Trotz Urteil des OVG Stadt Lingen hält an Plänen für Krematorium fest

Von Wilfried Roggendorf

Das geplante Krematorium soll in Brögbern an der Straße Adeliger Hof entstehen. Foto: Thomas PertzDas geplante Krematorium soll in Brögbern an der Straße Adeliger Hof entstehen. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Die Stadt Lingen beabsichtigt, den vom Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg für unwirksam erklärten Bebauungsplan Nr. 20 zu heilen. Dieser ist Grundlage für den Bau eines Krematoriums im Ortsteil Brögbern.

Die Stadt hat das von zwei Brögberner Landwirten angestrengte Normenkontrollverfahren beim OVG zwar verloren, sieht sich aber zugleich vom Gericht in ihren Plänen bestätigt. Dies äußerten Oberbürgermeister Dieter Krone und Stadtbaurat Lothar Schreinemacher im Gespräch mit unserer Redaktion. „Alle von den Landwirten beim OVG vorgebrachten dringlichen Dinge sind nicht durchschlagend gewesen“, sagte Schreinemacher. So habe das Gericht den Bedarf an einem Krematorium in Lingen ausdrücklich bestätigt. „Zudem hat das OVG die geplante Lage des Krematoriums für pietätvoll, angemessen und würdig befunden“, erklärte Krone. Die von dem geplanten Krematorium ausgehenden Emission seien laut Auffassung des OVG ordnungsgemäß und richtig ermittelt worden, sagte der Oberbürgermeister. Eine Sprecherin des OVG Lüneburg bestätigte die Auffassung von Krone und Schreinemacher, dass der Senat der Stadt Lingen in fast allen Punkten recht gegeben habe.

Von Entscheidung überrascht

Vielmehr habe sich das Gericht mit den von den landwirtschaftlichen Betrieben in der Nähe des geplanten Krematoriums ausgehenden Gerüchen beschäftigt. „Das Gericht hat ausdrücklich verneint, dass Trauergäste durch diese Gerüche beeinträchtigt werden könnten“, versicherte der Stadtbaurat. Von der Argumentation des OVG, dass die im Krematorium tätigen Arbeitnehmer unzumutbar hohen landwirtschaftlichen Gerüchen ausgesetzt wären, was zur Unwirksamkeit des Bebauungsplanes geführt habe, sei er überrascht gewesen. „Vor Gericht rechnet man mit allem, aber nicht damit“, sagte Schreinemacher. Die Landwirte, die sich beschwert hätten, wären 70 Prozent ihrer Jahresarbeitsstunden diesen Gerüchen ausgesetzt. „Wir haben ermittelt, dass die Mitarbeiter des Krematoriums bis zu 25 Prozent ihrer Arbeitszeit davon betroffen sein werden“, erklärte Schreinemacher weiter.

Bebauungsplan nachbessern

Nun will die Stadt laut Oberbürgermeister Krone den vom OVG für unwirksam erklärten Bebauungsplan nachbessern. „Wir werden den verbesserten Plan mit Gutachten in dem fraglichen Punkt belegen“ kündigte Schreinemacher an. Der Plan müsse dann die politischen Gremien der Stadt erneut durchlaufen. „Dies wird rund sechs bis acht Monate dauern“, schätzte der Stadtbaurat. Abgesehen davon biete die Stadt Lingen den Landwirten erneut das Gespräch an, versicherte Krone.

Grafik: NOZ/Heiner Wittwer

Die klagenden Landwirte bezogen zu dem Urteil des OVG keine Stellung. „Ich möchte erst einmal die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, bevor ich mich vielleicht äußere“, erklärte einer von ihnen auf Nachfrage unserer Redaktion.

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