Nach 15 Monaten Landkreis fordert Betreuungskonzept für Lingenerin Lia an

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Diana Klenner, Leiterin des Hortes Trinitatis, und Udo Kösters, Leiter der Matthias-Claudius-Grundschule, sind überzeugt davon, dass die Hortbetreuung der geistig behinderten siebenjährigen Lingenerin Lia Salomon unerlässlich für ihre schulische Ausbildung ist. Foto: Wilfried RoggendorfDiana Klenner, Leiterin des Hortes Trinitatis, und Udo Kösters, Leiter der Matthias-Claudius-Grundschule, sind überzeugt davon, dass die Hortbetreuung der geistig behinderten siebenjährigen Lingenerin Lia Salomon unerlässlich für ihre schulische Ausbildung ist. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Die Eltern der behinderten siebenjährigen Lingenerin Lia Salomon sollen für die Hortbetreuung ihrer Tochter monatlich 550 Euro zusätzlich zu den normalen Hortkosten bezahlen. Doch ist dies rechtmäßig?

Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, ob die Hortbetreuung von Lia eine Hilfe zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft darstellt oder unerlässlich für die angemessene Schulbildung des Mädchens ist. Im letzteren Fall dürfte der Landkreis Emsland keinen zusätzlichen Beitrag von den Eltern für die Beschäftigung einer für Lias Betreuung erforderlichen heilpädagogischen Fachkraft verlangen. Seit einem Jahr hat der Kreis diesen jedoch mit dem Argument gefordert, es handele sich bei der Hortbetreuung der Siebenjährigen um eine Hilfe zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.

Nahezu tägliche Absprachen zwischen Hort und Schule

Dies sehen Udo Kösters, Leiter der Lingener Matthias-Claudius-Grundschule, deren 1. Klasse Lia besucht, und Diana Klenner, Leiterin des benachbarten Hortes Trinitatis, in dem das Kind nachmittags betreut wird, jedoch anders. Kösters verweist auf die engen, nahezu täglichen Absprachen zwischen Förderschullehrerin und heilpädagogischer Fachkraft im Hort.

Ohne Hortbetreuung weniger Lernerfolg

Klenner erläutert diese näher: „Welcher Lernstoff muss im Hort wiederholt oder weiter gefördert werden?“, sagt sie. Diese Dinge würden dann im Hort, oft auch in Alltagssituationen, mit Lia geübt. Kösters versichert, dass ohne die Hortbetreuung die Integration von Lia in die Schule sehr viel schwieriger sein würde. „Ohne den Hort hätte Lia bis zum Ende des ersten Schuljahres den erzielten Lernerfolg nicht gehabt“, erklärt der Schulleiter. Die Frage, ob Lias Hortbetreuung unerlässlich für einen erfolgreichen Schulbesuch sei, bejahen sowohl Kösters als auch Klenner ausdrücklich.

Erst vor einer Woche nach Konzept gefragt

Gefragt danach hat sie jedoch bis letzter Woche niemand. „Erst jetzt, als Lia schon ein Jahr die Schule besucht, hat der Landkreis unser Betreuungskonzept für Lia bei mir angefordert“, erklärt Hortleiterin Klenner. Kösters erklärt ebenfalls, dass bei ihm ein Betreuungskonzept für Lia weder von der Stadt noch vom Landkreis angefordert worden sei. Dies kritisiert auch die SPD-Kreistagsfraktion in einer Pressemittelung: „Es stellt sich der SPD-Fraktion die Frage, warum die Kreisverwaltung erst am 13. Juni 2017 , also zwei Wochen nach einer Sozialausschusssitzung und zwei Monate nach Erstellung des Widerspruchbescheides an die betroffene Familie, das Konzept angefordert hat“, schreiben die Sozialdemokraten. Der Antrag auf Übernahme der Hortkosten war bereits im März 2016 gestellt worden.

Landkreis lehnt Stellungnahme ab

Unsere Redaktion hat bei der Stadt Lingen und dem Landkreis Emsland nachgefragt, warum das Betreuungskonzept für Lia erst jetzt angefordert worden ist und offenbar keine konkrete Einzelfallprüfung vorgenommen wurde. Die Stadt Lingen erklärt dazu, „dass eine konkrete Bewertung des Einzelfalles anhand der vorgegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen und der dazu vorherrschenden Urteilslage“ erfolgt sei. Der Landkreis Emsland lehnt eine Stellungnahme mit Hinweis auf ein laufendes Gerichtsverfahren ab: Lias Mutter hat gegen den Bescheid des Landkreises geklagt.

SPD fordert erneute Beratung

Die SPD-Kreistagsfraktion fordert derweil in ihrer Mitteilung, dass über die Angelegenheit, entsprechend der neuen Erkenntnisse, noch einmal beraten wird. „Wir wollen nicht nur über Inklusion reden, wir wollen auch danach handeln“, betont Fraktionsvorsitzende Karin Stief-Kreihe.


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