Helfen statt Gaffen 600 Schulsanitäter proben in Lingen für den Ernstfall

Von Christiane Adam


Lingen. „Helfen statt Gaffen“. Die T-Shirts vom Schulsanitätsdienst des DRK- Kreisverbandes Celle sagten aus, was alle Beteiligten des siebten Leistungswettbewerbs „Mit Herz und Verband“ für Schulsanitäter am Dienstag in den Lingener Emslandhallen eint: Wenn ein Notfall geschieht, wollen sie in der Lage sein zu helfen und nicht nur nutzlos herumstehen und gaffen.

Grund genug für Paulina Wiegmann, Lia Kraus und Julia Goldschmidt vom Franziskusgymnasium in Lingen, sich als Schulsanitäterinnen zu engagieren. „Leuten zu helfen find ich ganz cool. Vielleicht möchte ich später auch beruflich etwas in der Richtung machen“, begründet Paulina aus der neunten Klasse, wieso sie dabei ist.

Parcours mit vielen Stationen

Ein Parcours mit unterschiedlichen Stationen ist unter der Organisation von Norbert Boyer, Fachbereichsleiter Erste Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Kreisverband Emsland, aufgebaut. Jede Station müssen die rund 600 Schüler der rund 100 Schulen durchlaufen. Zumeist in Fünferteams stellen sie sich den Aufgaben.

„Hier liegt ein Junge mit stark gerötetem Gesicht. Vermutlich hat er Kreislaufprobleme durch starke Sonneneinstrahlung. Zunächst muss er vor weiterer Sonne abgeschirmt werden, dann muss er abgekühlt werden“, erklärt Jannik Nitsche vom Schulsanitätsdienst des Gymnasiums Laurentianum Warendorf. Der Zehntklässler hat sich mit seinen Kameraden intensiv auf den heutigen Wettbewerb vorbereitet.

Hilfe für einen Unterkühlten

An der Station vom DRK-Ausbilder Ansgar Grote gilt es einem Unterkühlten zu helfen. „An dieser Station gibt es insgesamt acht Dinge, die die Gruppe durchführen muss. Wurden alle korrekt durchgeführt, erhält die Gruppe 200 Punkte. Dazu gehört, den Eigenschutz zu beachten sowie den Verletzten anzusprechen und zu betreuen, wie eigentlich bei jedem Rettungseinsatz“, erläutert der Ausbilder.

„In Schulnoten haben wir hier gerade eine 2+ geschafft“, freut sich die Sanitruppe der Oberschule Lengerich. „Weiter so“, feuert Schulsozialarbeiter Stephan Glück seine Jungs an: „Wir brauchen die Schulsanitäter bei uns im Schulalltag genauso wie etwa bei Sportfesten.“

Sie werden gebraucht – das ist der entscheidende Punkt, meinen auch der Präsident des DRK-Kreisverbands Emsland, Dieter Sturm, und Geschäftsführer Thomas Hövelmann. „Dieses hier ist ein niedrigschwelliges Angebot für unseren Nachwuchs, sowohl im Ehren- als auch möglicherweise einmal im Hauptamt“, wissen beide aus Erfahrung.

Auch Geschicklichkeit ist gefragt

Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, gibt es beim Leistungswettbewerb auch immer wieder Stationen, an denen es rein um Geschicklichkeit geht, so etwa bei der „Reise nach Jerusalem“, auf die die Polizei die Jugendlichen schickt. Und Frank Jansen hat aus seinem Autohaus vier Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, in die die Schulsanitäter Papierflieger durch ein offenes Fenster fliegen lassen müssen – just for fun. Aber auch dafür gibt es Punkte.

„Diese jungen Leute sind hoch motiviert. Für uns Ärzte und für den Patienten ist derjenige, der an der Unfallstelle bereits Hand angelegt hat, der entscheidende. Ohne Ersthelfer rennen wir Mediziner den Ereignissen nur hinterher“, bekräftigt Dr. Carsten Börner, Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme am Bonifatius-Hospital Lingen, wie wichtig der Einsatz der jungen Leute ist.


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