Ablenkung auch durch Handy Mehr als 300 Radfahrer im südlichen Emsland in Unfälle verwickelt

Beim Radfahren sollten sich die Hände stets am Lenkrad befinden. Die Benutzung des Handys kann nicht nur gefährlich, sondern auch teuer werden. Foto: Jessica LehbrinkBeim Radfahren sollten sich die Hände stets am Lenkrad befinden. Die Benutzung des Handys kann nicht nur gefährlich, sondern auch teuer werden. Foto: Jessica Lehbrink

Lingen. Wer denkt, dass lediglich die Handynutzung am Steuer eines Autos Konsequenzen hat, der irrt. Auch die Bedienung des Mobiltelefons auf dem Fahrrad kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen – und wird zudem mit einem Bußgeld bestraft.

Laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) musste die Polizei in Deutschland im Jahr 2016 täglich insgesamt rund 7000 Unfälle aufnehmen. Alle 22 Stunden verlor ein Fahrradfahrer dabei sein Leben. Markante Zahlen gibt es auch für die Region: Allein im Zeitraum von Januar 2016 bis September 2017 verzeichnete die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim 319 Fahrradfahrer, die an Verkehrsunfällen im südlichen Emsland beteiligt waren. In der Grafschaft Bentheim waren es noch 109 Fahrradfahrer mehr. 200 dieser 747 Unfälle in der Grafschaft und im südlichen Emsland wurden durch Fehler der Radfahrer herbeigeführt. Eine Ursache: Ablenkungen im Straßenverkehr.

Nur eine Hand am Lenker

Ein Blick auf das Handy ist eine diese Ablenkungen, berichtet Polizeihauptkommissar Klaus Wermeling. Er ist unter anderem für die Koordination der Verkehrsprävention zuständig. „Wenn man das Handy am Fahrrad nutzt, bedeutet das, dass man auch nur eine Hand am Lenkrad hat. So kann zum Beispiel auch nur eine Bremse betätigt werden“, erklärt Wermeling. In Bruchteilen von Sekunden kann es zu einem Verkehrsunfall kommen – dann fehlt die Hand an der zweiten Bremse.

Lautes Musikhören ebenfalls ein Verstoß

Mit der Benutzung des Handys während des Radfahrens ist jedoch nicht nur das Telefonieren gemeint. Das Tippen einer Nachricht oder das generelle Bedienen des Bildschirmes zählen genauso als Verstoß. „Die Gefahr, einen Unfall zu verursachen, ist beim Verfassen einer Nachricht für den Fahrzeugführer nochmals immens höher, als beim Telefonieren“, betont Wermeling. Dabei sollte man sich von dem Begriff Fahrzeugführer nicht in die Irre führen lassen, denn auch ein Fahrradfahrer wird im Straßenverkehr als solcher bezeichnet.

Jeder zehnte Unfall entsteht durch Ablenkung

Jeder zehnte Unfall ist auf Ablenkung im Straßenverkehr zurückzuführen, heißt es auf der Internetseite zur Kampagne „Runter vom Gas“ des DVR. Dazu zählt beispielsweise das Essen und Trinken während der Autofahrt: Wer am Steuer genüsslich in ein Brötchen beißt, ist in diesem Moment in etwa so verkehrstüchtig wie jemand, der einen Blutalkoholwert von 1,5 Promille aufweist. Beim Texten einer Nachricht steigt die Ablenkung um ein Vielfaches – auch auf dem Rad.

Zu laut

Ebenfalls eine Gefährdung stellt das zu laute Hören von Musik dar. „Zu laut“ heißt: Der Fahrzeugführer ist nicht mehr in der Lage, Umweltgeräusche zu hören, beispielsweise das Martinshorn eines herannahenden Rettungsfahrzeuges, erklärt Wermeling.

Für das Texten vom Fahrrad steigen

Wie viele der registrierten Unfälle auf die Benutzung eines Handys, sowohl auf dem Fahrrad, als auch am Steuer eines Autos, zurückzuführen sind, erfasst die Polizeistatistik im Einzelnen nicht; diese Fälle werden unter Ablenkungen im Straßenverkehr eingeordnet. Dennoch ist Wermelings Appell eindeutig: „Der rücksichtsvolle Umgang im Verkehr garantiert uns eine unfallfreie Fahrt. Das Texten ist die größte Ablenkung im Straßenverkehr, weshalb man für das Schreiben einer Nachricht immer vom Fahrrad absteigen sollte.“


Bußgelder für Fahrradfahrer

Verstöße von Fahrradfahrern werden laut Bußgeldkatalog unterteilt: in allgemeine Bußgelder, den Tatbestand mit Behinderung oder Gefährdung sowie den Tatbestand mit Unfallfolge. 25 Euro werden für die allgemeine Benutzung des Handys während des Radfahrens fällig. 15 Euro sind es, wenn eine Gefährdung durch zu lautes Hören von Musik entstanden ist. Doch auch andere Missachtungen werden mit einem Bußgeld geahndet. Teuer wird es beim Überfahren einer roten Ampel: Bei Missachtung der roten Ampel mit Unfallfolge werden 120 Euro fällig. Wird die Ampel überfahren, obwohl sie länger als eine Sekunde rot leuchtete und es entsteht dadurch ein Unfall, müssen sogar 180 Euro gelöhnt werden.

Mehr Informationen zu Verstößen und Bußgeldern für Fahrradfahrer gibt es unter anderem unter www.bussgeld-info.de oder auf der Internetseite des Fahrradclubs ADFC, www.adfc.de

Welche weiteren Ablenkungen im Verkehr gängig sind und welche Konsequenzen sie mit sich bringen, kann außerdem unter www.runtervomgas.de eingesehen werden.

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