Kritik vom ADFC Lingen als fahrradfreundliche Kommune ausgezeichnet

Von Wilfried Roggendorf

Der niedersächsische Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Bernd Althusmann (links), überreichte gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen (
              
                AGFK
              
              ),  Axel Priebs (rechts), das Zertifikat an Oberbürgermeister Dieter Krone (zweiter von links) und Stadtbaurat Lothar Schreinemacher. Foto: Stadt LingenDer niedersächsische Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Bernd Althusmann (links), überreichte gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen ( AGFK ),  Axel Priebs (rechts), das Zertifikat an Oberbürgermeister Dieter Krone (zweiter von links) und Stadtbaurat Lothar Schreinemacher. Foto: Stadt Lingen

Lingen. Die Stadt Lingen ist vom niedersächsischen Verkehrsminister Bernd Althusmann mit dem Zertifikat „fahrradfreundliche Kommune Niedersachsen“ ausgezeichnet worden.

Die Auszeichnung, um die sich Kommunen bewerben können, die Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen“ (AGFK) sind und über ein Konzept zur Radverkehrsförderung verfügen, wurde nach 2016 zum zweiten Mal vergeben. In die Bewertung der Jury gingen die Bereiche kommunalpolitische Zielsetzungen im Konzept, fahrradfreundliches Klima, Infrastruktur, Verkehrssicherheit, Berufsradverkehr und Radtourismus ein.

Radverkehrsförderung als Aufgabe

Die von 2018 bis 2022 geltende Zertifizierung Lingens als fahrradfreundliche Kommune wird laut einer Mitteilung des niedersächsischen Verkehrsministeriums damit begründet, dass die Stadt gemeinsam mit den Bürgern das Handlungskonzept „Zukunftsstadt Lingen 2025“ entwickelt habe. „Die Stadt versteht die Radverkehrsförderung als Aufgabe, die mit der Bevölkerung gemeinsam angegangen wird“, heißt es in der Mitteilung. Entsprechend finde die Fahrradkultur in Lingen eine breite Verankerung. Bemerkenswert habe die Jury zudem die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen gefunden. Neben der Schülerfirma „EL-Fietsen“ beteiligten sich zwei Schulen mit Arbeitsgemeinschaften in einer kirchlichen Fahrradwerkstatt.

Stadt ist stolz auf Erfüllung der Kriterien

Das Zertifikat nahmen jetzt in Oldenburg Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone und Stadtbaurat Lothar Schreinemacher gemeinsam mit Vertretern der ebenfalls ausgezeichneten Städte Hameln und Osnabrück aus den Händen von Minister Althusmann entgegen. „Wir sind stolz darauf, die Kriterien der Jury erfüllt zu haben und verstehen diese Auszeichnung vor allem als Ansporn dafür, die Fahrradstadt Lingen weiter auszubauen“, erklärten Krone und Schreinemacher übereinstimmend. Sie bedankten sich bei allen Beteiligten, die zu diesem Erfolg beigetragen hätten.

Debeerst: Maßnahmen zeitnah umsetzen

„Die Zertifizierung bedeutet, dass Lingen bestimmte Anforderungen auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Kommune eingehalten hat“, sagte Theresia Debeerst, verkehrspolitische Sprecherin des ADFC Lingen. „Die Stadt hat die Zulassungsprüfung bestanden, das Enddiplom noch lange nicht“, meinte Debeerst. Noch würden die meisten der geplanten Maßnahmen nur auf Papier bestehen. Eine tatsächliche Fahrradfreundlichkeit könne die Stadt beweisen, wenn sie – auch baulich – dafür sorgen würde, dass der Radfahrverkehr mindestens gleichberechtigt mit dem motorisierten Verkehr geführt werde. Gemacht werde zurzeit aber an den Auf- und Abfahrten der Umgehungsstraße das Gegenteil. Durch Verschwenken der Radwege an der Rheiner Straße und durch die geplante Beseitigung der roten Radwegeführung an der Haselünner Straße solle den Radfahrern die Vorfahrt genommen werden. „Der ADFC befürchtet, dass diese Auszeichnung vor allem Planungen in Form des Klimaschutzteilkonzepts würdigt“, erklärte Debeerst. Die Stadt Lingen müsse nun zeigen, ob sie bereit ist, Maßnahmen zeitnah umzusetzen, um das Radfahren in Lingen attraktiver zu machen.

Riße: Es passiert zu wenig

„In Lingen ist die Straßendecke für den Preis echt dünn“, twitterte Marc Riße, Vorsitzender des Verkehrsausschusses der Stadt, als Reaktion auf die Auszeichnung. Er kritisierte, dass zwar ein Konzept vorhanden sei, aber zu wenig passiere. „Das Klimaschutzteilkonzept Fuß- und Radverkehr umfasst Punkte, von denen viele mit geringen finanziellen Mitteln umsetzbar wären“, sagte Riße. Er widerspricht Althusmann, der in der Mitteilung seines Ministeriums mit den Worten „In allen drei Städten finden Fahrradfahrer hervorragende Bedingungen vor“ zitiert wird. „Wir haben keine hervorragenden Bedingungen in Lingen. Radfahrer müssen teilweise über Buckelpisten fahren und ausweichen“, erklärte Riße. Der Schwerpunkt liege in Lingen nach wie vor auf dem Autoverkehr.