Kirchenkabarett in Lingen Abgründiges in Kirche und Politik mit Okko Herlyn

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Kabarett mit Okko Herlyn in der reformierten Kirche Lingen. Foto: Susanne KuhlandKabarett mit Okko Herlyn in der reformierten Kirche Lingen. Foto: Susanne Kuhland

Lingen. Kabarett in der Kirche? Wird damit die Kirche nicht entweiht? fragte Peter Fritz, Mitglied des Kirchenrates der reformierten Gemeinde in Lingen, als er das Publikum am Samstagabend zum Kabarett mit Okko Herlyn in der reformierten Kirche Lingen begrüßte. Nein, nichts wird entweiht. Denn die Reformierten weihen gar nichts. Und lachen auch über sich selbst. Und damit konnte das Kabarettprogramm „Hier stehe ich, ich kann auch anders.“ beginnen.

Okko Herlyn, früher Pfarrer in Duisburg, dann Professor für Theologie in Bochum, führte sein Publikum über zwei Stunden zu Kuriosem und Abgründigen in Kirche, Politik und Gesellschaft mit Sketchen und Liedern. Im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation hatte er auch einiges zu Martin Luther und Johannes Calvin zu sagen. Was es zum Reformationsgedenken nicht alles gäbe, Lutherfeten, Luthersocken, Lutherweingummi, Lutherbadeente, Angebote zur Selbstgeißelung. Und das alles wegen ein paar rostiger Nägel in einer Kirchentür.

Erfahrungen mit Lingenern

Mit den Lingenern habe er auch seine Erfahrungen gemacht. Die würden bereitwillig Auskunft geben, wenn ein Fremder nach dem Weg fragt. Der wüsste dann, wo früher die Heißmangel war und wo Osterholz sein Wohnwagen abstellt. Aber wie er zur Kirchstraße käme, wüsste er immer noch nicht.

Kein Kommandoton mehr

Herlyn begutachtete auch die Regieanweisungen im evangelischen Gottesdienst. Der Kommandoton früherer Jahre sei verschwunden. „Wir beten!“ gebe es nicht mehr. Stattdessen gehe es sanfter zu. „Stehen Sie bitte auf, sofern Sie sich seelisch, körperlich, wirtschaftlich, mental und nervlich dazu in der Lage fühlen.“

Müll oder Sportschau?

Auch Theologisches kam beim Kabarettisten und Professor vor. Zum Beispiel die evangelische Prädestinationslehre, die besagt, dass alles, was wir tun und was uns geschieht, nach einem himmlischen Masterplan vorherbestimmt sei. Das sei praktisch, besonders für Ehemänner. Wenn die Frau sagt, er soll den Müll rausbringen, könne er kontern, ihm sei jetzt vorherbestimmt, die Sportschau zu Ende zu gucken.

Thema Reißverschluss im Gottesdienst

Auch der Bedeutung des Reißverschlusses in einem Familiengottesdienst wurde bedacht. Der Pastor käme mit den Kindern Shakira Antoinette, Melvin Bartholomäus und Nora Fabienne so schön über dieses Kleidungsteil ins Gespräch, dass es Seiten zusammenhalte und auch trenne. Und manchmal klemme er auch, meinte Frau Klosterkötter. Ja, meinte der Pastor, wie der Glaube.

Wo sind die Kriege?

Schließlich fragte Herlyn, wo denn die Kriege geblieben seien. In der Schule habe er so viele Kriege lernen müssen, vom Punischen Krieg bis zum Zweiten Weltkrieg. Und heute gäbe es nur „waffenunterstützende Entwicklungshilfe mit Kollateralschäden“ in den Ländern wie Afghanistan, Mali, Gaza und Somalia. Er hätte das Wort „Krieg“ gerne wieder, das im Plauderton der Zeit entsorgt worden sei, weil es korrekt den Sachverhalt benenne.

Halbschaumkugeln mit Migrationshintergrund

Zum Schluss stellte sich der Kabarettist vor, er käme in den Himmel und könne Gott erzählen, für was er alles im Leben Verständnis gehabt hätte. Bei ihm hätte es nie Negerküsse gegeben, sondern Halbschaumkugeln mit Migrationshintergrund. Er verstehe den emsländischen Männerkochverein, der Kochen als Zeichen des zivilen Ungehorsams verstehe, er verstehe den Workshop „Beten mit Legosteinen“, er verstehe so viel und könnte Gott so viel aufzählen, bis Gott eingeschlafen sei.

Das Publikum war nach zwei Stunden aber nicht eingeschlafen und dankte dem Kabarettisten Okko Herlyn mit viel Applaus.


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