Kandidat für Bundestag Prüllage sieht bei Grünen den Blick fürs Wesentliche

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Reinhard Prüllage aus Nordhorn kandidiert bei der Bundestagswahl für Bündnis 90/Die Grünen. Neben der Politik gehören auch Bücher und das Fotografieren zu seinen Leidenschaften. Foto: Thomas PertzReinhard Prüllage aus Nordhorn kandidiert bei der Bundestagswahl für Bündnis 90/Die Grünen. Neben der Politik gehören auch Bücher und das Fotografieren zu seinen Leidenschaften. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Reinhard Prüllage hat den Blick fürs Wesentliche, wenn er durch das Objektiv einer Kamera schaut. Der vielseitige Nordhorner ist ein leidenschaftlicher Fotodesigner. Den Blick fürs Wesentliche möchte sich der 64-Jährige aber auch in der Politik bewahren, wo er sich bei der Partei Bündnis 90/Die Grünen am besten aufgehoben fühlt. Das Wesentliche hier liegt für den Bundestagskandidaten auf der Hand: Die Erhaltung der Lebensgrundlagen auf der Erde, von der es nur diese eine gibt.

Geboren und aufgewachsen ist Prüllage in Bayern, was aus der Klangfarbe seiner Stimme unschwer herauszuhören ist. Nach dem Abitur begann er in Bamberg mit dem Studium der Diplom-Pädagogik. Beim Besuch eines Studienkollegen in Cloppenburg lernt er seine spätere Frau Maria kennen. „Ich wollte ohnehin mal den Norden Deutschlands kennenlernen und dem konservativen Bayern entfliehen“, schmunzelt Prüllage. Denn das Gegenteil von „konservativ“, das merkte Prüllage schnell, war auch die Grafschaft Bentheim nicht. Dorthin war das Ehepaar Anfang der 80er Jahre gezogen.

In die Politik mischte er sich dort aber erst einmal nicht ein. Der Pädagoge arbeitete in der Grafschaft zunächst in der Drogenberatung und seine Frau als Physiotherapeutin. Als sich 1988 Nachwuchs bei dem Ehepaar ankündigte, entschied er sich, zu Hause zu bleiben und Haushalt und Betreuung der Kinder zu übernehmen.

Zu Hause die Kinder betreut

Drei Jahre zuvor hatte Prüllage die Stelle in der Drogenberatung aufgegeben und ein Antiquariat gegründet. Der Handel mit alten Büchern, das Erlesen von Denkmustern und Denkstrukturen vergangener Jahrhunderte, das reizte ihn. Er eröffnete ein Ladenlokal in Nordhorn. Später als Hausmann war er zumeist an Wochenenden auf den Antik- und Flohmärkten in Deutschland unterwegs mit seinen gedruckten alten Schätzen.

Seine Schätze zu Hause kamen deshalb nicht zu kurz. Die Prüllages haben vier Kinder. „Ich habe das Leben mit ihnen bis zu deren Auszug genossen“, erzählt der Nordhorner. Die zwei Söhne und zwei Töchter hatten in ihm die feste, tägliche Bezugsperson. Beruflich nachgeeifert haben sie dem Pädagogen, Sozialwissenschaftler, Kunst- und Literaturfreund gleichwohl nicht. „Einer ist Chemieingenieur, drei sind Bauingenieure“, sagt Prüllage. Das führt durchaus zu kontroversen Diskussionen bei dem Bündnis-Grünen. „Euch kann ich nicht wählen, ihr wollt ja keine Straßen bauen“, meinte kürzlich ein Sohn zu ihm.

Schon als Schüler politisch intressiert

Politisch interessiert war Prüllage schon als Schüler und Student. „Eine gewisse linke Grundeinstellung hab‘ ich immer noch, wenn auch nicht mehr so extrem“, ordnet sich der Nordhorner selbst ein. Sein Vater war Arbeiter und die Mutter Hausfrau. Beide waren eher Sozialdemokraten. „Ich habe dann lange Zeit zähneknirschend SPD gewählt“, sagt Prüllage. Mit den Hartz-IV-Gesetzen in der Regierungszeit Schröder habe er sich dann endgültig von ihr verabschiedet.

„Irgendwann hab‘ ich mir dann gesagt: Du kannst nicht immer nur meckern, sondern musst auch selbst mal was tun“. Das Basisdemokratische bei den Grünen gefiel ihm. Ausschlaggebend für den Parteieintritt war Fukushima, die Reaktorkatastrophe nach dem Tsunami in Japan im März 2011. Den notwendigen Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz sieht Prüllage bei den Grünen gleichermaßen gewichtet. Der Nordhorner, der für die Grünen im Nordhorner Stadtrat aktiv ist, weiß, dass er auf seinem Listenplatz 16 nur theoretische Chancen beim Einzug in den Bundestag hat. Das hindert ihn aber nicht daran, mit vollem Einsatz für die Grünen „so viel wie möglich herauszuholen.“

„Juckepunkte“ im Wahlkreis

Und was sind seine „Juckepunkte“ im Wahlkreis? Die industrialisierte Landwirtschaft sei im Emsland und in der Grafschaft ein großes Problem, sagt er und nennt als Stichwort die Nitratbelastung des Grundwassers. Zweites Problem sei „Lingen mit seiner Atomstruktur“. Bis 2022 produziere das Kernkraftwerk noch jede Menge Atommüll, „von dem wir immer noch nicht wissen, wohin“. Das Kernkraftwerk werde für die Aufrechterhaltung der Stromversorgung nicht mehr gebraucht, begründet Prüllage seine Forderung nach einer sofortigen Abschaltung. Geschlossen werden müsse auch die Brennelementefabrik in Lingen. Wenn er sehe, welche maroden Reaktoren im Ausland aus Lingen beliefert würden, „dann kommt mir das Gruseln.“


Zur Person

Reinhard Prüllage wurde am 9. August 1953 in Altötting geboren und wuchs in Neuötting in Oberbayern auf. Der heute 64-Jährige studierte in Bamberg Di-plompädagogik.

Anfang der 80er Jahre zog er mit seiner Frau Maria in die Grafschaft Bentheim. Dort arbeitete er in der Drogenberatung. Als sich in der Familie Nachwuchs einstellte, entschied sich Prüllage, die Betreuung der Kinder zu Hause zu übernehmen. In dieser Zeit war er außerdem als Buchhändler tätig und später als Fotodesigner.

In den 90er Jahren absolvierte der Nordhorner ein Zusatzstudium der Kommunikationswissenschaften am Hochschulstandort in Lingen. Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen wurde Prüllage im Jahr 2011 – auch unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima. 2013 kandidierte er für die Grünen bei der Landtagswahl in Niedersachsen.

Prüllage ist Vorsitzender im Kreisverband der Grünen in der Grafschaft Bentheim und Mitglied der Partei im Nordhorner Stadtrat.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN