Strapazierte Lachmuskeln Torsten Sträter sucht in Lingen den roten Faden

Der Comedyabend mit Thorsten Sträter im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe machte seinem Namen alle Ehre. Das Publikum amüsierte sich köstlich. Foto: Peter LöningDer Comedyabend mit Thorsten Sträter im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe machte seinem Namen alle Ehre. Das Publikum amüsierte sich köstlich. Foto: Peter Löning

Lingen. Wenn Torsten Sträter zu einem Gastspiel in die ferne Provinz, also nach Lingen kommt, – immerhin kommt er ganz aus Waltrop („da gibt es noch einen Schlecker-Markt“), – gehört es sich, dass das Theater an der Wilhelmshöhe komplett ausverkauft ist.

Wobei auch er, angesichts der unglaublich schimmelgrünen Sitzbezüge hier einen Seitenhieb auf das hiesige „Farbkonzept“ übrig hat. „In der ersten Reihe ist noch ein Platz frei, kann sich da vielleicht jemand hinsetzen, damit ich das nicht so sehen muss?“ Sträters Humor ist trocken, derb im Ton, er ist sprachlich faszinierend genau und vor allem zum Totlachen komisch. Mit unfassbarer Schlagkraft haut er scheinbar ungewollt und beiläufig seine Gags heraus in einer Dichte, die kaum Zeit lassen, hin und wieder Luft zu holen. Ein roter Faden, der sich vermeintlich durch das Programm zieht, ist vor allem die Suche nach eben diesem. Er schweift ab und das mit Lust und Können. Eigentlich wurde keine Geschichte bis zum Ende erzählt, ohne das verschiedene Nebenschauplätze angerissen wurden und das macht ihn aus.

Flugangstbeschreibung

So verzeiht man ihm den Griff zu Fäkal- und Urologenwitzen. So wirken seine Flugangstbeschreibungen, auch sein Kampf mit einem gemieteten Elektroauto („180 km Distanz schafft der Wagen nur im freien Fall“). Auch sein Afrikatagebuch fesselt die Lachmuskeln. Indes ein Diättagebuch gibt es nicht mehr denn: „Ich bin jetzt 51, was soll ich noch abnehmen?“. Dafür geht es mit Kraft an Alltagsgeräte, deren Gebrauchswert sich nicht wirklich erschließen lässt. So der Staubsaugerroboter, Pad-Kaffee-Bereiter, die Fitnessuhr oder gar der Thermomix „in Lingen bräuchten Sie dazu ein Modul für Hausschlachtungen.“ Und für die älteren Zuschauer benennt er solche ihre Zeit prägende Erscheinungen wie den Hustinetten-Bär, Kellergeister und den Bravo-Starschnitt. „Das kennt ja heute keiner mehr“. Auch die unsinnige Mode, Raclette zu essen „Davon wird man nicht satt.“ Die Botschaft des Abends: „Nutze den Tag, außer er ist scheiße, dann nutze den nächsten!“ Seine Geschichte zum Thema Technik kann allerdings erst zu lesen beginnen, als das Update auf seinem Tablet beendet ist. Er genießt spürbar selbst den Abend und die Besitzer geschundener Lachmuskeln im Saal hängen ihm an den Lippen. Ein Comedy-Auftritt wie man ihn gern hat.

Bis eine Antwort kam

Er erzählt von seiner Mutter, die vor zwei Jahren starb, der er daher diesen Abend widmen wolle. Nicht nur ihre Redensarten und Phrasen nahm er ausgiebig aufs Korn. So wie „Schläfst du schon?“ oder „…ehrlich?“ So lernt man hier, was es mit den Hottentotten auf sich hat und was die tschechische Husarenklötenraupe frisst. Herzerweichend die Begegnung mit Tariq, dem KFZ-Mechatroniker, dem jetzt Mutters einstige Handynummer gehört, denn Sträter habe ihre Nummer nie gelöscht und schicke ihr gelegentliche SMS. Bis plötzlich eine Antwort kam.


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