Zu Besuch in „Plattenkiste“ Lingener Ukrainefahrer gestalten NDR-Sendung

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Der Freundeskreis der Ukrainefahrer stellte sich in der „Plattenkiste“ von NDR1 vor. Von links: Moderator Michael Thürnau, Hans-Joachim Wiedorn, Hinrikus Ude und Alfons Acker. Foto: NDRDer Freundeskreis der Ukrainefahrer stellte sich in der „Plattenkiste“ von NDR1 vor. Von links: Moderator Michael Thürnau, Hans-Joachim Wiedorn, Hinrikus Ude und Alfons Acker. Foto: NDR

Lingen. Viel zu erzählten hatten Hans-Joachim Wiedorn, Hinrikus Ude und Alfons Acker vom Freundeskreis der Ukrainefahrer aus Lingen in der „Plattenkiste“ bei NDR1 Niedersachsen. In der Sendung unterhielten sie sich mit Moderator Michael Thürnau über die Arbeit des Freundeskreises.

Die Gründung geht auf die Jahre 1991/92 zurück, nachdem ehemalige ukrainische Zwangsarbeiter in Lingen Kontakt zur Stadt aufgenommen hatten. Der ehemalige Zwangsarbeiter Wassili, genannt „Franz“, schilderte dann bei einem Besuch die vielen Probleme in der Ukraine. Aus diesem Besuch entwickelte sich eine tiefe Freundschaft und große Hilfsbereitschaft mit vielen Besuchen und Hilfstransporten aus Lingen in die Ukraine.

Hinrikus Ude fährt seit mehr als 25 Jahren dorthin und lieferte Hilfsgüter. Vor einigen Jahren sah es schon besser aus, die Zukunft schien gesichert und die Hilfstransporte sollten eingestellt werden. Dann kam die Besetzung der Krim durch Russland. Als danach der Krieg begann, sah es bald wieder traurig aus in der Wirtschaft. So organisiert der Freundeskreis erneut Lieferungen nach neuerlichen Hilferufen aus der Ukraine. 2003 war Alfons Acker erstmals in die Ukraine gereist, als LKW-Fahrer gesucht wurden. Vier Tage waren sie damals unterwegs. Acker hatte sich die Not schon vorgestellt und war dennoch entsetzt. Er sollte Fotos vom Krankenhaus machen und brachte es nicht fertig. Seither ist er mit ganzem Herzen dabei. Er sammelt Hilfsgüter aus Krankenhäusern wie Medikamente oder Bekleidung – auch aus Dankbarkeit darüber, wie gut es ihm und seiner Familie hier geht.

Auch Hans-Joachim Wiedorn ist schon mehrfach in den Westen der Ukraine gereist. Als er vor 25 Jahren erstmals hinkam, sah es dem kleinen Dorf, das er besuchte, noch aus, wie in Deutschland kurz nach dem 2. Weltkrieg: Die Straßen waren nicht vorhanden, der Dorfplatz eine Wasserpfütze - mit dem LKW hinzukommen, war schwierig. In erster Linie unterstützt der Freundeskreis Einrichtungen, die allen im Dorf zugutekommen: Kindergarten, Schule und Sozialstation. In so einer Station arbeitet jemand, der medizinisch gebildet ist, aber nicht unbedingt Arzt. In der Schule wurden zunächst Dach und Heizung saniert und inzwischen von Kohle auf Gas umgestellt - bis 14 Grad Innentemperatur wurde zuvor noch immer Unterricht erteilt. Inzwischen ist in der Schule eine Küche eingerichtet worden aus den gelieferten Hilfsmitteln. Aus der aufgelösten Kaserne in Lingen wurden die Gerätschaften in die Ganztagsschule in das ukrainische Dorf gebracht.

Die Gäste der Plattenkiste sind froh darüber, dass es in den letzten Jahren etwas besser geworden ist.. Der Ukraine-Konflikt ist auch Thema in den Gesprächen, die sie bei jeder Reise in der Ukraine führen. Sie bemühen sich aber, stets neutral zu bleiben und sich auf ihre Hilfsgütertransporte zu konzentrieren. Die einzelnen Schicksale, von denen sie hören, belasten die Reisenden, zumal sie ihre eigenen Maßstäbe nicht anlegen können. Die Schule sollte neue Heizkörper bekommen - da reichte das Geld aber nur für die erste Hälfte, und so sammelt der Freundeskreis wieder, um beim Weiterbau behilflich zu sein. Da die Mitglieder im Freundeskreis nicht mehr die Jüngsten sind, sammeln sie neben Kleidung oder Schulen auch Spendengelder. Den Einsatz dieser Gelder kontrolliert der Freundeskreis der Ukrainefahrer. Zum Ende der Sendung bedankten sich die drei Gäste bei allen ihren Helfern und Unterstützern.

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