Forum Juden-Christen plant Brief Kritik am geplanten Rosemeyer-Museum in Lingen

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Lingen. Weiter für Aufsehen sorgt in Lingen das vom örtlichen Bauunternehmer Heinrich Liesen geplante Projekt, in der Burgstraße ein „Bernd-Rosemeyer-und-Elly-Beinhorn-Museum“ einzurichten: In Kürze möchte sich das Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen mit kritischen Fragen an den Unternehmer, die im Rat vertretenen Parteien sowie die Öffentlichkeit wenden.

So hatten die Diskussionen über die Bewertung des in den Räumen des ehemaligen Elektrogeschäftes Spiegelberg sowie des benachbarten Seniorenvereins Gelingen (vormals Bäckerei Hollenkamp) geplanten Museums einen breiten Teil der rund dreistündigen Versammlung in der Jüdischen Schule eingenommen. Vor allem die politische Haltung des 1909 in Lingen geborenen Bernd Rosemeyer – der in den 1930-er Jahren nicht nur einer der weltweit erfolgreichsten Motorrad- und Autorennfahrer, sondern seit 1933 auch Mitglied der nationalsozialistischen SS war – und die noch wenig bekannten Intentionen des Unternehmers Liesen zu diesem Projekt hatten dabei im Mittelpunkt gestanden.

Viel Kritik am Museum

So äußerte Christoph Frilling, Autor eines Buches über Rosemeyer und Beinhorn, vor allem Kritik an einigen Äußerungen Liesens in einem großen Bericht über seine Pläne in der Zeitschrift „Pitwalk. Motorsport exclusiv“: „Die dort genannten und angeblich im Lingener Stadtarchiv unter Verschluss gehaltenen Tagebücher Rosemeyers gibt es nicht. Wie auch die dort von Liesen angeführte Rettungsaktion von jüdischen Mitbürgern über den Chirurgen Dr. Strassmann.“ Beide Aussagen bestätigte der Lingener Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus. Auch Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone hatte sich auf Anfrage der Lingener Tagespost überrascht über seine Zitierung im „Pitwalk“-Artikel gezeigt: „Mit dessen Chefredakteur Norbert Ockenga habe ich nie gesprochen.“

Brief an Rat und Verwaltung

Der sichtlich erregte Forums-Vorsitzende Heribert Lange kritisierte das Museumsprojekt ebenfalls in scharfen Worten: „Welchen Sinn macht ein sogenanntes Museum zur Ehre des Rennfahrers und berühmten Sohnes der Stadt Bernd Rosemeyer ohne eine hinreichende Verknüpfung mit seiner gescheiterten politischen Orientierung?“ Daher habe er sich auch persönlich per Brief an Liesen sowie an Rat und Verwaltung mit der Bitte auf Einstellung des Projektes gewandt. Auf beide Schreiben habe er aber nur kurz angebundene Reaktionen erhalten.

Viele Spekulationen

Als „grotesk“ bezeichnete der Lingener Chefarzt Walter Höltermann als neugewähltes Forums-Vorstandsmitglied das Museumsprojekt: „Man könnte dort gut zeigen, wohin Opportunismus führt. Das wird aber wohl kaum die Intention sein. Wenn wir dieses Museum schon nicht verhindern können, dann sollten wir uns damit zumindest kritisch auseinandersetzen.“

Eine kritische Auseinandersetzung mahnte auch sein Vorstandskollege und Kreisarchivar Heiner Schüpp an: „Mich stört aber zunehmend, dass allgemein und auch wir über Dinge reden und spekulieren, die wir nicht kennen. Solange Herr Liesen bei der Stadt keinen Zuschussantrag stellt, ist dieses Museum seine Privatangelegenheit. Und er muss seine Pläne auch nicht offenlegen. Nach der Eröffnung aber kann die Ausstellung bewertet und, wenn sie so ist, wie viele erwarten, auch entsprechend kritisiert werden.“

Ausstellungskonzeption?

Von weiteren Mitgliedern wurde kritisiert, dass über die Ausstellungskonzeption bislang nur wenig bekannt sei. So hatte Lingens Oberbürgermeister Krone nach einem Gespräch mit dem Unternehmer Liesen zwar erklärt: „Wir sind übereingekommen, dass es ein Rosemeyer-Museum in Lingen nur geben kann, wenn nicht nur auf die sportlichen Erfolge, sondern auch auf dessen SS-Mitgliedschaft eingegangen wird.“

„Fachlich geeigneter Kurator“

Nach Krones Aussage sei im aus ihm und den Fraktionsvorsitzenden bestehenden und nicht öffentlich tagenden Ältestenrat des Stadtrates auch vereinbart worden, dass der Kurator eines solchen Museums einen entsprechenden fachlichen Hintergrund mitbringen und die Ausstellung alle Facetten Bernd Rosemeyers darstellen muss.

Einstimmig beschlossen die Forums-Mitglieder auf Antrag des neuen Vorstandsmitglieds Gernot Wilke-Ewert, in den nächsten Tagen eine Stellungnahme mit Fragen zur Konzeption des Museums zu formulieren, die an Liesen, die Stadtratsfraktionen sowie die örtliche Presse geschickt werden soll.


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