Angebot im Dekanat Emsland Süd Damit Kinder in der Trauer nicht allein bleiben

Von Elisabeth Tondera


to Lingen. Für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, die den Tod eines nahen Menschen verarbeiten müssen, startet am 21. September in der Kindertagesstätte Maria Königin in Lingen eine Trauergruppe. Es ist ein neues Angebot des Dekanats Emsland-Süd.

„Kinder bleiben mit ihrer Trauer oft allein. Für sie ist es ganz wichtig, dass sofort jemand da ist, der ihren Kummer versteht. Sie erleben dabei, dass sie nicht allein sind, dass es auch andere Kinder gibt, denen es genauso geht“, sagt Sabine Stowasser. Die pensionierte Ernährungsberaterin ist eine von neun Frauen, die unter der Leitung der Religionspädagoginnen und Trauerbegleiterinnen Alwine Röckener und Agnes Buschermöhle sich zur Verfügung gestellt haben, die Trauergruppe zu begleiten.

Die neun Ehrenamtlichen haben an einer 43 Unterrichtsstunden umfassenden Schulung teilgenommen. Dabei haben sie sich unter anderem mit dem Verhalten trauernder Kinder auseinandergesetzt. „Bei Kindern zeigt sich die Trauer nicht so offensichtlich wie bei Erwachsenen“, erklärt Alwine Röckener. Sie können von einem Moment auf den anderen ihre Gefühle wechseln: Mitten in einer fröhlichen Spielsituation können sie plötzlich in Tränen ausbrechen und genauso unvermittelt aus tiefer Traurigkeit wieder heraustreten.

Agnes Buschermöhle weist darauf hin, dass Erwachsene oft zu sehr mit ihrer Trauer beschäftigt seien, um angemessen auf die Kinder einzugehen. Hinzu kommt, dass sie die Kinder schützen wollen und daher das schmerzliche Thema vermeiden. „Uns ist bewusst geworden, wie wichtig Begrifflichkeiten sind“, stellt Sonja Herbers fest. „Wenn Erwachsene sagen: ‚Oma ist eingeschlafen‘, dann denken Kinder, sie wird doch wieder aufwachen. Oder sie bekommen Angst vor dem Einschlafen. Man muss deshalb das Thema behutsam, aber offen angehen“, sagt die Pfarrsekretärin.

Marion Kraußen ist pensionierte Kinderkrankenschwester und Hospizmitarbeiterin. Mit 18 Jahren verlor sie ihre Mutter, musste deren Rolle für ihre vier- und sieben Jahre alten Geschwister übernehmen und erinnert sich, dass sie mit dieser Situation völlig überfordert war. „Deshalb halte ich dieses Angebot für sehr wichtig und bin dankbar, dass die Trauergruppe gegründet wird“, sagt die

Röckener und Buschermöhle betonen, dass es sich bei der Gruppe um kein therapeutisches Angebot handelt. Gemeinsam mit den neun Ehrenamtlichen wollen sie die Kinder im Prozess des Trauerns begleiten und stärken. Dabei werden sie viel kreativ und spielerisch arbeiten. Sie bieten trauernden Kindern einen geschützten Raum, in dem sie ihnen ermöglichen, ihre Trauer so zu leben, wie sie es wollen und brauchen.

Auch Eltern und erwachsene Bezugspersonen können sich parallel in einer Gruppe mit anderen Betroffenen über ihre Situation austauschen.

„Ich bin sehr dankbar, dass wir dieses Angebot jetzt auf den Weg bringen“, sagt Dekanatsreferent Holger Berentzen, der für die Organisation des Projektes zuständig ist.

Bis April 2018 gibt es neun Treffen in der Kindertagesstätte Maria Königin, immer donnerstags von 17 bis 19 Uhr. Die Erwachsenen treffen sich im Pfarrzentrum. Das Angebot ist konfessionell unabhängig und kostenfrei.

Kontakt zur Trauergruppe für Kinder: Gemeindereferentin und Trauerbegleiterin Alwine Röckener für die Kinder-Trauergruppe (Büro: Tel. 0591/6106113, Privat: Tel. 05905/ 945292, E-Mail: a.roeckener@mk-stm.de)

Kontakt zur Gruppe der erwachsenen Bezugspersonen: Gemeindereferentin und Trauerbegleiterin Agnes Buschermöhle (Büro: Tel. 05963/ 940216, Privat: Tel. 05904/ 1472, E-Mail: buschermoehle@alexanderbote.de)


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