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07.08.2017, 17:30 Uhr KRITIK VON ANGEHÖRIGEN

Hilfen bei Inkontinenz: Zwischen Theorie und Praxis

Ein Kommentar von Thomas Pertz


Die Qualität einer Inkontinenz-Windel wird hier überprüft. Foto:Harry Melchert dpa/lsw |Die Qualität einer Inkontinenz-Windel wird hier überprüft. Foto:Harry Melchert dpa/lsw |

Lingen. Die Verärgerung der pflegenden Angehörigen von Schwerstbehinderten ist verständlich, meint der Kommentator.

Windeln sind etwas für Babys, Punkt. Und falsch. Wer nicht einer von zehn in Deutschland ist, der statistisch gesehen unter Inkontinenz leidet oder einen zu pflegenden Angehörigen mit dieser Diagnose hat, der hat auch wenig Grund dazu, sich besser zu informieren und näher mit dem Thema zu befassen.

Gaby Roelfes und Agnes Elsen tun dies seit der Geburt ihrer schwerst- und mehrfachbehinderten und inzwischen längst erwachsenen Kinder – liebevoll, ausdauernd –, aber auch mit zunehmender Verärgerung.

Wer will ihnen das verübeln? Ungläubig nehmen Außenstehende zur Kenntnis, dass in der Theorie und gesetzlichen Formulierung zwar bis ins Detail geregelt ist, von welcher Qualität eine Windel für Schwerstpflegebedürftige zu sein hat. Die Praxis aber halten die beiden Mütter täglich in Form von nasser Kleidung und Bettwäsche ihrer Kinder in den Händen. Das zerrt an den Nerven – nicht nur der Angehörigen zu Hause, sondern sicher auch bei den Fachkräften in den Pflegeeinrichtungen.

Die Zahl der Betroffenen ist groß, aber offenbar noch nicht groß genug, damit mehr passiert als bislang. Vielleicht liegt es auch daran, dass das mit viel Scham behaftete Thema lieber in den eigenen vier Wänden besprochen wird. Dann dringt es aber zu wenig nach draußen, in die Öffentlichkeit. Dort gehört es jedoch hin, denn treffen kann es jeden – zu jeder Zeit.


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