Forderung: sofort abschalten Anti-Atom-Demo in Lingen verläuft friedlich

Von Wilfried Roggendorf


wrog Lingen. Rund 350 Atomkraftgegner haben am Samstag , 9. September 2017, in Lingen friedlich gegen die weitere Nutzung der Kernenergie demonstriert.

Die Demonstranten forderten einen kompletten und sofortigen Atomausstieg. Dazu gehört für die Atomkraftgegner auch die Schließung der Urananreicherungsanlage in Gronau und der Brennelementefabrik in Lingen. Mehrere Redner bezeichneten Lingen als „Atomzentrum“. Ihnen ist neben dem Kernkraftwerk Emsland die Brennelementefabrik ANF des französischen Areva-Konzerns ein Dorn im Auge. Schon zu Beginn der Demonstration, die um 13 Uhr mit einer Kundgebung vor dem Lingener Bahnhof begann, wurde deutlich, warum: Die Atomkraftgegner kritisierten, dass in Lingen produzierte Brennelemente unter anderem an die „Pannenreaktoren“ Doel und Tihange in Belgien sowie die französischen Atomkraftwerke in Cattenom und Fessenheim geliefert werden.

Teilnehmer aus der Region und von weiter weg

Die Teilnehmer an der Veranstaltung kamen teils aus der Region, teils waren sie von weiter weg angereist. Marc Alexander, ein belgischer Umweltaktivist, erklärte: „Die Atommafia ist international, unser Widerstand ist es auch.“ Brigitte Hornstein von der Vereinigung internationaler Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges warnte vor den möglichen Folgen der Urananreicherung. „Die zivile Nutzung hat auch immer die Schattenseite der militärischen“, sagte die Medizinerin. Ähnlich argumentierten auch die weiteren Redner bei der Kundgebung vor dem Bahnhof und der Abschlussveranstaltung auf dem Lingener Marktplatz. Der nigrische Umweltschützer Almoustapha Alhacan, in dessen afrikanischem Heimatland Areva seit Jahrzehnten Uran im Tagebau abbaut, stellte fest: „Die beste Lösung wäre es, das Uran im Boden zu lassen.“

Ruhiger Nachmittag für die Polizei

Zu der Demonstration aufgerufen hatten unter anderem der Elternverein Restrisiko Emsland, der Arbeitskreis Umwelt aus Schüttorf und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU.) Udo Buchholz, Vorstandsmitglied des BBU, war mit dem Verlauf zufrieden. „Angesichts dessen, dass es heute Morgen noch stark geregnet hat, sind viele gekommen“, erklärte Buchholz. Das Ziel, ein Zeichen für die Politik zu setzen, hätten die Demonstranten erreicht. „Jetzt müssen wir warten, wie die Bundestagswahl ausgeht, mit der Umweltministerin sprechen und das Thema weiter am Kochen halten.“ Buchholz kündigte für Mittwoch, 13. September, wenn Bundeskanzlerin Merkel zu Besuch in Lingen ist, ab 16 Uhr eine Mahnwache auf dem Marktplatz als nächste Aktion der Atomkraftgegner an. Die Polizei sprach von einem ruhigen Nachmittag. „Und nach Veranstaltungsende gegen 16.45 Uhr erfolgte die Abreise der Demonstranten schnell und ohne Zwischenfälle“, erklärte Polizeisprecher Dennis Dickebohm.


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