Gefühlen eine Form geben Engelhafte Plastiken von Carola Wedell im LWH Lingen

Von Margrit Lehmkuhl-Wiese

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Lingen. „Engel sind ein gutes Bild für die Wanderungen zwischen den Welten, den Grenzüberschreitungen“ erläuterte Michael Reitemeyer, Leiter des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) in Holthausen den zahlreich erschienenen Gästen zur Ausstellungseröffnung „Engel – Mittler der Welten“ die noch bis zum 23. November 2017 zu sehen ist.

Ausgestellt sind Zeichnungen, die erste Impulse zum Thema zum Ausdruck bringen, und Bronze-Plastiken, die den Schöpfungsprozess von der ersten Idee bis zum fertigen Ergebnis im Dreidimensionalen dokumentieren. Was ist das Geheimnis der Faszination des Themas „Engel“ für die Menschen? Reitemeyer erläutert, „dass es auch Geheimnisse geben muss, sozusagen ein Recht auf ‚Nicht-alles-durchschauen-Müssen‘.“ Das „Mehr“ der realen messbaren Welt.

Schutzengel

Sonja Hillebrand, Theologin und Exegetin im LWH nahm den Faden auf und erläuterte die biblischen Formen der Himmelsboten. Ausgehend von kindlichen Überlegungen zu Engeln und ihrer Allgegenwart in stereotypischen Formen in den Wohndekorgeschäften – beispielsweise als Schutzengel – zeigt die Bibel sie in ihrer Vermittlungsfunktion zwischen Himmel und Erde, indem sie Gottes Eingreifen in die Welt der Menschen symbolisieren.

Alle Ideen zulassen

Eine spannende Herausforderung für die Künstlerin Carola Wedell, die in Berlin Kunst studierte, seit 1988 regelmäßig ausstellt und seit 2000 in Meppen als freischaffende Künstlerin lebt. Sie erläutert, dass der Impuls für ihre Arbeiten aus einem Wettbewerb „Kunst am Fluss“ in Quakenbrück entstanden sei. „Alles im Fluss und der Aufstellungsort einer Engelfigur in Wassernähe in einer Art Flussdelta setzten meine Fantasie in Gang, wie man eine Form findet, die die Gedanken über Engel ausdrückt und gleichzeitig den Dialog mit der Umgebung aufnimmt“, erläutert sie. Eine wichtige Rolle spielten die Zeichnungen zur geistigen Auflockerung. „Alle Ideen erst einmal zulassen. Nur so macht man sich frei von gängigen Vorstellungen und Stereotypen und kommt in eine Art Flow im Schaffensprozess.“

Gleichgewicht des Gesamtwerks

Herausgekommen sind Arbeiten, die das fortwährende Gleichgewicht des Gesamtwerks zum Resultat haben, wobei die Form doch stets in Bewegung bleibt, eine lebendige Einheit von Bewegung und Gleichgewicht. Einzelbewegungen der Form auf einem sich bewegenden Weltkörper, das ist Streben nach Herstellung der relativen Ruhe, des Gleichgewichts, was von allen Seiten Harmonie ausstrahlt und der Vorstellung einer Engelsfigur nahekommt.

Neue Zeichnungen

Die noch nie ausgestellten Zeichnungen der Künstlerin verwandeln sich aus der Zweidimensionalität der Fläche in Raum und auch in Zeit, indem sie die Figur von allen Seiten in rhythmische Schwingungen durch Wellen, Kreise, Spiralen, Durchbrüche und Trichterformen bringen und damit in einen pulsierenden Fluss versetzen. Ein Prozess, der spannend ist zu beobachten bei den ausgestellten Arbeiten und die Aufmerksamkeit der Betrachter herausfordert.

Julius Kobor begleitet die Ausstellungeröffnung mit sphärischen Improvisationen am Klavier und trug so auch zur besonderen Atmosphäre des Abends bei.


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