900 Produkte werden gestrichen GKV will Mängel wie nässende Windeln abstellen

Die Qualität einer Inkontinenz-Windel überprüft ein Mitarbeiter in diesem Unternehmen. Foto:Harry Melchert dpaDie Qualität einer Inkontinenz-Windel überprüft ein Mitarbeiter in diesem Unternehmen. Foto:Harry Melchert dpa

Lingen. Der GKV-Spitzenverband als die zentrale Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland will die Qualitätsanforderungen an aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel („Windeln“) im Hilfsmittelverzeichnis deutlich anheben. Darauf wies eine Sprecherin des Verbandes mit Sitz in Berlin am Montag auf Anfrage unserer Redaktion hin.

Produkte, die die neuen Anforderungen nicht erfüllen, werden nach Angaben des GKV, der alle 113 gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen vertritt, gestrichen.

Dies hatte der Vorstand des GKV, Gernot Kiefer, bereits im vergangenen Jahr angekündigt. In einer Mitteilung hatte der Verband auf „teilweise eklatante Mängel“ bei der Qualität der Produkte und der Services der Leistungserbringer hingewiesen. Nässende Windeln, unzureichende Versorgungsmengen, die Anlieferung in nicht neu-tralen Verpackungen und zudem noch teilweise hohe Aufzahlungen seien nur einige Stichwörter. Etwa 1,5 Millionen gesetzlich Versicherte werden nach seinen Angaben von der gesetzlichen Krankenversicherung regelmäßig mit aufsaugenden Inkontinenzhilfsmitteln (Windeln) versorgt.

Der Verband hatte ursprünglich vor, von den rund 2200 für diesen Bereich im Hilfsmittelverzeichnis aufgelisteten Produkten bis März dieses Jahres 600 zu streichen. Nun ist die Rede von 900 Produkten, die bis Ende August gestrichen werden sollen. Die Lieferfirmen sollten bis dahin den Nachweis erbringen, dass sie den Qualitätsanforderungen genügten, sagte die GKV-Sprecherin weiter. Diese Frist sei nun bis August verlängert worden. „Wenn sie den Test bestehen, bleiben sie in der Liste drin bzw. werden neu aufgenommen“, erklärte die Sprecherin. Es sei richtig, dass in den Pauschalen, die die Krankenkassen mit den Lieferfirmen von Hilfsmitteln wie Windeln vereinbaren würden, „Bewegung ist“. Diese dürften aber nicht zulasten der Qualität gehen. Versicherte sollten sich in solchen Fällen an ihre Krankenkassen vor Ort wenden.

Im Februar hat der Bundestag ein neues Gesetz zur Hilfsmittelversorgung verabschiedet. Danach haben Patienten künftig ein Recht auf bessere Qualität bei Hilfsmitteln wie Windeln, Kompressionsstrümpfen, Schuheinlagen, Prothesen, Hörgeräten oder Rollstühlen.


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