Pro Biogasanlagen und Fauna Landwirte wollen Förderung für Wildpflanzen-Anbau im Emsland

Über die Bedeutung des Anbaus von Wildpflanzen für die Biomasseproduktion informierten (von rechts) Johann Högemann und Josef Schröer die Teilnehmer der Feldbegehung. Foto: Heinz KrüsselÜber die Bedeutung des Anbaus von Wildpflanzen für die Biomasseproduktion informierten (von rechts) Johann Högemann und Josef Schröer die Teilnehmer der Feldbegehung. Foto: Heinz Krüssel

Lingen. Die Versuche, heimische Wildpflanzen zur Biomasseproduktion für Biogasanlagen im südlichen Emsland anzubauen, haben viele positive Effekte gebracht. Profitiert haben nach Darstellung von Josef Schröer und Johann Högemann die Artenvielfalt und der Grundwasserschutz.

Nicht zuletzt würden Wege aufgezeigt, wie man sinnvoll und nachhaltig dem Problem der „Vermaisung“ einer ganzen Landschaft zumindest teilweise entgegenwirken könne, heißt es.

Feldbegehung

Bei einer Feldbegehung auf einer mit Wildpflanzen bestellten Fläche am Hof der Familie Schröer in Lingen-Mundersum informierten sich Landwirte ebenso wie Mitglieder des CDU-Ortsverbandes Bramsche und der CDU-Landtagskandidat Christian Fühner. „Wir werben für eine Unterstützung des Projektes durch die Politik“, machte Josef Schröer deutlich, dass das Vorhaben nur in größerem Stil erfolgreich sein könne, wenn die teilnehmenden Landwirte eine Förderung erfahren. Den Differenzbetrag zwischen dem Erlös von Mais- und Wildpflanzen für die Beschickung von Biogasanlagen bezifferte Schröer mit cirka 320 Euro pro Hektar. Die Förderung sei sinnvoll, weil die Natur davon profitiere. Man dürfe die Landwirte nicht allein auf den Kosten sitzen lassen. „Wenn man für die Artenvielfalt in der Feldflur etwas Sinnvolles machen will, geht es nicht ohne Förderung“, sagte Landwirt Josef Schröer, zugleich auch Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen. „Es muss sich für den Landwirt rechnen.“

Positiv auch aus Sicht der Jäger

Ausgesprochen erfreulich seien die Erfahrungen auch aus Sicht der Jäger. Das Wild finde in den mit zahlreichen mehrjährigen Wildpflanzen bestellten Flächen nahezu das ganze Jahr über Deckung und Futter. Lediglich für einen kurzen Zeitraum nach der Ernte im August müsse das Wild sich neue Aufenthaltsorte suchen. Die heimischen Wildpflanzen stellte Johann Högemann, Naturschutzbeauftragter der Jägerschaft Lingen vor. So seien neben Beifuß, Eibisch und Schwarzer Flockenblume auch Großer Alant, Rainfarn, Steinklee, Lichtnelke und Wilde Malve vertreten. Die längeren Blühzeiten und großen Blühflächen verbessern nach Aussage des Naturschutzfachmannes das Nahrungsangebot für Insekten. Somit finden auch Fasanen- und Rebhuhnküken Insekten, die sie in den ersten Lebenswochen zwingend benötigen.

Högemann machte den Erfolg deutlich. „Mittels diverser Wildkameras haben wir sieben Fasanengesperre bestätigt. Bei der Treibjagd wurden rund 60 Fasane auf einer Fläche von rund fünf Hektar gezählt. Auf eine Bejagung wurde dabei ausdrücklich verzichtet.“

Wenn er um die Mittagszeit in der Fläche stehe, höre er außer dem Summen der Insekten nichts mehr, wies Josef Schröer auf einen weiteren wichtigen Faktor hin. Die Bienen könnten hier über mehrere Monate Nektar sammeln. Die große Anzahl an Insekten locke auch viele Vögel an. Zudem würden die Vögel im Herbst und Winter ein großes Nahrungsangebot in Form von Samen vorfinden.

Vorreiter

Josef Schröer gilt als einer der Vorreiter beim Anbau von Wildpflanzen für die Biomasseproduktion in der Region. Seit 2013 hat er sich den Akteuren aus Jagd, Naturschutz, Bienenhaltung und Energiewirtschaft im „Netzwerk Lebensraum Feldflur“ angeschlossen. „Meine Erfahrungen sind in jeder Beziehung positiv“, meinte Schröer. Beispielhaft ging er auf die Stickstoffverwertung ein. Diese sei sehr gut, obwohl ganz normal gedüngt werde. Auf mineralische Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel könne weitestgehend verzichtet werden. Der Grundwasserschutz sei in dem Zusammenhang ein wichtiger Aspekt. Es bedürfe wissenschaftlicher Untersuchungen, um hier konkrete und belastbare Werte nennen zu können. Die oftmals geäußerten Bedenken, dass es auf den mit Wildpflanzen bestellten Äckern viel Unkraut gebe, konnte Josef Schröer an einem praktischen Beispiel widerlegen. Eine über vier Jahre mit Wildpflanzen bestellte Fläche war im Frühjahr umgebrochen und Mais gesät worden. Dieser Mais entwickelt sich genauso wie auf den benachbarten Äckern. Nach Auskunft von Johann Högemann werden gegenwärtig 27 Hektar mit Wildpflanzen für die Biomasseproduktion bestellt, auf denen auch der Nitrat-Aspekt beobachtet wird. Zudem würden rund 20 Hektar im Rahmen der Aktion „Netzwerk Lebensraum Feldflur“ mit Wildpflanzen bestellt.

„Praktische Erfahrungen anerkennen“

Die Teilnehmer der Exkursion in die Feldflur zeigten sich beeindruckt vom Engagement der Landwirte, Jäger und Imker. Wünschenswert wäre es, wenn viel mehr Äcker unter diesen Gesichtspunkten bestellt würden, hieß es.


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