. Geburtstag


Lingen. Während andere Lingener den Baum schmücken und die Gans vorbereiten, durfte er die Kerzen auf seiner Geburtstagstorte ausblasen: Der Lingener Bruno Hoffmann feiert am heutigen Heiligabend seinen 102. Geburtstag.

Lingens Erster Bürgermeister Heinz Tellmann und der stellvertretende Landrat Klaus Prekel gratulierten dem Geburtstagskind am Sonntag zu seinem Ehrentag. „Es ist eine Besonderheit, an Weihnachten einem 102-Jährigen gratulieren zu dürfen“, erklärte Heinz Tellmann. „Behalten sie sich ihren klaren Verstand und ihre Vitalität – es wäre schön, wenn wir im nächsten Jahr wiederkommen dürfen.“

„Der Kopf geht noch einigermaßen und auch mein Herz ist gesund“, erklärt das Geburtstagskind. Er erledige seine komplette Korrespondenz und seine Einkommenssteuererklärung noch selbst. „Damit habe ich vor drei Jahren angefangen und war überrascht, wieviel ich noch wiederbekomme – das lohnt sich“, so der 102-Jährige. Zudem interessiere er sich für Politik und Medizin.

Doch darüber hinaus merke er sein hohes Alter sehr wohl. „Dass ich noch lebe, ist keine Selbstverständlichkeit“, erklärt Bruno Hoffmann. „Mein Leben war sehr unruhig und bewegt.“

In Schlesien geboren

Geboren wurde er am 24. Dezember 1915 in der Garnisonsstadt Glogau in Schlesien, heute Polen als eines von fünf Kindern eines Lokomotivführers. Nach dem Abitur an der Oberrealschule wollte Bruno Hoffmann eigentlich Lehrer werden. „Wir waren 103 Schüler, von denen nur neun Abitur gemacht haben“, berichtet das Geburtstagskind mit Stolz. Doch seine Eltern hatten kein Geld für das Studium. Zudem begann der Zweite Weltkrieg und zerstörte alle Zukunftspläne.

„Ich habe den Krieg vom ersten bis zum letzten Tag und in all seinen schrecklichen Facetten erleben müssen und war in Polen, Frankreich und Russland stationiert“, erzählt Bruno Hoffmann aus seinem Leben. In Stalingrad sei er verwundet worden. Vier Wochen habe er auf seinen Rücktransort gewartet. Dann wurde er in Würzburg operiert und wieder nach Russland versetzt. „Als ich zurückkam, war meine komplette Einheit versprengt und zerschlagen“, so Bruno Hoffmann. Ihm selbst wurde daraufhin ein Bataillon von 800 Soldaten zugeteilt.

Zum Ende des Krieges sei er dann nach Frankreich gekommen und sollte dort unter anderem als Stadtkommandant Le Havre verteidigen. „In der Normandie wurde ich gefangen genommen und war bis 1948 in englischer Gefangenschaft“, berichtet Bruno Hoffmann. „Nach dem Krieg war unsere komplette Familie zerstreut. Wir haben uns und unsere Heimat verloren.“

Familienmitglieder starben im Krieg

Von fünf Geschwistern überlebten nur drei den Krieg. Zurück blieben seine Eltern, ein Bruder und eine Schwester.

Nach dem Krieg hat er geheiratet und mit seiner Frau zwei Söhne bekommen. „Ich war 20 Jahre lang Bahnhofsvorsteher in Neheim-Hüsten im Sauer-land“, erzählt das Geburtstagskind. Dort habe er sich bis zum Amtsrat hochgearbeitet. „Die Vorteile merke ich heute vor allem an meiner Pension“, erklärte Bruno Hoffmann. Mit 64 Jahren sei er in Ruhestand gegangen und erst vor vier Jahren zusammen mit seiner Frau nach Lingen und dort in das Stephanus-Haus gezogen.

Ein Sohn des 102-Jährigen lebt ebenfalls in Lingen. „Meine Frau ist leider vor zwei Jahren im Alter von 93 Jahren verstorben“, so Bruno Hoffmann. Doch seine 95-Jährige Schwester, seine zwei Söhne, eine Schwiegertochter, drei Enkel und zwei Urenkel zählen zu den Gratulanten.

„Wir haben gute Gene – viele unserer Familienmitglieder sind sehr alt geworden“, erklärt Bruno Hoffmann. Damit zählt er in Lingen zu einer Gruppe von 13 Bürgerinnen und Bürgern, die 100 Jahre und älter sind, davon zwei Männer und elf Frauen.

Mehr aus Lingen lesen Sie in unserem Ortsportal.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN