Vom Kotten zum Traumhaus Bildband zu Heuerhäusern im Emsland erschienen


Lingen. Heuerhäuser. Das sind Häuser, in denen die auf dem Land arbeitenden und meist besitzlosen Heuerlinge bis in die 1960er-Jahre zumeist unter primitivsten Bedingungen gelebt haben. Viele der heute noch existierenden Häuser sind inzwischen aufwendig zu Traumhäusern umgestaltet worden. Ein Bildband zu diesem Thema haben jetzt Bernd Robben und sein Autorenteam vorgestellt.

Gerade einmal drei Jahre ist es her, dass Robben und der Historiker Helmut Lensing ihr Buch zum Heuerlingswesen mit dem markanten Titel „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen“ veröffentlicht haben. Ungewöhnlich für ein regionalgeschichtliches Buch: Inzwischen liegt es in der fünften Auflage vor, ist weiter im Buchhandel erhältlich und hat sich inzwischen mehr als 14000 Mal verkauft. Jetzt haben die beiden Experten zur Regionalgeschichte gemeinsam mit dem Fotografen und Layouter Martin Skibicki und dem Maler Georg Strodt sowie zahlreichen Ko-Autoren mit dem Bildband „Heuerhäuser im Wandel. Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus“ ihr zweites Buch zu diesem Thema vorgelegt haben.

11.000 Kilometer zurückgelegt

Knapp zwei Jahre haben die Autoren daran gearbeitet. „Rund 11.000 Kilometer haben wir in dieser Zeit zurückgelegt, um die ungefähr 90 im Buch vorgestellten Heuerhäuser und deren heutige Bewohner zu besuchen. Großzügig wurden uns dabei die Türen geöffnet und interessante Geschichten erzählt“, berichtete Robben, der bis zu seiner Pensionierung die Grundschule in Lingen-Bramsche geleitet hatte, bei der Buchpräsentation im Saal Klaas-Schaper in Lingen vor rund 200 Gästen, darunter viele Autoren und Besitzer von Heuerhäusern.

Viele interessante Menschen getroffen

„Wir können heute sagen, es hat sich gelohnt. Die Geschichten der Häuser waren ebenso interessant, wie die Berichte der heutigen Besitzer“, fasste Robben die Arbeit der vergangenen zwei Jahre zusammen. Auf viele der oft in Alleinlage liegenden Häuser ist er bei seinen mittlerweile knapp 100 Vorträgen zum Thema Heuerlingswesen aufmerksam geworden: „Schlösser, Burgen und große Höfe sind häufig gut dokumentiert worden, aber nicht die einfachen Häuser der armen ländlichen Bevölkerung.“

90 Heuerhäuser vorgestellt

Mit beeindruckenden neuen und teils auch historischen Aufnahmen sowie kleinen erläuternden Texten und so einigen „Dönkes“ werden die mit viel Eigeninitiative und Engagement sanierten Häuser aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, dem Osnabrücker, Cloppenburger und dem Münsterland bis hin zu Oldenburg und Ostwestfalen-Lippe vorgestellt. Jüngere Wissenschaftler und Fachleute ergänzen das Buch mit knapp gehaltenen Aufsätzen zur Baukultur, zum beschwerlichen Leben der Heuerlinge, zu rechtlichen Fragen der zumeist im Außenbereich stehenden Häuser bis hin zu Fragen des Denkmalschutzes.

Ab sofort im Buchhandel

„Diesem Buch merkt man an, dass sie in unserer Region das lebendige Lexikon des Heuerlingswesens sind. Es ist ihnen ein grundlegendes Anliegen, diese Geschichte ins Bewusstsein der heutigen Bevölkerung zu verankern“, lobte der emsländische Ehrenlandrat Hermann Bröring in seiner Eigenschaft als Präsident der Emsländischen Landschaft das ab sofort im Handel befindliche Werk.


Das Heuerlingswesen

Heuerleute waren selbstständige Landwirte, die aber weder eine eigene Wohnung noch Land besaßen, sondern diese von Bauern im Gegenzug für eine unentgeltliche Arbeitsverpflichtung sowie in Form von Naturalien gestellt bekamen. Im ausgehenden Mittelalter tauchten die Heuerlinge als neue soziale Schicht vor allem im nordwestdeutschen Raum auf.

Die Heuerstellen mit den meist sehr einfach gebauten Häusern lagen meist in direkter Umgebung des Bauernhofes, die Hofbesitzer sicherten sich durch Abtreten kleiner Heuerstellen günstige Mitarbeiter. Heuerlinge waren auch keine vollberechtigten Mitglieder der Bauernschaft, sie besaßen kein Stimmrecht und brauchten keine Kirchenbeiträge zu bezahlen. Da die kleinen Anwesen die meist vielköpfigen Familien kaum oder gar nicht ernähren konnten, verdingten sich viele männliche Mitglieder der Heuerlingsfamilien als Saisonarbeiter in den Niederlanden (sogenannte „Hollandgänger“) oder als wandernde Kleinkaufleute („Tödden“).

Aufgrund der Modernisierung der Landwirtschaft und der fortschreitenden Industrialisierung verschwand das Heuerlingswesen zu Beginn der 1960er-Jahre innerhalb kürzester Zeit vollständig. Viele der sehr einfach gebauten Häuser verfielen schnell. vb

Das Buch „Heuerhäuser im Wandel“ ist für 29,90 Euro ab sofort im Buchhandel sowie den Geschäftsstellen der Lingener und der Meppener Tagespost sowie der Ems-Zeitung in Papenburg erhältlich (ISBN 978-3981839326). „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ liegt weiter in fünfter Auflage für 24,90 Euro vor (ISBN 978-3981839319).

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