Feier in Lingen Betreuungsvereine SKM und SKF seit 25 Jahren nah an Betroffenen

Von Thomas Pertz


Lingen. Mit einer Feier im Freiwilligenzentrum in Lingen aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Betreuungsvereine beim SKM und SKF haben die beiden Einrichtungen an die Einführung des Betreuungsrechts im Jahr 1992 erinnert.

Viel Lob gab es für die Arbeit, die Haupt- und Ehrenamtliche für Menschen leisten, die ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können. Die neue Gesetzgebung galt 1992 als „Jahrhundertreform“. Sie löste das „Recht auf Vormundschaft und der Gebrechlichkeitspflegschaft für Erwachsene“ ab, schaffte die Entmündigung aus früheren Zeiten ab und stärkte die Rechte und die Selbstbestimmung der Betroffenen.

Jahrzehntelanges Engagement

In der Feierstunde dankten SKF-Geschäftsführerin Marita Theilen und SKM-Geschäftsführer Hermann-Josef Schmeinck allen haupt- und ehrenamtlichen Aktiven in der Betreuung für ihr mitunter jahrzehntelanges Engagement. Beide Betreuungsvereine könnten stolz auf das Erreichte sein, unterstrich Theilen.

413 Betreuungen im vergangenen Jahr

Die Komplexität der Aufgaben – von der Sorge für die Gesundheit über Rechts- Antrags- und Behördenangelegenheiten bis hin zur Vermögensverwaltung – beschrieben Michael Grundke und Katharina Freckmann, beide hauptamtliche Betreuer beim SKM und SKF. Der SKM führte im vergangenen Jahr 248 Betreuungen durch, 165 waren es beim SKF. Die Mehrzahl der Betreuten lebt in der eigenen Wohnung. Zu den Hauptursachen zählen psychische Erkrankungen. Beim SKM ist der Anteil der Suchterkrankten mit 35 Prozent stärker vertreten als beim SKF (neun Prozent). Weitere Gründe sind geistige und körperliche Handicaps, Erkrankungen des Nervensystems und Demenz.

Pauschale seit 2005 unverändert

Grundke und Freckmann verwiesen in ihrem Rückblick auf verschiedene gesetzliche Veränderungen im Laufe der Jahre, auf die sich die Betreuungsvereine einzustellen hätten, auf deutlich aufwendigere Fälle und einen Trend, der auf eine zunehmende Betreuung in den eigenen vier Wänden des Betroffenen verweise. Die Zahl der Aufenthalte in Einrichtungen sinke.

Pauschale seit 2005 unverändert

Großes Thema in den Betreuungsvereinen ist nach wie vor die Vergütung. Die Pauschale für Berufsbetreuer liegt seit 2005 – es gibt drei Vergütungsstufen – unverändert bei maximal 44 Euro die Stunde. Gleichzeitig sind aber die Löhne und Gehälter zwischen 2005 und 2015 um 18 Prozent gestiegen.

„Da sein, den Menschen am Rand in die Mitte nehmen, Schutz bieten und Kraft geben“: Die Aufgaben der Betreuung entsprechen den Leitbildern von SKM und SKF, wie Schmeinck und Theilen betonten. Fortbildungen, in denen die Ehrenamtlichen mit eingebunden sind, sowie die Vernetzung mit anderen Partnern wie der Landesarbeitsgemeinschaft für Wohlfahrtspflege tragen nach ihren Angaben zur Stärkung der Arbeit bei.

„Gesellschaft des langen Lebens“

Kreissozialdezernentin Sigrid Kraujuttis hob in ihrer Rede hervor, dass über den Kopf des Betroffenen hinweg nichts bestimmt werden dürfe: „Das ist gut so, stellt aber die Gesellschaft vor große Herausforderungen.“ Es gelte, einen klaren Blick für die Wahrung der Eigenständigkeit und des Selbstbestimmungsrechts des Menschen zu bewahren. Hier leisteten die Haupt- und Ehrenamtlichen in den Betreuungsvereinen enorm viel Arbeit, zollte Kraujuttis dem SKM und SKF Respekt. Der Landkreis unterstütze die Arbeit der insgesamt fünf Betreuungsvereine im Emsland mit 270.000 Euro, die Zusammenarbeit mit den Vereinen sei konstruktiv und unkompliziert.

Auch die Vertreterin des Landkreises sprach sich „für eine dringend notwendige Erhöhung der Vergütungspauschale aus“. Sie sei erforderlich vor dem Hintergrund einer „Gesellschaft des langen Lebens“, die auf Entwicklungen wie vermehrte demenzielle und auch psychische Erkrankungen reagieren müsse.

Mehr aus Lingen lesen Sie in unserem Ortsportal.