Keine „good“ und „bad guys“ Am Campus Lingen wird Kommunikation zu Stromtrassen untersucht

Über den Bau von Hochspannungsleitungen wird viel diskutiert. Foto: David EbenerÜber den Bau von Hochspannungsleitungen wird viel diskutiert. Foto: David Ebener

Lingen. Über die Trassenführung von Hochspannungsleitungen, die zur Umsetzung der Energiewende notwendig sind, wird auch im Emsland teils heftig diskutiert. Wie die Kommunikation zwischen den Akteuren abläuft, haben Wissenschaftler des Campus Lingen jetzt näher betrachtet.

Prof. Reinhold Fuhrberg und der wissenschaftliche Mitarbeiter Dimitrij Umansky haben sich im Rahmen des Projektes „Net Future Niedersachsen“ mit diesem Teilaspekt des Themas Netzausbau beschäftigt. Dazu haben sie mit Netzbetreibern, Planungsbehörden und Vertretern von Kommunen gesprochen.

Komplexes Thema

„Dabei ist deutlich geworden, wie komplex das Thema ist“, sagen Fuhrberg und Umansky. Die Bundespolitik wolle die Energiewende und die Netzbetreiber müssten diese durch den Leitungsbau bezahlbar realisieren. „Zugleich haben betroffene Bürger berechtigte Sorgen, dass der Wert ihrer Grundstücke sinkt oder sie durch elektromagnetische Strahlung beeinträchtigt werden“, erklärt Fuhrberg. Und in einer regelrechten „Sandwichposition“ würden sich die Kommunalpolitiker befinden. „Sie sind auf der einen Seite Vertreter der Bürger und wollen wiedergewählt werden, stehen auf der anderen Seite für die Gesamtinteressen ihrer Kommunen ein, die nicht von allen Bürgern geteilt werden“, beschreibt Fuhrberg das Problem, dass sich mit dem Bau einer großen Hochspannungsleitung durch die Landschaft niemand Freunde macht.

Verständnis entwickeln

Eine einfache Lösung dafür, wie diese vielfältigen Interessen in der Kommunikation miteinander in Einklang zu bringen sind, gibt es nicht, sagen die beiden Wissenschaftler. Aber es gibt Ansätze. „Die einzelnen Akteure müssen möglichst viel Verständnis für die andere Seite entwickeln“, fordert Fuhrberg. Und Umansky stellt fest: „Je mehr die Beteiligten gegenseitig kommunizieren, was sie wollen, umso mehr können Missverständnisse vermieden werden.“ Dazu sei es nötig, so viel wie möglich offenzulegen, sagt Umansky.

Unterschiede bei Bürgerbeteiligung

„Völlige Transparenz kann es jedoch nicht geben“, schränkt Fuhrberg ein. Schließlich seien die Netzbetreiber auch Wirtschaftsunternehmen. „Die können nicht ihre komplette Kalkulation auf den Tisch legen“, sagt der Professor. Zudem müsse klar kommuniziert werden, welchen Einfluss Bürger im Rahmen von Beteiligungsverfahren hätten und welchen nicht, macht Fuhrberg deutlich. „Bei Bürgerbeteiligung glauben viele, sie hätten direkten Einfluss auf das Ergebnis. Aber es gibt einen Unterschied zwischen angehört werden und selber mitentscheiden“, macht Fuhrberg deutlich.

Positive Aspekte

Bei aller Komplexität des Themas haben die Wissenschaftler auch positive Aspekte festgestellt. „Die Netzbetreiber treten nicht arrogant oder auf Konfrontation ausgerichtet auf“, sagt Fuhrberg. Umansky fügt hinzu, dass Bürger keine „Wutbürger“ seien und Planungsbehörden nicht etwas durchboxen wollten. „Es gibt eben nicht die ‚good guys‘ oder die ‚bad guys‘ bei diesem Thema“, meint Umansky. „Mit einer besseren gegenseitigem Verständigung lässt sich der Prozess verträglicher gestalten.“


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