Bei Therapieabbruch 23 Monate Haft Drogenverkäufer aus Lingen gesteht vor Gericht

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Auch ein 13-Jähriger durfte mitkiffen in der Wohnung eines 36-jährigen Lingeners, der nun wegen Drogenverkaufs verurteilt wurde. Foto: dpaAuch ein 13-Jähriger durfte mitkiffen in der Wohnung eines 36-jährigen Lingeners, der nun wegen Drogenverkaufs verurteilt wurde. Foto: dpa

Osnabrück. Sein Geständnis hat einen wegen des Verkaufs von Drogen Angeklagten aus Lingen womöglich vor einer längeren Haftstrafe verschont. Der 36-jährige, mehrfach vorbestrafte Mann wurde in einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Osnabrück zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Der Angeklagte hatte in der Berufungsverhandlung zuerst noch gezögert, die ihm vorgeworfenen Straftaten einzuräumen. Der Anklage zufolge soll er im September 2015 in seiner Lingener Wohnung an einen Mann ein Gramm Marihuana verkauft haben. Rechtlich schwerwiegender als der Verkauf war, dass der Angeklagte in dieser Situation zugelassen hatte, dass ein ebenfalls in der Wohnung anwesender 13-jähriger Jugendlicher an einem Joint gezogen hatte, der die Runde machte. Allein dafür hatte das Amtsgericht Lingen in der Erstverhandlung im März dieses Jahres 13 Monate Haft verhängt.

Viele Vorstrafen

Die weiterhin vorgeworfenen Taten, der zweimalige Verkauf von jeweils einem Gramm Marihuana an zwei junge Frauen und der Fund einer kleinen Menge Marihuanas und Marihuanagemischs während einer Wohnungsdurchsuchung durch die Polizei bei ihm hatte das Amtsgericht zu einer Gesamtstrafe von 18 Monaten kommen lassen. Wegen der erheblichen Vorstrafenlage des Angeklagten von 20 Eintragungen war die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt worden.

Richter gibt drei Optionen

Das würde auch in der Berufungsverhandlung nicht geschehen, so viel ließ der Vorsitzende der 7. Kleinen Strafkammer am Landgericht gleich zu Beginn durchblicken. Denn es war nicht allein die Latte an Vorstrafen, sondern die Tatsache, dass die aktuell verhandelten Taten unter zweifacher Bewährung verübt worden waren. „Sie haben jetzt drei Möglichkeiten. Erstens: Sie sagen, die Vorwürfe aus der Anklage treffen nicht zu, dann werden wir vertagen und Zeugen laden. Zweitens: Die Kammer lotet eine geringere Strafzumessung aus, was aber nie zu einer Aussetzung zur Bewährung führen würde. Die dritte wäre, die Vorwürfe einzuräumen. Dann käme in Betracht, eine geringere Haftdauer zu verhängen, wodurch es möglich werden würde, anstelle in Haft sich freiwillig in eine Drogentherapie zu begeben“, zeigte der Vorsitzende dem Angeklagten in einer längeren Rede auf.

Geständnis nach Beratung

Nach Beratung mit seinem Anwalt zog der 36-Jährige die dritte Karte und gestand die ihm zur Last gelegten Taten. Am Ende verkürzte die Kammer die Haftdauer auf zwölf Monate. Zusammen mit den neun und zwei Monaten Haft aus früheren Verurteilungen, wegen derer er bei Tatbegehung unter Bewährung gestanden hatte, wurde die vom Gesetz her festgelegte Höchstdauer von zwei Jahren, bis zu der eine Strafe zugunsten einer Therapie ausgesetzt werden kann, nicht überschritten. Bricht der Angeklagte die Therapie dann jedoch aus eigenen Stücken ab, wird er die kompletten 23 Monate absitzen müssen.

Das Urteil ist rechtskräftig.


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