Einzelhandelsumsätze stärken Oberbürgermeister Krone: Die Wirtschaft in Lingen boomt

Von Wilfried Roggendorf

Sie freuen sich über die Wirtschaftsdaten der Stadt Lingen: (von links) Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, Ludger Tieke, Oberbürgermeister Dieter Krone und der Vorsitzende des Wirtschafts- und Grundstücksausschusses der Stadt Lingen, Stefan Wittler (SPD). Foto: Wilfried RoggendorfSie freuen sich über die Wirtschaftsdaten der Stadt Lingen: (von links) Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, Ludger Tieke, Oberbürgermeister Dieter Krone und der Vorsitzende des Wirtschafts- und Grundstücksausschusses der Stadt Lingen, Stefan Wittler (SPD). Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. „Wirtschaft und Gewerbe in Lingen boomen“, hat Oberbürgermeister Dieter Krone jetzt bei der Vorstellung der Wirtschaftsstrukturdaten der Stadt festgestellt.

Krone präsentierte die Zahlen gemeinsam mit Ludger Tieke, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, sowie dem Vorsitzenden des Wirtschafts- und Grundstücksausschusses (WGA), Stefan Wittler von der SPD. Krone nannte als einen Grund für den Boom die Investitionen der gewerblichen Wirtschaft. Diese habe seit 2012 stets zwischen über 50 bis über 70 Millionen Euro jährlich gelegen. Für die Jahre 2017 und 2018 erwartet Krone sogar Investitionen von insgesamt rund 400 Millionen Euro. „Die BP-Raffinerie, das Krone-Testzentrum, Möbel Berning, Aldi und Rewe in Darme: Eine Menge Firmen bauen“, erklärte der Oberbürgermeister die im Vergleich zu den Vorjahren hohe Summe. „Dies ist eine erfreuliche Entwicklung, die dem Ausbau des Wirtschaftsstandortes Lingen dient“, sagte Krone. Die Zahl der Gewerbebetriebe sei von 2960 im Jahr 2006 auf 3568 im Jahr 2016 gestiegen.

Austausch mit Unternehmen pflegen

Um der Wirtschaft weitere Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten, habe die Stadt 2016 rund 16 Hektar an Flächen erworben. Darunter seien sowohl einzelne als auch größere zusammenhängende Flächen. Sieben Hektar Gewerbegrundstücke seien 2016 veräußert worden. Der Oberbürgermeister hob hervor, dass nicht nur verkaufen, sondern auch die Betreuung bestehender Betriebe, auch der kleineren, wichtig sei. Daher habe die Stadt das Format „Treffpunkt Wirtschaft“ entwickelt, bei dem Verwaltung und Politik in den Ortsteilen und den 31 Lingener Gewerbe- und Industriegebieten den Austausch mit den Unternehmen pflegen würden. „Dabei geht es dann auch schon einmal nur um eine neue Zufahrt oder Themen wie Breitbandausbau“, erläuterte Krone.

6759 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr

Tieke erklärte, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Lingen von 2006 (20.122) bis 2016 (26.881) um 6759 gestiegen sei. „Einen stetigen Zuwachs gibt es im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens“, sagte Tieke, der dies auf das Bonifatius-Hospital als größten Arbeitgeber der Stadt und die steigende Zahl an Pflegeangeboten zurückführte. In der öffentlichen Verwaltung sei die Zahl der Beschäftigten hingegen in den vergangenen Jahren konstant geblieben. „Wir müssen die Mehrarbeit mit dem gleichen Personal leisten“, erklärte Tieke. Die wirtschaftliche Entwicklung mache es notwendig, Fachkräfte von außerhalb nach Lingen zu holen. Dies spiegele sich auch in der Zahl der Ein- und Auspendler wieder. 2016 seien 14.285 Beschäftigte nach Lingen eingependelt (2006: 9784) und 7810 (2006: 5763) aus der Stadt heraus zur Arbeit gefahren.

Einzelhandelsrelevante Kaufkraft gestiegen

Entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung ist auch die einzelhandelsrelevante Kaufkraft in Lingen gestiegen. Darunter versteht man die Mittel, die ein Haushalt nach Abzug der Kosten für beispielsweise Wohnung oder Auto noch zur Verfügung hat. 2010 waren dies in Lingen 256,5 Millionen Euro. 2016 war diese Zahl um 38,5 auf 295 Millionen Euro gestiegen. Doch die Entwicklung des Umsatzes der Lingener Einzelhändler im gleichen Zeitraum stagniert bei leichten Schwankungen. 2010 lag er bei 334,1 Millionen Euro. 2016 waren es nur 300.000 Euro mehr.

Einzelhandel neu aufstellen

„Wir müssen den Einzelhandel neu aufstellen und die einzelhandelsrelevanten Umsätze steigern“, sagte Krone auf Nachfrage unserer Redaktion. Erste Schritte sieht der Oberbürgermeister in der Eröffnung von Rossmann an der Meppener Straße im November und dem geplanten Bau eines DM-Marktes bei BvL an der Lindenstraße. „Wir haben viele Einpendler, und die kaufen da ein, wo sie gut vorbeifahren können“, sagte Krone. In diesem Bereich herrsche in Lingen Nachholbedarf. Allerdings werde die Stadt in den nächsten Wochen einige neue Geschäfte in derzeit leerstehenden Ladenlokalen präsentieren, kündigte Krone an. WGA-Vorsitzender Wittler erklärte, man müsse froh sein, die Quote des einzelhandelsrelevanten Umsatzes überhaupt gehalten zu haben: „Den Verlust der Schlecker-Märkte haben wir nie kompensiert und viele Menschen bestellen Waren online.“

Forschungs- und Entwicklungsstandort

Krone richtete den Blick auch in die Zukunft: „Wir müssen Lingen vom Energiestandort zum Forschungs- und Entwicklungsstandort transformieren“, erklärte er. Die Energiewende bezeichnete der Oberbürgermeister als Chance: „Energie wird Thema für Lingen sein, wenn auch anders als bislang.“ Wichtig dabei sei auch die Kooperation mit der Hochschule. Das ziehe Unternehmen nach Lingen. „Wir dürfen nicht warten, bis was von alleine kommt“, erklärte der Oberbürgermeister.


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