Archäologische Funde Ein Hauch Ägypten am Laxtener Esch in Lingen


Lingen. Seit Anfang April türmen sich entlang der Bundesstraße B214 auf dem Laxtener Esch überdimensionale „Maulwurfshügel“. Dort laufen derzeit archäologische Grabungen, die zuletzt immer wieder interessierte Bürger angelockt haben.

Jeweils zehn bis zwölf Meter sind die einzelnen Einschnitte breit, die sich auf dem Laxtener Esch gut sichtbar durch das Areal ziehen. Die Grabungen sind das Werk eines dreiköpfigen Mitarbeiterteams des archäologischen Fachbüros „Denkmal 3D“, das hier nach Überresten aus längst vergangenen Zeiten sucht.

Prospektion vor sieben Jahren

Die aktuellen Ausgrabungen sind auf eine sogenannte Prospektion im Jahre 2010 zurückzuführen. Damals hatte die Stadt Lingen den Auftrag vor dem Hintergrund des geplanten Baus der Emslandarena auf dem Laxtener Esch vergeben. Von den Planungen ist die Politik später wieder abgerückt, die Prospektion wurde allerdings dennoch durchgeführt. Da während dieser Maßnahme erste Urnenfundstücke gefunden wurden, laufen nun, rund sieben Jahre später, die Hauptausgrabungen auf dem Gelände. Stück für Stück soll so das dortige Siedlungswesen von vor tausenden von Jahren rekonstruiert werden.

Fast fünf Hektar Grabungsfläche

Das Mitarbeiterteam unter der Leitung von Daniela Behrens bearbeitet eine Fläche von etwas weniger als fünf Hektar. „Mittlerweile ist fast die Hälfte des Geländes abgearbeitet“, erklärt die Grabungstechnikerin. Geplant ist, dass die „Rettungsgrabung“ noch weitere drei Monate andauern wird. „Nach unserer Arbeit gilt das Gelände dann als archäologisch steril“, sagt Behrens.

Archäologische Gruppe aus Lingen

Da die Grabungsflächen vor allem für Autofahrer auf der B214 und Anwohner gut sichtbar sind, stoßen die Arbeiten von „Denkmal 3D“seitens der Bürger auf großes Interesse. „Es kommt häufig vor, dass wir angesprochen werden, aus welchem Grund am Laxtener Esch gegraben wird“, führt Behrens aus. Dies sei problematisch, denn jede Unterbrechung würde eine längere Ausgrabungsphase mit sich ziehen. Vereinzelt kam es auch zu Fällen, in denen Hobbyarchäologen ungefragt die Fläche betreten hatten. Mittlerweile ist aus diesem Grund eine mobile Absperrung errichtet worden. „Die Sandschicht ist äußerst fein ohne Lehmanteil“, warnt Behrens. „Mögliche Befunde könnten durch Laien schnell zerstört werden.“ Einzig Mitglieder der Archäologischen Gruppe Lingen wurden in die Abläufe eingewiesen und haben nach Absprache mit der Grabungsleitung Zutritt.

6000 Jahre alte Keramik

Während der bisherigen Ausgrabungsphase von zwei Monaten konnten bereits einige Funde gesichert werden: Unter anderem ist neolithische Keramik gefunden worden, dessen Alter die Experten auf 6000 Jahre schätzen, und einzelne Flinte. Da das Areal fast frei von Steinen ist, könne angenommen werden, dass diese von den Vorfahren benutzt wurden. An manchen Stellen des Geländes seien die Befunde zudem konzentrierter als an anderen. Daraus ließe sich ableiten, dass an diesen Stellen Siedlungen gewesen sein müssten, so Behrens. Auch zwei damalige Straßenwege konnten bereits rekonstruiert werden.

Öffentliche Fachgespräche

Zu den Kosten der Ausgrabungen konnte die Stadt zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen. In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern von „Denkmal 3D“ bietet sie der interessierten Öffentlichkeit am Donnerstag, 1. Juni, jeweils ein Fachgespräch um 16 und 17 Uhr an. Ob das Ausgrabungsgelände dabei auch betreten werden darf, entscheidet die Grabungsleitung kurzfristig. Die Anmeldung ist kostenfrei, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

Mehr aus Lingen lesen Sie in unserem Ortsportal.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN