Begrüßung im historischen Rathaus Stadt Lingen empfängt polnische KZ-Überlebende

Im Historischen Rathaus wurden die ehemaligen polnischen KZ-Häftlinge (3. bis 5. von links) Barbara Pankowska, Halina Brzozowska-Zdunczyk und von Heinz Tellmann (rechts) empfangen. Markus Wellmann und Dolmetscherin Marianne Drechsel-Gillner begleiteten die Frauen. Foto: André PartmannIm Historischen Rathaus wurden die ehemaligen polnischen KZ-Häftlinge (3. bis 5. von links) Barbara Pankowska, Halina Brzozowska-Zdunczyk und von Heinz Tellmann (rechts) empfangen. Markus Wellmann und Dolmetscherin Marianne Drechsel-Gillner begleiteten die Frauen. Foto: André Partmann

Lingen. Lingens Erster Bürgermeister Heinz Tellmann hat drei ehemalige KZ-Häftlinge im Historischen Rathaus empfangen. Die Frauen aus Polen überlebten die grausamen Taten der Nationalsozialisten im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Das Ludwig-Windhorst-Haus (LWH) und das Maximilian-Kolbe-Werk sind seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden. Durch den LWH-Mitbegründer Werner Remmers, der von 1992 bis 2011 Präsident des Maximilian-Kolbe-Werkes war, hatten sich die Kontakte mit der Zeit gefestigt. Zur Zusammenarbeit gehört auch ein jährlicher stattfindender Austausch mit polnischen Zeitzeugen, die den Terror der Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern am eigenen Leib erfahren hatten. In diesen Tagen ist es so weit: Derzeit befinden sich drei ehemalige KZ-Häftlinge im Emsland. Die Frauen wollen nicht nur den Austausch zwischen den Ländern vorantreiben, sondern auch in Schulen von den Gräueltaten der Nationalsozialisten berichten.

Besondere Ehre

Im Zuge des Austausches hat die Stadt Lingen die drei polnischen Bürgerinnen am Montagnachmittag im Historischen Rathaus empfangen. „Es ist eine Freude, Sie in Lingen begrüßen zu dürfen“, sagte Heinz Tellmann, Erster Bürgermeister, während des Empfangs. „Dass wir Gäste in unserer Stadt haben, die unter den Taten der Nationalsozialisten gelitten haben und als Zeitzeugen bereit sind, von den Ereignissen in den Konzentrationslagern zu berichten, ist für uns eine besondere Ehre“, erklärte Tellmann. Durch die regelmäßigen Austäusche erhoffe er sich, die Verbindungen zu den Nachbarn aus Polen zu verbessern. „Wir brauchen eine starke Verbindung zwischen den beiden Ländern, damit auch die Europäische Union stark ist“, führte Tellmann aus.

„Stadt Lingen ist schön“

Halina Brzozowska-Zdunczyk und Elzbieta Podbielska waren bereits vor einigen Jahren zu Gast in Lingen. Für Barbara Pankowska war es der erste Besuch im Emsland. Sie ließ über die ehrenamtliche Dolmetscherin des Maximilan-Kolbe-Werkes, Marianne Drechsel-Gillner, ausrichten: „Wir fühlen uns sehr gut von den Menschen und dem LWH aufgenommen“. Die Stadt sei schön, es gäbe vieles zu sehen.

Zeitzeugengespräche

Während ihres Aufenthaltes im Emsland stehen für die ehemaligen KZ-Häftlinge acht Zeitzeugengespräche auf dem Programm, einige von ihnen fanden bereits statt: Unter anderem beantworteten die polnischen Frauen die Fragen der Schüler im Franziskusgymnasium und im Missionsgymnasium Bardel.

Abreise am Samstag

Dass die politische Stimmung in Europa derzeit nach rechts zu kippen drohe, interessiere die Frauen weniger: „Wir machen unser Ding und lassen uns von einzelnen Politikern nicht beeinflussen“, sagte Halina Brzozowska-Zdunczyk. „Wir sind eine Generation, die nicht unterzukriegen ist.“ Den ehemaligen KZ-Häftlingen sei wichtig, in persönlichen Gesprächen Brücken zwischen den Gesellschaften zu bauen. Die Einladung über das Maximilian-Kolbe-Werk habe die Gruppe deshalb gerne angenommen. Die Abreise der polnischen Frauen ist am Samstag geplant.


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