Auch Suizid ein Thema 260 Teilnehmer beim Hospiz- und Palliativtag in Lingen

Der Theologe Norbert Mucksch (rechts) forderte seine Workshopteilnehmer auf, sich zum Tabuthema Suizid zu positionieren. Foto: Christiane AdamDer Theologe Norbert Mucksch (rechts) forderte seine Workshopteilnehmer auf, sich zum Tabuthema Suizid zu positionieren. Foto: Christiane Adam

Lingen. Rund 260 Teilnehmer haben sich unter Anleitung von 20 Referenten in Lingen-Holthausen beim dritten emsländischen Hospiz- und Palliativtag im Ludwig-Windthorst-Haus (LHW) in Lingen zu ihren Erfahrungen mit dem Sterben und der Sterbebegleitung ausgetauscht.

Kein Tabuthema ist der Tod für die vielen haupt- und ehrenamtlich Tätigen in der Hospiz- und Palliativbewegung, die sich im LWH getroffen haben. Maria Brandt und René Kollai vom LWH hatten mit Diözesanreferentin Anja Egbers ein umfangreiches Angebot dazu vorbereitet.

Informationen über örtliche Initiativen

Am Vormittag hielt Sven Schwabe vom Landesstützpunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen einen Vortrag über das Hospiz- und Palliativgesetz 2015. Anschließend folgten Berichte über die Sterbebegleitung von Kindern, in der Altenpflege sowie bei Menschen mit Behinderung. Auf der Info-Meile gab es Gelegenheit, sich bei örtlichen Initiativen, Projekten und Vereinen zu erkundigen.

17 Workshops zu den verschiedensten Themen

Der Nachmittag stand im Zeichen von 17 Workshops. Über ein Tabu innerhalb des ohnehin eher tabuisierten Themas Tod tauschten sich Teilnehmer im Workshop von Norbert Mucksch aus. Der Theologe aus Münster ging auf die Trauer nach Suizid ein und forderte seine Seminarteilnehmer zu Stellungnahmen auf. „Freitod, Selbsttötung, sich das Leben nehmen oder Selbstmord – welcher Begriff ist für Sie persönlich der stimmigste?“ Jeder im Raum sollte sich dementsprechend positionieren.

10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jedes Jahr das Leben

Dass auch Suizid an jedem Ort und zu jeder Zeit stattfindet, belegen Zahlen, die Mucksch aufführte: 10.000 Menschen nehmen sich in Deutschland jährlich das Leben, dabei ist die Dunkelziffer nicht berücksichtigt. Das führt zu 200.000 Betroffenen in Trauer und Verarbeitung des traumatischen Ereignisses.

Fallbeispiele aus der Praxis

Dr. Evelyn Märker, Fachärztin für Neurologie und klinische Geriatrie aus Meppen, besprach mit ihren Teilnehmerinnen Fallbeispiele aus der Praxis. Warum sich der 85-jährige Herr M. entschloss, auf Dialyse zu verzichten und wie die Mediziner ihm durch die Gabe starker Schmerz- und Beruhigungsmittel seine letzten Lebenstage erleichterten, kommentierte eine Teilnehmerin mit den Worten: „Das ist ein menschenwürdiger Weg.“ Wie wichtig es sei, eine Patientenverfügung auszustellen, betonte eine andere Teilnehmerin.

Engagement in der Hospizarbeit aus persönlichen Gründen

Die Gründe, sich in der Hospiz- und Palliativbewegung zu engagieren, sind meistens sehr persönlicher Natur. Monika Mertens von der Hospizgruppe Spelle kam dazu, nachdem ihre Freundin sehr früh verstarb. „Die Arbeit gibt mir viel“, begründet sie, weshalb sie sich dem Tabuthema Tod freiwillig in ihrer Freizeit stellt. Dass der Bereich ein Frauenthema ist, bestätigt das Mitglied des Bundesvorstandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD). „Das spiegelt sich auch hier wieder. Der überwiegende Teil der heutigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist weiblich“.

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Palliativmedizin bezeichnet die Behandlung von Patienten, die an einer unheilbaren Krankheit im weit fortgeschrittenen Stadium leiden. Nicht die Verlängerung des Lebens um jeden Preis steht hier im Vordergrund, sondern die Lebensqualität. So sollen Schmerzen und andere Beschwerden weitestmöglich reduziert werden. Besonderer Fokus liegt auf den Wünschen des Patienten. Auch psychologische, soziale und spirituelle Probleme werden berücksichtigt. Ein Hospiz ist eine Einrichtung, in der Schwerstkranke bei ihrem Sterben begleitet werden. Dies kann stationär in meist kleineren Stationen sein, kann aber auch ambulant geschehen. Auch die Angehörigen erhalten Hilfe und Beratung. Kinderhospize haben sich auf die Sterbebegleitung von Kindern spezialisiert, kümmern sich aber auch um deren Geschwister, die aufgrund der familiären Belastung häufig zu kurz kommen.

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