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Protest gegen Brennelement-Export Areva-Blockade in Lingen nach zwölf Stunden beendet


wrog/jma Lingen. Fast zwölf Stunden lang haben Demonstranten von Greenpeace am Mittwoch die Zufahrt der Brennelementefabrik von Areva in Lingen blockiert. Sie forderten den Stopp von Brennelemente-Exporten nach Belgien und Frankreich. Während einige der 17 Demonstranten von der Polizei rasch weggeführt werden konnten, gestaltete sich die Räumung bei fünf Aktivisten äußerst schwierig.

Die Arme dieser fünf Demonstranten ragten in Fässer. Wie und ob die Demonstranten mit den Fässern verbunden waren, ist unklar gewesen. Die Demonstranten, die um 9 Uhr innerhalb von fünf Minuten die Blockade errichtet hatten, gaben an, dass sie an der Straße befestigt sind. Eine Demonstrantin sagte gegenüber der Polizei: „Wenn sie die Fässer anheben, brechen sie uns die Arme.“ Die Polizei forderte eine technische Gruppe aus Oldenburg an, die die Demonstranten aus der Verankerung lösen sollte.

Bimsgestein, Stahl und Beton

Die Spezialisten der Polizei, die gegen 14 Uhr eingetroffen waren, schnitten eines der Fässer auf und stießen auf eine Füllung aus Bimsgestein, Stahl und Beton. „Die Mitglieder der technischen Einheit gehen sehr vorsichtig vor, weil wir noch nicht wissen, ob in jedem der Fässer Beton ist“, sagte Polizeisprecher Dennis Dickebohm. Rund zwei Stunden dauerte das Aufschneiden und leichte Anheben des ersten Fasses.

Nägel im Asphalt

Danach entschied sich die Polizei dazu, alle fünf Fässer, die mit Nägeln im Asphalt befestigt waren, anzuheben und auf Hubwagen zu setzen. Die Demonstranten wurden auf Rollbretter gesetzt. Auch dies geschah mit äußerster Vorsicht. Danach schoben die Beamten Fässer und Demonstranten zentimeterweise auf den Parkplatz neben der Zufahrt. Ein weiterer Demonstrant, der sich mit einem Stahlseil um den Hals an das Zufahrtstor des Geländes gekettet hatte, musste ebenfalls losgeschnitten werden. Erst nach 20 Uhr war die Blockade der Brennelementefabrik dann aufgehoben.

Mechanismus ausgelöst

Kurze Zeit, nachdem sie mit den Fässern auf den Parkplatz verfrachtet worden waren, lösten die Demonstranten offensichtlich einen Mechanismus aus, sodass ihre Arme wieder frei waren. Die Polizei nahm die Fässer mit – zu Übungszwecken, wie ein Beamter erklärte.

Areva gelassen

Die Blockade vor dem Werkstor habe man mit Gelassenheit gesehen, hieß es seitens des Unternehmens Areva. Die Produktion sei ohne Einschränkungen weitergelaufen. Areva werde gegen die Demonstranten Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch stellen. Ein Lkw-Fahrer, der das Werksgelände nicht mehr verlassen konnte, zeigte die Blockierer wegen Nötigung an. Zudem begingen die Demonstranten laut Polizei Ordnungswidrigkeiten, weil sie der Aufforderung, den Platz zu verlassen, nicht nachkamen.

Protest gegen Brennelement-Export

In einer vorbereiteten Erklärung hatten die Greenpeace-Demonstranten mitgeteilt, dass sie mit ihrer Aktion gegen die weitere Lieferung von Brennstäben an europäische Kernkraftwerke protestieren. Zu den belieferten Kraftwerken gehören auch die Reaktoren Fessenheim (Frankreich) und Tihange/Doel (Belgien) nahe der deutschen Grenze, in denen es zu Störfällen gekommen ist.

„Atomausstieg inkonsequent“

„Der deutsche Atomausstieg ist absolut inkonsequent. Deutschland kann nicht aus der Atomenergie aussteigen aber zugleich ohne absehbares Ende Schrottreaktoren in ganz Europa antreiben“, wird Heinz Smital von Greenpeace in der Mitteilung zitiert. „Die Bundesregierung muss auch die Herstellung von Kernbrennstoff in Deutschland beenden. Einen Gesetzentwurf haben wir heute in Berlin an Umweltministerin Barbara Hendricks übergeben.“


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