Treffen mit Abgeordneten KAB in Lingen fordert mehr Einsatz gegen Altersarmut

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KAB-Mitglieder debattierten in Lingen-Biene mit den Bundestagsabgeordneten Daniela De Ridder (SPD, sechste von links) und Albert Stegemann (rechts, CDU) über das Thema Altersarmut. Foto: Christiane AdamKAB-Mitglieder debattierten in Lingen-Biene mit den Bundestagsabgeordneten Daniela De Ridder (SPD, sechste von links) und Albert Stegemann (rechts, CDU) über das Thema Altersarmut. Foto: Christiane Adam

Lingen. Das Thema Altersarmut ist ein heißes Eisen. Die KAB (Katholische Arbeitnehmerbewegung) hat sich dem angenommen und den Bundestagsabgeordneten Daniela De Ridder (SPD) und Albert Stegemann (CDU) in Lingen-Biene ihr Rentenmodell vorgestellt. Im Anschluss daran wurde kontrovers über das Thema debattiert.

Zunächst stellte Paul Kater, KAB-Sekretär für das Emsland, die Grafschaft Bentheim und Bremen das Rentenmodell vor, das insgesamt fünf katholische Verbände miteinander entwickelt haben. Wesentlicher Bestandteil dieses Modells ist eine Sockelrente, die für jeden Menschen gleich sein soll. Ergänzt werden soll diese um die Arbeitnehmer-Pflichtversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einbezogen werden sollen. Zusätzlich werden betriebliche und private Altersvorsorge empfohlen.

„Unser Ziel ist die Stärkung des umlagefinanzierten, solidarischen und leistungsbezogenen Systems. Altersarmut soll durch die Sockelrente verhindert werden. Erziehungs- und Pflegezeiten müssen besser anerkannt werden“, führte Kater aus. „Keine Partei sieht bei der Rente keinen Handlungsbedarf, aber richtig anpacken tut das Thema auch keiner“, kritisierte er und leitete damit die Debatte zwischen den Bundestagsabgeordneten und den KAB-Mitgliedern ein.

Stegemann: Finanzierung nicht so einfach

„Knackpunkt dieses Systems ist, dass seine Finanzierung nicht so einfach ist, wie es zunächst klingt“, erläuterte Stegemann zu den Ausführungen. Um den Sockel zu finanzieren, müsse die Einkommenssteuer steigen bei gleichzeitiger Absenkung des Rentenbeitrags, da eine Finanzierung dieses für alle gleichen Anteils aus der Rentenkasse nicht verfassungskonform sei. Dies würde aber seiner Ansicht nach nicht ausreichend Geld einbringen. „Euer Modell ist deshalb interessant, weil es richtig ist, den Leuten eine Grundsicherung zu bieten. Es ist richtig, dass Leute im Alter nicht Harz IV beziehen sollten“, so de Ridders Reaktion auf das Modell.

KAB-Diözesan- und Bezirksvorsitzende Claudia Burrichter, die die Debatte moderierte, warf ein, dass insbesondere Frauen im Niedriglohnsektor tätig seien. Nicht alle Arbeitnehmer seien in der Lage, von ihrem Lohn genügend Geld in die Rentenkasse einzuzahlen.

De Ridder: Visionen fehlen

„In Zukunft werden uns etwa ein Drittel Beitragszahler fehlen“, verwies Stegemann auf sinkende Geburtenzahlen. Er machte andererseits auf die derzeitig gute Erwerbssituation aufmerksam, die es kürzlich sogar ermöglicht habe, den Rentenbeitragssatz zu senken. „Zudem können wir mit dem Bundeshaushalt dafür sorgen, dass das Rentenniveau nicht ganz so stark absackt“, machte er Mut.

Dass das Rententhema nicht nur ein Rechenexempel sei, war de Ridder sehr wichtig. „Mir fehlen da die Visionen“, warf sie ihrem Koalitionspartner vor.

Die KAB-Mitglieder hatten sich im Vorfeld mit den Wahlprogrammen der Parteien befasst. Ihnen gingen die Aussagen nicht weit genug. „Jemand, der 40 Jahre gearbeitet hat, muss davon im Alter anständig leben können. Die Aussage habe ich bislang nicht gehört“, bedauerte etwa Hermann Kaltwaßer. „Auch war die rückwärtige gesetzliche Schädigung von Lebensversicherungen nicht rechtmäßig“, meinte er. Weitere Punkte, in denen die Meinungen mehr oder weniger stark auseinandergingen, waren die Einwanderung von Fachkräften, Werksverträge, Kinderbetreuung für berufstätige Eltern und auch die eigenständige Alterssicherung der Frauen.

Kater versprach, der Frage nach der Verfassungskonformität der Sockelrente nachzugehen. „Unser Rentensystem enthält offenbar reichlich Zündstoff. Ich denke, bis zur Bundestagswahl werden es noch spannende Wochen“, ergänzte Burrichter.

Wer sich näher mit dem Rentenmodell der katholischen Verbände auseinandersetzen möchte, kann sich unter www.buendnis-sockelrente.de informieren.

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