Insolvenzverfahren beendet Neustart bei Hagedorn: 100 Arbeitsplätze in Lingen gesichert

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Im Unternehmen Hagedorn in Lingen-Schepsdorf arbeiten rund 100 Beschäftigte. Foto: Ludger JungeblutIm Unternehmen Hagedorn in Lingen-Schepsdorf arbeiten rund 100 Beschäftigte. Foto: Ludger Jungeblut

Lingen. Das seit fünf Jahren laufende Insolvenzverfahren für die Hagedorn-Gruppe ist erfolgreich beendet worden. Die rund 100 Arbeitsplätze am Produktionsstandort Lingen bleiben erhalten. Dies teilte der Insolvenzverwalter am Mittwoch mit.

Am 22. Mai 2012 hatten die Hagedorn AG sowie die Tochtergesellschaften Hagedorn-NC GmbH, Hagedorn-Plastic GmbH, die Hagedorn-Wohnungsgesellschaft mbH und der Unterstützungsverein Hagedorn Aktiengesellschaft einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Davon waren insgesamt rund 134 der 250 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe betroffen. Für alle insolventen Gesellschaften wurde der Bad Iburger Insolvenzanwalt Stephan Michels vom Gericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Hintergrund des Insolvenzantrags waren nach Unternehmensangaben gescheiterte Verhandlungen über eine Verlängerung bestehender Kreditlinien. 24 Beschäftigte aus Lingen hatten damals als eine der ersten Sanierungsmaßnahmen ihre Kündigung bekommen. Die Hagedorn AG hat in Osnabrück an der Lotter Straße zwar ihren Stammsitz, die Produktion ist aber in den vergangenen Jahren nach Lingen verlagert worden. Dort gibt es Fertigungsanlagen für Kunststoffe und Nitrozellulose zur weiteren Verwendung in der Farb- und Lackindustrie.

Die Gläubigerversammlung hatte den weiteren Angaben zufolge den vom Insolvenzverwalter vorgelegten Insolvenzplänen bereits im Sommer 2016 zugestimmt. Nach der Überwindung von weiteren rechtlichen Hürden und Widerständen sei nun der Erhalt des Traditionsunternehmens mit knapp über 100 Arbeitsplätzen gesichert, die meisten davon in Lingen.

„Gemeinsam mit der neuen Geschäftsführung haben wir viereinhalb Jahren lang zukunftssichernde Restrukturierungs- und Sanierungsschritte umgesetzt“, so Rechtsanwalt Michels. Die Zerschlagung des Unternehmens sei verhindert worden. Eine Neufinanzierung über ein Kreditinstitut und der unermüdliche Einsatz von Mitarbeitern und Mitarbeitervertretungen seien mitentscheidend für den herausragenden Erfolg der Sanierung gewesen, hieß es weiter.

„Die Hagedorn-Gruppe hat nun bessere Chancen denn je, sich auch langfristig erfolgreich am Markt zu positionieren“, ergänzte Vorstand Gerd Hofmann.

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Hagedorn im Lingener Ortsteil Schepsdorf ist vielen Lingenern in erster Linie aufgrund von zwei Ereignissen im Gedächtnis: Sowohl in der Nacht zum Montag, 14. August 1995, als auch am Dienstagnachmittag, 11. Juni 1996, führten Brände vor allem im Lager und im Kunststoff verarbeitenden Bereich des Unternehmens zu Großeinsätzen für die Feuerwehren in der Region.

1995 waren 180 Feuerwehrmänner im Einsatz, die ein Übergreifen des Feuers vom Nitrozellulose-Lager auf den chemischen Teil der Fa-brik verhindern konnten. Dabei gab es keine Verletzten, der Sachschaden wurde seinerzeit auf rund acht Millionen D-Mark geschätzt. Nur ein Jahr später wurde beim Großbrand ebenfalls das aus rund 5000 Fässern bestehende Nitrozelluloselager vernichtet. Der Schaden wurde auf mindestens drei Millionen D-Mark geschätzt.

In den Jahren 2008 und 2009 geriet die Firma erneut in die Schlagzeilen. Ihre Absicht, im erweiterten Logistikzentrum der BP-Raffinerie einen neuen Betrieb zur Kunststoffproduktion zu errichten, schlug in Lingen hohe Wellen. Bei der Fläche, die Hagedorn im Logistikzentrum erwerben wollte, soll es sich um ein etwa sieben Hektar großes Areal gehandelt haben. Als Baubeginn hatte das Unternehmen den Sommer 2009 ins Auge gefasst.

Zum Vertragsabschluss ist es aber nie gekommen, wohl aber zur Rodung eines Teils des Altenlingener Waldes – ein Thema, das die „Bürgerinitiative Pro Altenlingener Forst“ auf den Plan rief und viele Jahre lang für Diskussionsstoff in Lingen sorgte. „Der emotionale Klebstoff des Protestes, wenn ich das so sagen darf, war meines Erachtens das Wort Hagedorn“, hatte der damalige Oberbürgermeister Heiner Pott am5. März 2009 in einem Interview mit unserer Zeitung betont.

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